Reportage: Eine große Portion Liebe

Von großen Herausforderungen und kleinen Wundern: Die Arbeit von KrankenpflegerInnen ist anspruchsvoll. Ein Rundgang in der Klinik Hietzing mit der chirurgischen Schwester Miriam Mijatovic.

Inhalt

  1. Seite 1 - Fußmarsch durch Wiener Geschichte
  2. Seite 2 - Mit Leib und Seele in Hietzing
  3. Seite 3 - Wenn ein Krankenhaus zum Organspender wird
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Nachdem die plastische Chirurgie von der Klinik Hietzing abgesiedelt wurde, arbeitet Mijatovic nun in der Überwachungsabteilung der 2. Chirurgie.

Mit Leib und Seele in Hietzing

Ganze 27 Jahre ist die Krankenpflegerin nun schon mit dem Gelände und dem Krankenhaus verwurzelt. Ihre Arbeit in der Überwachungsstation bedeutet, die Gesundheitsfunktionen der Patien-
tInnen über verschiedene Monitore ständig zu beobachten. Die Überwachungsabteilung ist das Bindeglied zwischen Intensiv- und Krankenstation. Hier liegen Menschen, die nach ihrer Operation einen erhöhten Überwachungs- und Betreuungsaufwand benötigen, aber keine Intensivpflege, wie etwa künstliche Beatmung, erhalten müssen.

Für die Kommunikation mit ihren PatientInnen – sie werden unter anderem an der Bauchspeicheldrüse, Galle, Schilddrüse, bei verschiedenen Blutungen oder am Blinddarm behandelt – nimmt sich Miriam Mijatovic Zeit. „Reden ist sehr wichtig, es gibt ja viele Menschen, die in einem Spital Angst haben“, weiß die Krankenpflegerin. „Ich begrüße sie, stelle mich vor und erzähle Schritt für Schritt, was passiert.“ Und wenn es nur das Desinfizieren einer Wunde ist – Mijatovic erklärt, ob es brennen oder sich kalt anfühlen wird. „Es ist gut, wenn ich auch einmal zehn Minuten länger beim Patienten bleiben kann.“

 Reden ist sehr wichtig, es gibt ja viele Menschen, die in einem Spital Angst haben.

Miriam Mijatovic, Krankenpflegerin

Auf der Überwachungsstation werden fünf PatientInnen rund um die Uhr überwacht, zwei KrankenpflegerInnen teilen sich die Arbeit auf. Oft genug muss schnellstens reagiert werden, wenn der Blutdruck fällt oder sich Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz ändern. „Je mehr Übung ich hatte, desto ruhiger bin ich geworden“, erinnert sich Mijatovic. Ihren Job lebt sie tatsächlich, wie eingangs beschrieben, mit aller Leidenschaft: „Ich habe die Chirurgie immer geliebt, mitsamt den ganzen septischen Wunden und ihren Sekreten.“

Immer wieder geschehen „kleine Wunder“, wie es die Krankenpflegerin nennt. Dann, wenn PatientInnen auf die normale Station verlegt werden und Mijatovic sie nach fünf Tagen kaum wiedererkennt – so gut erholen sich manche von ihnen. Da es nicht immer so kommt, trifft die Wahlwienerin besonders, wenn junge Leute sterben. Wie gut sich die PflegerInnen auch mit ihren PatientInnen verstehen mögen: Freundschaften entstehen keine. „Professionelle Distanz ist wichtig. Zwischen den PatientInnen und mir gibt es kein Du, da halte ich immer einen Abstand“, erklärt Mijatovic.

Die Gebäude der Klinik Hietzing sollen mit neuem Leben erfüllt werden. Neue Abteilungen werden bald dorthin übersiedeln.

Vorteile eines öffentlichen Systems

International betrachtet, ist das österreichische Gesundheitssystem eines der besten und auch kostspieligsten. Alle Versicherten haben einen Rechtsanspruch auf solidarisch finanzierte Leistungen. Über 99 Prozent der Menschen, die in Österreich leben, fallen unter die staatliche Krankenversicherung. „Das System der Krankenbehandlung ist sehr gut ausgebaut“, weiß Florian Burger, Referent der Abteilung Sozialversicherung in der AK Wien. „Ich kann mit meiner E-Card zum Hausarzt gehen und unkompliziert Hilfe bekommen.“

Doch ein kleiner Teil der Bevölkerung fällt aus dem sicheren Rahmen – während der türkis-blauen Regierung ist ihre Zahl angestiegen. Die neue Krankenordnung der Österreichischen Gesundheitskasse regelt, wer die E-Card erhält und wer eben nicht, etwa AsylwerberInnen. Wie AK-Experte Burger erklärt, werden die künftigen E-Cards Fotodokumente sein – Vermutung: Wer mitten in einem Asylverfahren steht, soll jedoch nicht über ein österreichisches Dokument verfügen. Das widerspricht internationalen Abkommen: Diese sehen eine geregelte Gesundheitsversorgung für AsylwerberInnen vor. Gelten soll: Alle haben ein Recht auf medizinische Behandlung. Gemeinhin bietet eine staatliche Gesundheitsversorgung auch wesentlich mehr Sicherheit als ein privates System.

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