Mitbestimmung 4.0

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl
Podiumsdiskussion anlässlich einer Bucherscheinung.
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Die Unternehmensstrategien werden immer stärker digitalisiert. Dabei darf auf die Mitbestimmung in Zeiten von Industrie 4.0 nicht vergessen werden.

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Die Vernetzung von Industrieunternehmen und Wertschöpfungspartnern nimmt unter dem Schlagwort Industrie 4.0 eine ganz neue Dimension an. Das klassische Computer Integrated Manufacturing (CIM) aus den 1980er- und 1990er-Jahren wurde schrittweise weiterentwickelt und durch hochautomatisierte, miteinander vernetzte und mit komplexer Sensortechnik ausgestattete Fertigungsroboter abgelöst. Brauchen wir in diesen vollautomatisierten Industrie-4.0-Betrieben überhaupt noch Beschäftigte und betriebliche Mitbestimmung? Welche neuen Chancen und Herausforderungen birgt die fortschreitende Digitalisierung für die arbeitenden Menschen? Im Rahmen einer ExpertInnendiskussion in der Fachbuchhandlung des ÖGB-Verlags zeigte sich, dass Mitbestimmung und gute Beschäftigung in Zeiten künstlicher Intelligenz und automatisierter Roboterfertigung immer noch unerlässlich sind.

Transformationen

Die Digitalisierung birgt Potenziale und Risiken. Neue technische Innovationen wie etwa 3D-Druck, kollaborative Roboter oder digitale Maschinensteuerung können eine neue wirtschaftliche Aufbruchstimmung einläuten. Andererseits stellt die zunehmende Digitalisierung Unternehmen und ihre Beschäftigten vor große Herausforderungen. Denn neue Formen der Arbeitsorganisation und -gestaltung, die verstärkte Automatisierung von Arbeitsprozessen und die zunehmende räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit haben auch weitreichende Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Mitbestimmung. Wie können ArbeitnehmervertreterInnen die Transformation im Zeitalter der Digitalisierung mitgestalten und welche Entwicklungsperspektiven eröffnen sich für die betriebliche Mitbestimmung? Im Frühjahr 2018 diskutierten BetriebsrätInnen und ExpertInnen der ArbeitnehmerInnenvertretung über Mitbestimmung im Zeitalter der Digitalisierung und die Rolle der Beschäftigung.

Mitbestimmung muss sein

Ausgangspunkt war ein neu erschienenes Buch mit dem Titel „Auf der Suche nach Industrie-4.0-Pionieren“, in dem der Buchautor Christoph Mandl über seine Eindrücke und Erfahrungen von acht digitalisierten Industriebetrieben in ganz Europa und den USA berichtete. Er veranschaulichte, was hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ steckt, wie diese modernen Fabriken konkret aussehen und was sie für die Menschen bedeuten, die darin arbeiten. Es zeigte sich in seinen Beispielen, dass bei den digitalisierten Industrie-4.0-Betrieben keine Jobs verloren gingen. Jedoch waren Umschulungen, Weiterbildungen sowie die prozessorientierte, menschengerechte Mitbestimmung wesentliche Voraussetzungen für bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherung. Das Fazit des Buchautors: „Ohne Mitbestimmung geht es gar nicht. Man kann nie solche Projekte umsetzen, ohne die Leute einzubeziehen.“

Buchtipp: Christoph E. Mandl: Auf der Suche nach Industrie-4.0-Pionieren

BetriebsrätInnen berichteten über ihre praktischen Erfahrungen im Betrieb. Denn Industrie 4.0 oder Mitbestimmung 4.0 kann nicht von heute auf morgen stattfinden. Sie schilderten einen schrittweisen Prozess der Digitalisierung und die Veränderung von Kompetenzprofilen bei der Einführung neuer Technologien in ihrem Betrieb. „Dabei sollte die Einführung neuer Technologien auch als Chance für menschengerechtere Arbeitsbedingungen gesehen werden“, hieß es. Und es sei auch wichtig, eine Schnittstelle zwischen den Beschäftigten und dem Management zu sein. Denn wenn die Organisation nicht mitmache, wenn die Beschäftigten Angst hätten oder wenn BetriebsrätInnen keine Mitgestaltungsmöglichkeiten hätten, dann werde eine digitale Transformation nicht funktionieren – selbst mit der tollsten Elektronik oder dem lässigsten Roboter nicht. Moderatorin Lara Hagen („Der Standard“) kam zu dem Schluss: „Das Fazit ist ein sehr schönes, wenn man sagt, dass die Mitbestimmung eine Rolle spielt, nämlich, dass Mitbestimmung für den Unternehmenserfolg notwendig ist. Es geht gar nicht ohne.“

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