Arbeit & Wirtschaft: Die Prognosen zeigen eine leichte wirtschaftliche Verbesserung für Österreich. Was bräuchte es aus Ihrer Sicht jeweils, damit es für das Land weiter bergauf geht?
Judith Falkinger: Wir brauchen eine Preisregulierung für relevante Güter. Die Inflation ist für Beschäftigte noch immer ein Riesenthema. Lebensmittel, Energie, Mieten: Da passiert zwar schon etwas, aber das sind noch immer die großen Inflationstreiber. Viele Mitarbeiter:innen können sich de facto keine Restaurantbesuche mehr leisten. Und auch das ist ein Indikator, der anzeigt, dass es jemandem wirtschaftlich schlecht geht.
Dietmar Breiner: Energie ist bei uns ein Riesenthema, auch im Unternehmen. Wir verbrauchen für die Kühlung der Lebensmittel sehr viel Energie, und die ist derzeit einfach zu teuer. Genauso das tägliche Leben: Mein Betrieb produziert für den Handel, und wir sehen, dass der im großen Stil abkassiert. Die Erzeuger:innen verdienen fast nichts mehr. Und dann der Österreich-Zuschlag: Wir produzieren auch für andere EU-Länder Nahrungsmittel, und dort kann man die Produkte billiger verkaufen als im Inland. Den Zuschlag gab es schon immer, aber jetzt ist er viel spürbarer.
Marion Polaschek: Ich finde es bei allen Schwierigkeiten auch wichtig, dass man mehr positive Perspektiven in die Gesellschaft bringt. Die Leute sind verunsichert. Sie trauen sich auch eher weniger zu machen, zu konsumieren, zu reisen, und das hemmt wiederum die Wirtschaft. Da wird die Botschaft von 1 Prozent mehr Wirtschaftswachstum psychologisch wenig bewirken.

Stichwort Kommunikation: In der Herbstlohnrunde waren Kompromisse notwendig. Wie geht man als Betriebsrat damit um?
Falkinger: Die wirtschaftliche Lage ist, wie sie ist, und es wird auch dauern, bis sie sich wieder einrenkt. Der Kernpunkt ist aber: Man muss kommunizieren, und zwar so, dass die Leute es verstehen – das gilt für den Betriebsrat, die Gewerkschaft und auch die Bundesregierung.
Polaschek: Ich komme aus einem Betrieb, der an sich sehr konservativ ist. Da wird oft paternalistisch kommuniziert. Aber genau das kommt ganz schlecht bei den Leuten an, wenn man ihnen zu verstehen gibt: Ihr müsst da gar nicht drüber nachdenken – wir machen das schon.
Das Thema Klimaschutz droht zugunsten des Wirtschaftswachstums unter die Räder zu kommen. Herr Breiner, Ardo Austria Frost ist in der Landwirtschaft tätig. Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrem Betrieb?
Breiner: Wasser ist ein großes Thema geworden, das merken wir. In Österreich haben wir da aber auch ein Riesenglück: Wir beziehen das Gemüse und Obst aus dem Marchfeld, wir bewirtschaften in Zusammenarbeit mit Hunderten Landwirt:innen über 3.000 Hektar. Und der Konzern kann bis zu 100 Prozent dieser Flächen bewässern. Nur, wie lange wird das noch gehen? Durch andere Anbauverfahren und Sorten brauchen wir heute nicht einmal mehr ein Drittel der Wassermenge, die wir früher gebraucht haben. Also wir haben schon viel eingespart.
Polaschek: Der Klimawandel ist kein Nischenthema, er betrifft uns alle. Denken wir an die Überschwemmungskatastrophe von 2024 – so etwas kann jederzeit wieder kommen.
Falkinger: Und dann gibt es auch noch die finanzielle Seite: Wenn wir die Klimaziele nicht erreichen, dann zahlen wir für die Folgen der Erderwärmung und dazu noch Strafen in Milliardenhöhe.