Reportage: Nachhaltiger Gründergeist

Foto (C) Michael Mazohl
Die goodbag ist das erste Produkt der Plattform bgood. Die smarte Einkaufs­tasche aus Jute kann beim Einkauf gescannt werden. Mit jedem zehnten Scan wird ein Baum im afrikanischen Staat Sambia gepflanzt. Die Tasche soll künftig auch zu Rabatten führen.

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Nicht alle Start-up-GründerInnen träumen einzig davon, rasch an das große Geld zu kommen. Ein Lokalaugenschein bei Start-ups, für die umweltbewusst-nachhaltiges Handeln und eine soziale Haltung wichtige Eckpfeiler der Unternehmenskultur sind.
Jeden Tag ganz unkompliziert eine gute Tat tun – und dafür auch noch belohnt werden: Das ist die Grundidee der smarten Einkaufstasche (goodbag) von bgood. Inspiriert dazu wurde Mitgründer Christoph Hantschk beim Sport: „Fitness-Apps motivieren und zeigen direkte Ergebnisse. Ich war laufen und sah einen Mann, der im Anzug Müll vom Boden aufhob und entsorgte. Da dachte ich mir: Es wäre cool, dafür eine Belohnung zu geben.“ Daraus entstand die Idee, die Plattform bgood zu entwickeln. Diese ermöglicht es den NutzerInnen, ihr Handeln bildlich darzustellen, um so die Motivation zu erhöhen. Das Grundprinzip ist ähnlich wie bei Fitness-Apps: zu motivieren, indem sie sofort die Erfolge anzeigen. Das soll Lust auf mehr machen. Das erste Produkt von bgood ist eine smarte Einkaufstasche. Der in die Tasche integrierte Chip soll an der Kasse von teilnehmenden Geschäften gescannt werden können. Der Clou dabei: Mit jedem 10. Scan soll ein Baum im afrikanischen Staat Sambia gepflanzt werden.

„Das Projekt hat eine ökologische und eine soziale Komponente, da dadurch auch die lokale Wirtschaft gestützt wird“, so Hantschk. Neben den Bäumen sollen BesitzerInnen der Tasche auch direkt profitieren: „Ab Herbst 2017 soll es für Einkäufe mit der goodbag Goodies und Rabatte in teilnehmenden Geschäften geben.“ Sicherheit ist dabei ein zentrales Thema: „Der Kunde muss nah zum Lesegerät gehen, es werden keine Daten gespeichert. Die Informationen sind bei uns auf sicheren Datenbanken hinterlegt.“ Die Tasche besteht aus umweltfreundlicher Jute, bei der Herstellung lege bgood Wert auf Langlebigkeit und Vielseitigkeit, betont Hantschk. „Die Tasche ist aus robustem Material und groß genug, dass ein mittlerer Einkauf darin Platz findet. Außerdem ist der Chip wasserfest, die Tasche kann also gewaschen werden.“

Foto (C) Michael Mazohl
whatchado kommt aus dem US-Slang und heißt „Was machst du?“. Das „Handbuch der Lebensgeschichten“ informiert über Berufe. Erste Webvideos wurden noch
mit Freizeitcam gedreht, inzwischen sind mehr als 5.500 Storys online.

Ein wichtiges Problem bei Start-ups wie bgood ist die Finanzierung. Das Ende 2015 gegründete Unternehmen entschied sich daher, zu INiTS der TU Wien zu gehen. „INiTS ist ein Business-Inkubator, ein Brutkasten. Wir helfen Start-ups dabei, auf den Weg zu kommen“, sagt INiTS-Pressesprecher Erwin Hemetsberger. Viele innovative Unternehmen mit großem Potenzial seien ohne Hilfe nicht überlebensfähig, da Investoren fast immer erst in späteren Phasen einsteigen. „Wir unterstützen akademische Start-ups und Gründungen. Zumindest einer der Gründer muss einen akademischen Hintergrund haben.“

Die Unternehmen müssen in Wien gegründet worden sein und ein skalierbares Hightech-Produkt anbieten. Neben bgood bediente sich unter anderem die Flohmarkt-App Shpock der Unterstützung von INiTS. Während ihrer Zeit im Inkubator durchlaufen die Start-ups mehrere Workshops. Die Start-ups werden, so Hemetsberger, mit ihrem unfertigen Produkt zu den KundInnen geschickt und entwickeln dieses in drei Monaten fertig. „Wir verteilen auch Fördergeld, das vom Ministerium gegeben wird, und haben ein sehr großes Netzwerk von Investoren, Partnern, Mentoren und Business Angels.“ INiTS stelle hier Kontakte her und helfe beim Abschließen von Deals. Abhängig vom jeweiligen Unternehmen können diese bis zu 18 Monate INiTS in Anspruch nehmen. In dieser Zeit müssen Meilensteine wie zum Beispiel die Präsentation vor ersten Investoren am Ende des Start-up-Camps erfolgreich abgeschlossen werden. „Dafür muss man sich qualifizieren. Wir lassen nicht jeden dort auftreten“, so Hemetsberger. Wer die Möglichkeit erhält, richte sich nach Fragen wie: „Wie wird der Input der Kunden verarbeitet: Ist der Gründer begierig darauf, sein Produkt zu überarbeiten, oder ist er beratungsresistent?“ So soll eruiert werden, ob die GründerInnen ihre Hausaufgaben gemacht haben, um Investoren gegenübertreten zu können. Wer diese Hürde schafft, erhält die nächste Tranche der Finanzierung.

Foto (C) Michael Mazohl
Die Plattform „Zero Waste Austria“ holt seit 2015 ressourcenschonende Prak­tiken und Start-ups vor den Vorhang. Die­­ ­AkteurInnen sollen sich online und offline vernetzen und so unkompliziert Gleich­gesinnte kennenlernen.

Was macht eigentlich ein Pedobarologe? Kann man auch als professioneller Pokemon-Trainer sein Geld verdienen? Die Berufsorientierungsplattform whatchado beantwortet Fragen wie diese, ihre Zielgruppe sind vor allem junge Menschen. So erfahren Interessierte in kurzen Videos zum Beispiel, dass ein Pedobarologe sich mit der Messung des Fußdruckes beim Menschen befasst und man tatsächlich als Pokemon-Trainer arbeiten kann. In den Clips erzählen Menschen von ihrem beruflichen Werdegang. „whatchado hat die Vision, junge Menschen glücklich zu machen, indem sie den Beruf finden, der zu ihren persönlichen Interessen passt“, sagt Mitgründer Stefan Patak. Die Plattform versuche, junge Menschen dafür zu begeistern, sich mit einer Vielzahl beruflicher Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

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