Mitbestimmung 4.0

Die Unternehmensstrategien werden immer stärker digitalisiert. Dabei darf auf die Mitbestimmung in Zeiten von Industrie 4.0 nicht vergessen werden.

Inhalt

  1. Seite 1 - Mitbestimmung muss sein
  2. Seite 2 - Neue Möglichkeiten
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Die Aufgaben des Betriebsrats haben sich freilich verändert: Neben dem Aufbau von neuen Kommunikationsmöglichkeiten ist es auch dessen Aufgabe, sich mit einer Fülle von Informationen und Daten zu beschäftigten. Ganz wichtig ist es zudem, dass sich die Betriebsräte untereinander vernetzen. Thomas Stoimaier von Magna Steyr: „Einer weiß nie alles, das ist ein Ding der Unmöglichkeit, speziell in der heutigen Zeit.“ Reinhard Wimmler vom Unternehmen AVL List meinte, dass die Betriebsratsarbeit nicht weniger, sondern mehr Zeit beanspruche und man immer mehr Kommunikationswerkzeuge einsetzen müsse. Darüber hinaus sei eine Absicherung der betrieblichen Mitbestimmung sowie Aus- und Weiterbildung der betrieblichen ArbeitnehmerInnenvertretung eine wichtige Grundlage für ihre Arbeit. Der Bildungsexperte Philipp Schnell (AK Wien) fügte hinzu: „Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt kommt es zu ganz neuen Kompetenzen. Dazu gehören digitale Kompetenzen, fachübergreifende Kompetenzen und Problemlösungskompetenzen. Und diese muss man auch erlernen. Deshalb rückt die Weiterbildungsdebatte ebenfalls stark ins Zentrum der Mitbestimmung.“

Technologie versus Geschäftsmodell

In einer weiteren Diskussionsrunde kamen DigitalisierungsexpertInnen der Gewerkschaften GPA-djp und PRO-GE zu Wort. „Ich glaube, wir müssen bei der Digitalisierung unterscheiden, was Technologie und was Geschäftsmodell ist. Wenn man das Buch genau liest, dann kann man schon sehen: Es geht nicht nur um Technologie, sondern es geht um die Menschen in den Organisationen, die das Unternehmen auch weiterentwickeln“, so Agnes Streissler-Führer (GPA-djp). Und dabei sei es auch die Rolle der Gewerkschaften, „ihre BetriebsrätInnen zu befähigen und sie dabei unterstützen, den digitalen Wandel im Betrieb zu verstehen und zu gestalten“, meinte Kerstin Repolusk von der PRO-GE.

Qualifizierungsnotwendigkeit

Zudem kommt die wirtschaftliche Mitbestimmung wieder stärker aufs Tapet. Denn durch neue Investitionen müssen alle mitreden können. „Viele ArbeitnehmerInnenvertreter im Aufsichtsrat berichten, dass sie besser in die Kostenrechnung eingebunden werden.“ Während die wirtschaftlichen Themen in den letzten Jahren oft ignoriert wurden, rückt auch die Unternehmensstrategie stärker in den Fokus des Aufsichtsrats. Ein weiteres Handlungsfeld betrifft die betriebliche Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten, damit diese nicht VerliererInnen einer neuen industriellen Revolution werden. „In einer immer komplexeren und global vernetzten Welt ist die Qualifizierungsnotwendigkeit ein wesentliches Kriterium, um den ArbeitnehmerInnen neue Perspektiven zu geben und ihnen Zukunftsängste zu nehmen“, so Magna-Betriebsrat Stoimaier.

Schließlich ist neben der technischen auch die soziale Innovation ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Unternehmen. Denn was macht eine Organisation großartig? Es sind die darin arbeitenden Menschen. Aufgrund neuer Organisations- und Investitionsentscheidungen rückt die Corporate Governance – also die Überwachung und Steuerung von Unternehmen – für die in den Aufsichtsrat entsandten BetriebsrätInnen stärker in den Mittelpunkt.

Neue Möglichkeiten

Für die betriebliche Mitbestimmung bietet sich somit eine neue Möglichkeit im Rahmen der Digitalisierung. Die umfangreichen Informations- und Beratungsrechte müssen wahrgenommen werden, denn Fragen wie „In welche Richtung entwickelt sich unser Unternehmen?“ oder „Welche Arbeitsbedingungen sind morgen notwendig?“ werden immer relevanter. „Unternehmen sind dann nachhaltig erfolgreich, wenn Digitalisierung mit einer klar kommunizierten Strategie verbunden ist“, hielt Streissler-Führer fest. „Das funktioniert mit einer mitbestimmten Unternehmenskultur, die auch Freude auf Veränderung macht. Dazu gehört etwa Feedbackkultur oder Fehlerkultur. Aber vor allem soll es die Strategie sein, dass BetriebsrätInnen und Beschäftigte die Digitalisierung mitbestimmen können.“

Von
Simon Schumich
Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 5/18.

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