Reportage: Nachhaltiger Gründergeist

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Nicht alle Start-up-GründerInnen träumen einzig davon, rasch an das große Geld zu kommen. Ein Lokalaugenschein bei Start-ups, für die umweltbewusst-nachhaltiges Handeln und eine soziale Haltung wichtige Eckpfeiler der Unternehmenskultur sind.

Ein Schuh mit Ultraschall

Ein Schuh, der Hindernisse erkennt und seine/n TrägerIn rechtzeitig warnt: Der Walkassist soll Menschen mit visuellen Einschränkungen dabei helfen, sicher durch den Alltag zu kommen. Daran arbeitet gerade das Start-up Tec-Innovation mit Forschungslabor in Wien. Geschäftsführer Kevin Pajestka erzählt, wie die Idee entstand: „Ein ehemaliger Nachbar von mir litt unter Morbus Parkinson und war schon in einem Stadium, wo er über bestimmte Hindernisse gestolpert ist. So habe ich mir in der HTL Mistelbach gedacht, dass eine Hinderniserkennung auf Bodenhöhe ein gutes Thema für eine Diplomarbeit wäre.“ Das eingebaute Warnsystem sei mit den Parksensoren in einem Auto vergleichbar: „Es sind Ultraschallsensoren. Wenn man sich einem Hindernis nähert, gibt das System das wieder und der Anwender weiß, wie weit er entfernt ist.“ Derzeit überlegen Pajestka und Co noch, wie der Walkassist im Detail aussehen soll. „Es wird entweder ein Schuh, in dem die Technik fix verbaut ist, oder eine Sohle, die man wechseln kann.“ Letzteres wäre kostengünstiger, so Pajestka. Verschiedene Modelle wie Wanderschuhe oder Abendschuhe sind geplant. Das Produkt soll 2018 in Serie gehen. Getestet wird der Walkassist vor allem von Mitgründer Markus Raffer, der selbst eine Sehbehinderung hat. „Dann haben wir eine Reihe von freiwilligen Probanden, an die wir in der nächsten Testreihe mit noch mehr Modellen herantreten werden.“ In einem ersten Schritt soll der Walkassist im Jahr 2018 als Freizeitschuh auf den Markt kommen, danach sind auch Kooperationen zum Beispiel mit der Wiener Berufsfeuerwehr geplant.

Foto (C) Michael Mazohl
Stefan Patak ist Mitgründer der Berufs­informationsplattform whatchado.
Von Lehrlingen bis zu GeschäftsführerInnen: Sie alle erzählen in Kurzvideos von Arbeitsalltag und Werdegang.

Müllvermeidung made in Austria

Vom Walkassist zu Zero Waste Austria: Das 2015 von Helene Pattermann gegründete Projekt bietet Start-ups, die sich der Schonung von Ressourcen verschreiben, die Möglichkeit, sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. So soll eine Unternehmenskultur der Müllvermeidung gefördert werden. Die Idee, Zero Waste Austria zu gründen, hatte Pattermann, weil es in Österreich mehr „Bewusstsein dafür braucht, was Zero Waste ist“. Pattermann wollte diese internationale Bewegung, die sich auf die Reduzierung von Müll spezialisiert hat, auch hierzulande verbreiten. „Dann habe ich mehrere Projekte kennengelernt, die auf Müllvermeidung setzen, und mir gedacht, dass diese eine Bühne brauchen“, sagt Pattermann. Dafür arbeitet sie auch mit dem „Zero Waste Europe“-Netzwerk in Brüssel zusammen. Sie möchte die Menschen dazu bringen, ihr Konsumverhalten zu überdenken. „Die Zero-Waste-Bewegung ist wichtig, weil es nicht um die Müllbehandlung, sondern um die Müllvermeidung geht. Es ist in der heutigen Zeit wichtig, dass wir anders mit unseren Ressourcen umgehen.“ Zero Waste vermittle ein spezielles Lebensgefühl: „Es ist ein Lifestyle und begeistert dadurch auch Menschen, die sonst von etwas nicht so leicht zu überzeugen sind.“

Foto (C) Michael Mazohl
Im whatchado-Büro im vierten Wiener Gemeindebezirk ­arbeiten 59 MitarbeiterInnen aus
13 Nationen. Es wird hauptsächlich Deutsch und Englisch gesprochen. Stefan Patak ist für die ­Zufriedenheit seiner Mitarbeiter verantwortlich und Schnittstelle zwischen den Angestellten und dem Management. Das soll den „Start-up-Spirit“ erhalten.

Zurück zu bgood: Mitgründer Christoph Hantschk erzählt, dass das Start-up die Zeit bei INiTS noch 2017 erfolgreich abschließen wird. Neben der smarten Einkaufstasche plant das Unternehmen, einen Anhänger mit integriertem Chip auf den Markt zu bringen. Dieser könne dann auf jede Tasche gehängt werden, so Hantschk, der bereits an weitere Funktionsweisen denkt: „Warum nicht in Zukunft mit der Tasche selbst bezahlen? So spart man Zeit und muss nicht nach der Geldbörse suchen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

Von
Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 5/17.

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