„Österreich hat die Rezession überwunden, die Konjunktur kommt langsam in Gang“, so Michael Ertl, Referent in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK Wien. 2025 ist das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 0,5 Prozent gestiegen, 2026 soll es um rund 1 Prozent wachsen. Das ist kein großer Aufschwung – aber immerhin ein kontinuierliches Wachstum. Und für Entlastung ist es höchste Zeit.
Erhebungen der Statistik Austria zeigen: Die steigenden Preise sind noch immer ein großes Problem für die Österreicher:innen. Haushalte mit geringem Einkommen spüren die Belastung besonders stark, weil sie einen Großteil ihres Geldes für Lebensmittel, Energie- und Wohnkosten ausgeben. Auch für sie könnte sich die Lage langsam verbessern. Im Dezember lag die Inflation mit 3,8 Prozent erstmals seit Juli 2025 wieder unter 4 Prozent, sie bleibt aber weiterhin doppelt so hoch wie im Schnitt der Eurozone. Die gute Nachricht: Die Preissteigerungen werden 2026 geringer ausfallen, wozu auch Maßnahmen der Bundesregierung beitragen.
Energie und Strompreisbremsen
Außerdem ist 2026 aufgrund des Entfalls des sogenannten Basiseffekts mit einer niedrigeren Inflation zu rechnen. Die Strompreisbremse hatte die Energiepreise bis Ende 2024 niedrig gehalten, weshalb die Teuerungsraten im Verbraucherpreisindex (VPI) 2025 besonders hoch erschienen: Zur Berechnung derselben wurden vergünstigte Preise von 2024 mit den nicht vergünstigten von 2025 verglichen. Ab 2026 werden nur noch Preise ohne Strompreisbremse einander gegenübergestellt. Die Inflationsrate soll dann laut WIFO nur noch 2,5 Prozent betragen, für 2027 wird sie ebenfalls mit 2,5 Prozent prognostiziert.
Nun zielt das im Dezember im Parlament beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz darauf ab, Menschen mit geringem Einkommen leistbaren Strom zur Verfügung zu stellen. Ab 1. April 2026 gilt ein gestützter Tarif. Er liegt für ein Grundkontingent von bis zu 2.900 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr bei etwa der Hälfte des durchschnittlichen Strompreises, gilt für zehn Jahre und kann jährlich valorisiert werden. Die Energieversorger sollen den Sozialtarif finanzieren, sie übernehmen die Differenz zum Marktpreis. Von der neuen Regelung könnten bis zu 300.000 österreichische Haushalte profitieren, anspruchsberechtigt sind etwa Mindestpensionist:innen oder Pflegegeldbezieher:innen.
Energieversorger müssen zukünftig leistbare Energie
für alle anbieten,
anstatt nur ihre Gewinne zu maximieren.
Michael Ertl, AK-Experte
Neues Mietenpaket
Möglich gemacht hat das auch eine Gesetzesänderung: Selbst Aktiengesellschaften mit staatlicher Beteiligung gaben Marktpreise bisher an die Kund:innen weiter – auch dann, wenn ihre eigenen Produktionskosten deutlich niedriger waren. Die Begründung des Managements: Das Aktienrecht verpflichte die Unternehmen dazu, die Preise möglichst hoch anzusetzen, um den Gewinn für die Aktionär:innen zu maximieren. Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz ändert sich das: Die Bundesregierung schafft hier mehr Spielraum für eine faire und am Gemeinwohl orientierte Preisgestaltung. „Energieversorger müssen zukünftig leistbare Energie für alle anbieten, anstatt nur ihre Gewinne zu maximieren“, erklärt AK-Experte Ertl.
2026 tritt auch das neue Mietenpaket in Kraft. In Altbauwohnungen und Gemeindebauten dürfen die Mieten heuer lediglich um 1 Prozent steigen, im Jahr 2027 maximal um 2 Prozent. Bei den meisten anderen Mietverhältnissen gilt: Die automatische Anpassung an die Inflation wird ab einem Wert von 3 Prozent gedämpft. Jeder Prozentpunkt, der über diese 3-Prozent-Schwelle hinausgeht, darf nur zur Hälfte an die Mieter:innen weitergegeben werden.
Österreich und die USA
„Inzwischen haben Menschen wieder mehr Zuversicht, und die, die es sich leisten können, konsumieren wieder mehr“, sagt Michael Ertl. Sei die politische Lage unsicher, dann breche der private Konsum ein und Unternehmen würden auf größere Investitionen verzichten. „Jetzt, wo die US-Zölle feststehen, kann man zumindest mit den Zahlen kalkulieren. Das schafft eine gewisse Stabilität“, so Ertl.
Österreichs Wirtschaft ist stark exportorientiert, die US-Zölle können nicht ignoriert werden. Sie müssen jedoch richtig eingeordnet werden. „Nur 8,5 Prozent unserer Warenexporte gehen in die USA, 67 Prozent in die EU“, erklärt Ertl. Eine stärkere Vertiefung des europäischen Binnenmarkts wäre laut ihm sinnvoll. Sie würde auch der heimischen Industrie helfen, die sich seit 2023 in Schwierigkeiten befindet.
Der Umsatz des produzierenden Bereichs ist seit zehn Quartalen rückläufig, auch wenn sich der Rückgang im Jahr 2025 spürbar abgeschwächt hat. Zugleich gibt es aber auch Industrie-Branchen, die gut im Geschäft sind und wachsen, etwa die Chemie- und Pharmaindustrie, die Elektro- und Elektronikbranche sowie der Maschinenbau. Die von der Regierung angekündigte Industriestrategie soll diese Zukunftssektoren stärken und die Transformation hin zu neuen Technologien unterstützen.

Beschäftigungslage essenziell
„Das Wirtschaftswachstum alleine spiegelt nur einen Teil des materiellen Wohlstands eines Landes wider“, erklärt AK-Ökonom Ertl. „Es gibt durchaus auch andere wichtige Indikatoren.“ Dazu zähle etwa die Armutsgefährdungsquote, die in Österreich auch während der Rezession stabil geblieben ist und 2026 leicht sinken soll.
Genauso essenziell für den Wohlstand eines Staates ist die Beschäftigungslage. Seit April 2023 steigt die Arbeitslosigkeit in Österreich. Ende 2025 waren rund 435.000 Menschen ohne Job. Nun könnte sich der Trend wenden. AMS-Chef Johannes Kopf rechnet laut Medienberichten damit, dass die Arbeitslosigkeit ab März durch die anziehende Konjunktur wieder leicht sinken wird.
Leistbares Wohnen auch in Brüssel ein Thema – Überschriften und weite Teile des EU-Aktionsplans klingen zwar gut, aber für die Mitgliedstaaten wird es ein bürokratischer Hürdenlauf. 🤔
#AK Expert:innen Susanne Wixforth & Peter Hilpold analysieren @aundw.bsky.social
— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 30. Januar 2026 um 12:35
Damit diese Entwicklung nachhaltig wirkt, müsse die Regierung Expert:innen der AK zufolge jedoch stärker in Arbeitsmarktpolitik und Bildung investieren. Ohne zusätzliche Mittel drohe die Arbeitslosigkeit später erneut zu steigen – eine Qualifizierungsoffensive sei essenziell. Laut WIFO könnte eine solche – rechtzeitig gestartet – den zukünftigen Fachkräftebedarf decken. Bleiben konkrete Maßnahmen aus, könnte der Mangel an qualifiziertem Personal bis 2029 ein bis zu 0,5 Prozent niedrigeres BIP zur Folge haben.
Auch der überhöhte „Österreich-Aufschlag“ bei Lebensmitteln verlange 2026 Lösungen, findet AK-Ökonom Ertl. Während die Preise im Dezember in Deutschland um 0,8 Prozent und in Frankreich um 1,7 Prozent stiegen, waren es in Österreich 4,1 Prozent. „Diesen Aufschlag zahlen vor allem Konsument:innen in kleinen Staaten – hier muss die EU-Kommission endlich handeln“, fasst Ertl zusammen.