Unbezahlte Arbeit: Das Schicksal der Betrogenen

Inhalt

  1. Seite 1 - Die Lohnschere schließt sich kaum
  2. Seite 2 - Stadt – Land – Kindergarten
  3. Seite 3 - Kinder Role Models
  4. Seite 4 - Neue Ideen zur Vereinbarkeit Beruf-Familie gesucht
  5. Seite 5 - Drei Fragen an ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann
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Die Corona-Pandemie führte erneut vor Augen: Care-Arbeit wird weiterhin vorrangig von Frauen übernommen. Sind sie erwerbstätig, droht ein Burnout. Stecken sie beruflich zurück, riskieren sie Altersarmut. Es braucht dringend ein gesellschaftliches Umdenken.

Kinder brauchen Role Models

Anderl unterstreicht aber vor allem auch die Notwendigkeit von ausreichend Kinderbetreuungsplätzen, wenn es um die Erwerbstätigkeit von Frauen geht. „Gibt es genügend Kinderbildungsplätze, auch für die Kleinsten, dann haben Eltern endlich eine echte Wahlmöglichkeit, ob und wie viele Stunden sie arbeiten möchten. Wir wissen aber, dass es größtenteils die Frauen sind, die zu Hause bleiben. Etwa bei der Karenz: Die Väterbeteiligung lässt hier nach wie vor zu wünschen übrig.“ Bei acht von zehn Paaren gehen Väter weder in Karenz noch beziehen sie Kinderbetreuungsgeld, nur drei Prozent der Väter gehen länger als drei Monate in Karenz, ein Prozent davon sechs Monate. Anderl weiter: „Das muss sich ändern. Wir wollen, dass es ganz normal ist, dass auch Väter in Karenz gehen.“ Väter würden zudem nicht mehr nur auf die Rolle des Ernährers reduziert, sondern auch mehr Zeit für ihre Familie haben. Und Kinder bräuchten Role Models. „Schon kleine Mädchen und Buben sollen sehen, dass weder eine Frau noch ein Mann auf irgendeine Rolle eingeschränkt ist. Dann ändert sich vielleicht auch endlich die Zahl der Väter in Karenz“, hofft Anderl.

Schon kleine Mädchen und Buben sollen sehen, dass weder eine Frau noch ein Mann auf irgendeine Rolle eingeschränkt ist. Dann ändert sich vielleicht auch endlich die Zahl der Väter in Karenz.

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer

Und wie kann insgesamt eine fairere Aufteilung von Care- und Erwerbsarbeit in der Gesellschaft erreicht werden? „Wir müssen wegkommen von dem noch vielfach vorhandenen Muster, dass Männer Vollzeit und Frauen Teilzeit arbeiten, wenn es kleine Kinder gibt. Wir leben zwar im Jahr 2021 mitten im modernen Europa, aber diese Modelle sind immer noch, vor allem im ländlichen Raum, weit verbreitet – dort vielfach mangels Angebot“, kritisiert die AK-Präsidentin. Dasselbe gelte auch, wenn es um die Pflege von Angehörigen gehe, auch hier seien es Töchter, Schwiegertöchter, Enkelinnen und Nichten, die das schultern würden.

„Was wir also brauchen, sind flächendeckende, qualitativ hochwertige Einrichtungen und Angebote, die Familien bei der Care-Arbeit unterstützen. Dazu müssen diese Berufe – von Pädagog:innen bis hin zu Pflegekräften – attraktiver werden. Wir fordern dazu Verbesserungen bei der Ausbildung, bei den Arbeitsbedingungen und bei der Bezahlung.“ Die AK habe außerdem mit der „Familienarbeitszeit“ ein Modell entwickelt, das Arbeitszeit und Freizeit in den Familien neu sortiere. Neben finanziellen Aspekten vor allem für Frauen, wenn sie die Arbeitszeit erhöhen, könne das auch zur fairen Aufteilung von Care-Arbeit in den Familien beitragen.

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Über den/die Autor*in

Alexia Weiss

Alexia Weiss, geboren 1971 in Wien, Journalistin und Autorin. Germanistikstudium und Journalismusausbildung an der Universität Wien. Seit 1993 journalistisch tätig, u.a. als Redakteurin der Austria Presse Agentur. Ab 2007 freie Journalistin. Aktuell schreibt sie für das jüdische Magazin WINA, für gewerkschaftliche Medien wie die KOMPETENZ der GPA-djp und sie bloggt wöchentlich zum Thema „Jüdisch leben“ auf der Wiener Zeitung. 2021 erschien ihr bisher letztes Buch "Jude ist kein Schimpfwort" (Verlag Kremayr & Scheriau).