Unbezahlte Arbeit: Das Schicksal der Betrogenen

(C) Markus Zahradnik

Inhalt

  1. Seite 1 - Die Lohnschere schließt sich kaum
  2. Seite 2 - Stadt – Land – Kindergarten
  3. Seite 3 - Kinder Role Models
  4. Seite 4 - Neue Ideen zur Vereinbarkeit Beruf-Familie gesucht
  5. Seite 5 - Drei Fragen an ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann
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Die Corona-Pandemie führte erneut vor Augen: Care-Arbeit wird weiterhin vorrangig von Frauen übernommen. Sind sie erwerbstätig, droht ein Burnout. Stecken sie beruflich zurück, riskieren sie Altersarmut. Es braucht dringend ein gesellschaftliches Umdenken.
Eine SMS, die inzwischen das ganze Land kennt: „Wenn Mitterlehner das macht – 1,2 Mrd für Kern mit einem nachgeben bei allen bildungspunkten wäre das irre“ (sic), schrieb Thomas Schmid an Sebastian Kurz. Konkret ging es darum, Erlöse in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus der Bankenabgabe in die Kinderbetreuung zu investieren. „Mega Sprengstoff“, schob Schmid nach. Warum? „Das Programm ist nämlich echt geil.“ Und Kurz reagierte: „Gar nicht gut!!! Wie kannst du das aufhalten?“ Er bot zudem an: „Kann ich ein Bundesland aufhetzen?“ Schmids Antwort: „Das sollten wir – wir schicken deinen Leuten heute auch noch die Infos.“

Wie – um es in den Worten Schmids zu formulieren – „geil“ diese Investition in die Kinderbetreuung gewesen wäre, kann so anschaulich gemacht werden: Hätten der damalige SPÖ-Kanzler Christian Kern und ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner 2016 ihre Pläne umsetzen können, „hätte heute jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr seit 2020 einen Rechtsanspruch auf einen gratis Betreuungsplatz – und das maximal 20 Kilometer vom Wohnort entfernt“, sagt Christopher Berka. Er war als früherer Kabinettschef von Kanzler Kern in diese Verhandlungen involviert. „Weil da jetzt immer diese 1,2 Milliarden Euro kolportiert werden: Das ist eigentlich sekundär gewesen. Der springende Punkt war der Rechtsanspruch. Das Geld wäre die Anschubfinanzierung gewesen, damit dann 2020 ausreichend Plätze zur Verfügung gestanden wären.“

Es hätte heute jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr seit 2020 einen Rechtsanspruch auf einen gratis Betreuungsplatz – und das maximal 20 Kilometer vom Wohnort entfernt.

Christopher Berka, ehemals Kabinettschef von Bundeskanzler Christian Kern

Damit hätten in den vergangenen Jahren viele Frauen weiter gar nicht arbeiten, andere nur Teilzeit erwerbstätig sein können. „Da geht es ja nicht nur darum, dass die Betroffenen – meistens Frauen – jetzt weniger verdienen. Das bedeutet ja auch einen Pensionsverlust“, betont Berka.

Riesige Lohnschere

Das Momentum Institut hat sich anlässlich des Equal Pay Day, der dieses Jahr auf den 25. Oktober fiel, den Zusammenhang zwischen dem Gender-Pay-Gap und den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen angesehen und kommt dabei zum Schluss: Dort, wo es längere Öffnungszeiten gibt, ist auch die Einkommenslücke geringer. Demnach ist der Gender-Pay-Gap in Wien mit 18,8 Prozent am niedrigsten – und in Vorarlberg mit 47,5 Prozent am höchsten. Insgesamt zeigt sich ein großer Unterschied zwischen Wien und den anderen Bundesländern, wo die Einkommenslücke überall mindestens 36 Prozent beträgt.

Auch wenn das Großziehen von Kindern nicht nur Frauen-, sondern Familiensache ist, zeigt die Realität, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer noch weitgehend ein Frauenthema ist. Das führte die immer noch nicht überstandene Corona-Pandemie einmal mehr eindrucksvoll vor Augen. Die Wirtschaftsuniversität Wien sah sich 2020 im Auftrag der AK Wien an, wie sich in den Lockdowns Homeoffice und Kinderbetreuung vereinbaren ließen. Die Studie untermauerte einerseits, dass sich diese beiden Aufgaben schwer unter einen Hut bringen lassen. Sie zeigte aber vor allem auch, dass Frauen in dieser Situation mehr Betreuungsarbeit übernahmen und sich dadurch auch schlechter auf ihre Erwerbsarbeit konzentrieren konnten als Männer.

Fast 70 Prozent der befragten Frauen (Sample: 2.113 Beschäftigte) stimmten der Aussage zu: „Ich komme besser mit meinen Kindern zurecht, wenn ich für die Arbeit die Wohnung verlasse und nicht im Homeoffice arbeite.“ Bei den Männern waren es nur an die 40 Prozent.

„Das ist das Autonomieparadoxon“, erklärt Katharina Mader, Ökonomin in der Frauenabteilung der Arbeiterkammer Wien. Ähnliche Effekte hätten auch Studien zum Homeoffice aus der Vor-Corona-Zeit in Deutschland und Großbritannien gezeigt. „Mütter haben zwar das Gefühl von mehr Autonomie, am Ende leisten sie aber mehr Arbeit – bezahlte und unbezahlte –, als wenn sie im Büro wären.“ Der Schlüssel sei hier die funktionierende Kinderbetreuung. Gebe es diese, biete das Homeoffice einen Vorteil, da Wegzeiten wegfallen. In der besonderen Pandemiesituation habe es diese aber vielfach nicht gegeben.


Stadt – Land – Kindergarten

Welche Schlüsse lassen sich daraus für die Post-Pandemie-Zeit ziehen? Einerseits brauche es eben flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen. Hier gibt es in Österreich noch ein massives Stadt-Land-Gefälle. „Wir sollten aber auch über eine Arbeitszeitreduktion für alle – Männer wie Frauen – reden“, sagt Mader. „Vollzeit sollte nicht 40, sondern 30 bis 35 Stunden pro Woche – bei existenzsichernden Löhnen – bedeuten. Da ginge sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle deutlich besser aus. Es geht also darum, Arbeit fairer zu verteilen.“

Wir sollten aber auch über eine Arbeitszeitreduktion für alle – Männer wie Frauen – reden.

Katharina Mader, Ökonomin

Jahrzehntelang stand die ÖVP auf der Bremse, wenn es um Ganztagsschulen und ganztägige Betreuung jüngerer Kinder ging. Doch die Realität hat hier die Ideologie inzwischen überholt – viele Familien kommen schlicht mit einem Gehalt finanziell nicht mehr zurecht. Schmid und Kurz war klar, als sie die Verhandlungen mit dem damaligen Koalitionspartner SPÖ über einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung schließlich torpedierten, dass es sich dabei um ein gutes Projekt gehandelt hätte. Sie gönnten Kern schlicht diesen politischen Erfolg nicht – ausbaden mussten und müssen das bis heute Eltern und dabei vor allem Frauen.

Diesen Herbst ließen nun die Sozialpartnerinnen aufhorchen: Gemeinsam mit der Industriellenvereinigung präsentierten ÖGB, Wirtschaftskammer, AK sowie die Landwirtschaftskammer einen Forderungskatalog zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als gemeinsames Ziel wird dabei „ein Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag“ formuliert. Die Intention: „Mit dem vorliegenden Papier möchten die Sozialpartnerinnen und die Industriellenvereinigung den Weg zur Umsetzung eines Rechtsanspruchs konkretisieren, zeitliche Milestones aufzeigen und die notwendige Finanzierung transparent machen. Die ‚Roadmap Rechtsanspruch‘ zeigt, welche Schritte bis wann zu setzen sind, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Qualität in der Elementarpädagogik in Österreich maßgeblich zu verbessern.“

Gleichzeitig legen die genannten Institutionen in dem Papier auch ein gemeinsames Bekenntnis ab: „Die Sozialpartnerinnen und die Industriellenvereinigung bekennen sich zu einer bedarfsorientierten, flächendeckenden, flexiblen sowie leistbaren Kinderbetreuung und hochwertigen Elementarbildung als unverzichtbare Zukunftsbereiche. Deshalb setzen sie sich gemeinsam für Investitionen, nachhaltige Verbesserungen und die Umsetzung eines Rechtsanspruchs auf qualitätsvolle Kinderbetreuung und -bildung ab dem ersten Geburtstag ein.“

Ist hier ein Paradigmenwechsel zu erkennen? Erkennen inzwischen auch konservativere Kreise an, dass Familien Kinderbetreuung brauchen, fragte Arbeit&Wirtschaft AK-Präsidentin Renate Anderl. „Egal, ob Vereinbarkeit von Familie und Beruf, faire Chancen für jedes Kind, bessere Arbeitsmarktchancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mehr Fachkräfte für Unternehmen, die Stärkung des Standortes und des ländlichen Raumes oder die Gleichstellung von Frauen und Männern – Kinderbetreuung und Elementarbildung spielen dabei immer eine zentrale Rolle“, betont sie. Vereinbarkeit sei ein zentrales Zukunftsthema, bei dem Politik, Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen an einem Strang ziehen müssten. „Die diesbezüglichen gemeinsamen Forderungen der Sozialpartnerinnen und Industriellenvereinigung sind daher kein großer Widerspruch, denn gute Kinderbildungseinrichtungen und der Rechtsanspruch darauf nützen ja allen: Eltern können Vollzeit arbeiten, Betriebe haben ausreichend Personal, Kinder bekommen frühzeitig gute Bildung – auch der Kindergarten ist schließlich eine Bildungseinrichtung.“


Kinder brauchen Role Models

Anderl unterstreicht aber vor allem auch die Notwendigkeit von ausreichend Kinderbetreuungsplätzen, wenn es um die Erwerbstätigkeit von Frauen geht. „Gibt es genügend Kinderbildungsplätze, auch für die Kleinsten, dann haben Eltern endlich eine echte Wahlmöglichkeit, ob und wie viele Stunden sie arbeiten möchten. Wir wissen aber, dass es größtenteils die Frauen sind, die zu Hause bleiben. Etwa bei der Karenz: Die Väterbeteiligung lässt hier nach wie vor zu wünschen übrig.“ Bei acht von zehn Paaren gehen Väter weder in Karenz noch beziehen sie Kinderbetreuungsgeld, nur drei Prozent der Väter gehen länger als drei Monate in Karenz, ein Prozent davon sechs Monate. Anderl weiter: „Das muss sich ändern. Wir wollen, dass es ganz normal ist, dass auch Väter in Karenz gehen.“ Väter würden zudem nicht mehr nur auf die Rolle des Ernährers reduziert, sondern auch mehr Zeit für ihre Familie haben. Und Kinder bräuchten Role Models. „Schon kleine Mädchen und Buben sollen sehen, dass weder eine Frau noch ein Mann auf irgendeine Rolle eingeschränkt ist. Dann ändert sich vielleicht auch endlich die Zahl der Väter in Karenz“, hofft Anderl.

Schon kleine Mädchen und Buben sollen sehen, dass weder eine Frau noch ein Mann auf irgendeine Rolle eingeschränkt ist. Dann ändert sich vielleicht auch endlich die Zahl der Väter in Karenz.

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer

Und wie kann insgesamt eine fairere Aufteilung von Care- und Erwerbsarbeit in der Gesellschaft erreicht werden? „Wir müssen wegkommen von dem noch vielfach vorhandenen Muster, dass Männer Vollzeit und Frauen Teilzeit arbeiten, wenn es kleine Kinder gibt. Wir leben zwar im Jahr 2021 mitten im modernen Europa, aber diese Modelle sind immer noch, vor allem im ländlichen Raum, weit verbreitet – dort vielfach mangels Angebot“, kritisiert die AK-Präsidentin. Dasselbe gelte auch, wenn es um die Pflege von Angehörigen gehe, auch hier seien es Töchter, Schwiegertöchter, Enkelinnen und Nichten, die das schultern würden.

„Was wir also brauchen, sind flächendeckende, qualitativ hochwertige Einrichtungen und Angebote, die Familien bei der Care-Arbeit unterstützen. Dazu müssen diese Berufe – von Pädagog:innen bis hin zu Pflegekräften – attraktiver werden. Wir fordern dazu Verbesserungen bei der Ausbildung, bei den Arbeitsbedingungen und bei der Bezahlung.“ Die AK habe außerdem mit der „Familienarbeitszeit“ ein Modell entwickelt, das Arbeitszeit und Freizeit in den Familien neu sortiere. Neben finanziellen Aspekten vor allem für Frauen, wenn sie die Arbeitszeit erhöhen, könne das auch zur fairen Aufteilung von Care-Arbeit in den Familien beitragen.


„100 Prozent Kinderbetreuung und 100 Prozent Erwerbstätigkeit funktionieren nicht – entweder es kommt die Arbeit oder das Kind zu kurz“, meint AK-Ökonomin Katharina Mader.

Neue Ideen

Bei dem Modell „Familienarbeitszeit“ handelt es sich um einen gemeinsamen Vorschlag von AK und ÖGB. Zentraler Punkt ist, dass dabei beide Elternteile ungefähr gleich viel Zeit für die Kinderbetreuung und für Erwerbsarbeit zur Verfügung haben. Konkret würden hier beide Partner:innen nach der Karenz ihre Arbeitszeit auf 28 bis 32 Wochenstunden reduzieren beziehungsweise erhöhen. Wird dem entsprochen, bekäme jeder Elternteil eine steuerfreie Pauschale von 250 Euro pro Monat ausbezahlt. Dieses Geld könnte bis zum vierten Geburtstag des Kindes bezogen werden – auch Alleinerziehende könnten diese Pauschale erhalten. Finanziert werden könnte dies über den Familienlastenausgleichsfonds. Die Sozialversicherungsbeiträge wären – wie etwa auch bei der Altersteilzeit – auf Basis der Normalarbeitszeit zu berechnen und würden dem Dienstgeber vom Arbeitsmarktservice teilweise ersetzt.

Was die Studie zu Homeoffice in der Corona-Zeit zeigte: „100 Prozent Kinderbetreuung und 100 Prozent Erwerbstätigkeit zum gleichen Zeitpunkt funktionieren nicht – entweder es kommt die Arbeit oder das Kind zu kurz“, betont Mader. Es sei also auch kein Ausweg für Frauen zu versuchen, fehlende oder zeitlich nur eingeschränkt zur Verfügung stehende Kinderbetreuung etwa in ländlichen Gegenden durch Arbeit im Homeoffice zu kompensieren. Was aber ein überlegenswerter Ansatz wäre: „vermehrt Co-Working Spaces dort einzurichten, wo es Kinderbetreuung gibt, etwa neben dem Gemeindekindergarten“. So sparen sich Eltern Wegzeiten, was auch zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Betreuungspflichten beitrage. Aber auch das Problem der Entgrenzung, über das viele Arbeitnehmer:innen klagen, die erst in der Corona-Zeit begannen, von zu Hause zu arbeiten, könnte so vermieden werden.

Und dann gibt es aber auch noch die vielen Erwerbstätigen, die ihren Beruf gar nicht vom Homeoffice aus ausüben können: Pflegekräfte und Ärzt:innen, Pädagog:innen und Verkäufer:innen, Reinigungskräfte und Fertigungspersonal in Fabriken. Sie alle müssen an ihrem Arbeitsplatz sein, um ihre Arbeit verrichten zu können. Hier sind noch mehr Betriebskindergärten, als es bereits gibt, ein möglicher Schlüssel. Ein weiterer ist aber eben auch ein Umdenken, wenn es um die Verteilung und Bewertung von Arbeit insgesamt gehe, unterstreicht Mader.

Es geht nur gemeinsam

Am Ende bleibt: Soll sich für Frauen etwas ändern, muss sich auch für Männer etwas ändern. Das haben inzwischen nicht nur alle Sozialpartnerinnen, sondern – theoretisch – auch alle Parteien erkannt. Der erste Schritt wäre, hier nun rasch für einen flächendeckenden Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen zu sorgen, was – ähnlich wie im Bereich der Pflege – nicht nur den Bau von Kindergärten und Horten, sondern vor allem die Ausbildung von Personal, in diesem Fall von Elementarpädagog:innen, erfordert.

Auch hier lassen die Sozialpartnerinnen und die Industriellenvereinigung in ihrem gemeinsamen Papier übrigens aufhorchen. Derzeit werden Elementarpädagog:innen in Bundesanstalten für Elementarpädagogik (BAFEP) ausgebildet, die mit der Matura abschließen. AK, ÖGB, Wirtschaftskammer & Co. fordern hier jedoch die Einrichtung eines Bachelor-Studiums bis 2023. Das brächte à la longue auch eine bessere Bezahlung der hier Beschäftigten mit sich, von denen das Gros weiblich ist. Auch dadurch würde diese wichtige professionelle Care-Arbeit aufgewertet und wertgeschätzt – damit sich nicht weitere Generationen von Beschäftigten in Kinderbetreuungs- und -bildungseinrichtungen fragen müssen, warum sie als Systemerhalter:innen gelten und dennoch bisweilen Probleme haben, ihren Alltag zu finanzieren.


Es müssen sich mehr Männer an der Sorgearbeit beteiligen, meint ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann.

Drei Fragen zum Thema

an Korinna Schumann, Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB

Pensionsfalle Kinder: Wie kann vermieden werden, dass Frauen wegen Betreuungspflichten im Alter in die Armut rutschen?

Kinderbetreuungszeiten müssen besser angerechnet werden, und ein schnellerer Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit sowie mehr Vollzeitarbeitsplätze für Frauen sind wichtig. Ein flächendeckender Ausbau der Kinderbildungsplätze ist hierfür unerlässlich.

Die Schaffung von mehr Kinderbetreuungsplätzen ist also ein Schlüsselelement. Wo muss hier konkret angesetzt werden?

Gerade im ländlichen Raum gibt es großen Aufholbedarf. Hier müssen mehr Einrichtungen mit längeren Öffnungszeiten und Öffnungstagen geschaffen werden. Aber auch die Betreuung der unter Dreijährigen sollte ausgebaut werden. Als Sozialpartnerinnen fordern wir daher gemeinsam mit der Industriellenvereinigung den Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz ab dem ersten Geburtstag. Städte, Gemeinden und Länder sind verpflichtet, die Kinderbildungsplätze bereitzustellen, und der Bund muss ihnen die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen. Es braucht eine Aufstockung der Mittel auf eine Milliarde Euro und mehr Beschäftigte in der Elementarpädagogik. Wir müssen das Berufsbild attraktivieren – durch bessere Bezahlung, Ausbildung und Arbeitsbedingungen.

Kinder sind ja nicht nur Frauensache. Wie können Care- und Erwerbstätigkeiten gerechter aufgeteilt werden?

Mehr Männer müssen sich an der Sorgearbeit beteiligen. Nur so kann unbezahlte Arbeit zwischen den Geschlechtern gerechter verteilt werden, was Frauen ermöglicht, schneller wieder ins Erwerbsleben einzusteigen und ihre Arbeitszeiten aufzustocken. Das Modell der Familienarbeitszeit von ÖGB und AK sieht vor, dass es bei einer Arbeitszeit zwischen 28 und 32 Stunden pro Elternteil eine Pauschale von 250 Euro im Monat gibt. Ein derartiges Modell könnte einen wichtigen Anreiz schaffen.

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Über den/die Autor*in

Alexia Weiss

Alexia Weiss, geboren 1971 in Wien, Journalistin und Autorin. Germanistikstudium und Journalismusausbildung an der Universität Wien. Seit 1993 journalistisch tätig, u.a. als Redakteurin der Austria Presse Agentur. Ab 2007 freie Journalistin. Aktuell schreibt sie für das jüdische Magazin WINA, für gewerkschaftliche Medien wie die KOMPETENZ der GPA-djp und sie bloggt wöchentlich zum Thema „Jüdisch leben“ auf der Wiener Zeitung. 2021 erschien ihr bisher letztes Buch "Jude ist kein Schimpfwort" (Verlag Kremayr & Scheriau).