Foto der Verhandlungsteams
Am 20. September 2018 übergaben die Metaller ihre Forderungen an das Verhandlungsteam der ArbeitgeberInnen.
Foto (C) PRO-GE

Metaller: KV mit Signalwirkung

Jeden Herbst steht der Metaller-KV im medialen Fokus. Heuer ist der Herbst aufgrund der Folgen des neuen Arbeitszeitgesetzes besonders heiß. Udo Seelhofer und Sandra Knopp haben recherchiert, warum der Metaller-KV für andere Branchen so zentral ist.

Inhalt

  1. Seite 1 - Harte Fronten
  2. Seite 2 - Die Einigung im Metaller-KV
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Zeitungen titelten über die heurigen Kollektivvertragsverhandlungen bei den Metallern: „Metaller-KV – Es ist schwierig und zäh!“ „Metaller-KV – Heute geht es um alles!“, „Metaller-KV – Gewerkschaften rüsten zum Streik.“ Kaum eine Woche verging ohne Neuigkeiten aus den letztendlich sieben Verhandlungsrunden.

Noch mehr mediale Aufmerksamkeit bekamen die Metaller als sie Anfang November Warnstreiks durchführten. Peter Schleinbach, PRO-GE-Bundessekretär für Branchen und Kollektivvertragspolitik, erklärt warum: „Der Metaller-KV ist ein Leitkollektivvertrag, an dem sich andere Branchen orientieren, sprich die Außenwirkung ist sehr groß. Für gute Ergebnisse brauche es eine starke gewerkschaftliche Organisation mit vielen MitarbeiterInnen, mit engagierten BetriebsrätInnen.“ Die Verantwortung sei groß, immerhin unterliegen dem Kollektivvertrag der Metaller rund 192.000 Beschäftigte. „Wenn eine starke Organisation in einem Umfeld tätig ist, wo es wirtschaftlich möglich ist, einiges zu finanzieren, kommt ein Ergebnis raus, an dem sich andere orientieren können“, so Schleinbach.

Kurze Wege zum Betriebsrat

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Strukturen. Im industriellen Umfeld sind die Wege relativ kurz, Menschen arbeiten in räumlicher Nähe zusammen. Betriebsräte können MitarbeiterInnen unkompliziert an einen Ort zur Betriebsversammlung laden. Im Einzelhandel sind Beschäftigte hingegen oft über viele Filialen verteilt, was Kommunikation und Organisation erschwert.

Jeder KV ist für den Menschen wichtig, für den er gilt.

Peter Schleinbach, PRO-GE-Bundessekretär für Branchen und Kollektivvertragspolitik

Für Schleinbach steht fest, dass sich jede Branche Aufmerksamkeit verdient, diese aber oft nicht bekommt. „Für mich gibt es keinen wichtigen und unwichtigen Kollektivvertrag. Jeder KV ist für den Menschen wichtig, für den er gilt.“

Hoher Aufwand

Kollektivvertragsverhandlungen funktionieren nach fixen Spielregeln. Erst einigt man sich, auf Basis welcher Daten verhandelt wird, wie hoch Inflation und Produktionswachstum sind. Dann geht es in die teils nächtelangen Verhandlungsrunden. Die Metaller-KV-Verhandlungen haben eine lange Tradition. Die Metaller zählen seit mehr als 100 Jahren zu den Kerngruppen der Gewerkschaftsbewegung.

Seit 2012 verhandeln die sechs ArbeitgeberInnen-Fachverbände einzeln mit GewerkschaftsvertreterInnen. „Die Arbeitgeber waren nicht mehr Willens, innerhalb einer Verhandlungsgemeinschaft zu verhandeln.“, so Schleinbach. Man könne Fachverbände nicht dazu zwingen, obwohl der Aufwand durch die jetzige Regelung unnötig hoch sei. „Zentral ist, dass es dennoch einen gemeinsamen einheitlichen Kollektivvertrag gibt.“ Und den gab es bisher immer auch. Dem Metaller-KV unterliegen 192.000 Beschäftigte. Der Abschluss in der Metalltechnischen Industrie mit rund 130.000 MitarbeiterInnen gilt als richtungsweisend für die fünf weiteren Sparten – Fahrzeugindustrie, Bergbau-Stahl, Gießereiindustrie, Nichteisen-Metallindustrie, Gas- und Wärmeversorgung.

Streitpunkte

Am 8. November kam es in Fernsehen und Radio zu einem Schlagabtausch zwischen ArbeitgeberInnen und Gewerkschaft. Nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden begann die zweite Novemberwoche mit Warnstreiks. Auch in früheren KV-Verhandlungen sorgten spannungsgeladene Gespräche für große Aufmerksamkeit: Bereits 2017 standen die MetallarbeiterInnen nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden kurz vor dem Streik. Doch es gab eine Einigung und ein Lohn- und Gehaltsplus von drei Prozent.

Heuer waren die Fronten zwischen dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie und der Gewerkschaft besonders verhärtet: Die Gewerkschaft forderte von den ArbeitgeberInnen ein Lohn- und Gehaltsplus von fünf Prozent, mindestens jedoch 100 Euro und bessere arbeitsrechtliche Regelungen. Als Folge des seit September geltenden neuen Arbeitszeitgesetzes ging es auch darum, wie die 11. und 12. Stunde vergütet werden und was passiert, wenn man mehr als 50 Wochenstunden arbeitet. Ein Knackpunkt in den Verhandlungen war auch die viel diskutierte Freiwilligkeit und damit die Möglichkeit der Ablehnung der Mehrarbeit.

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Über den/die AutorIn

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp ist freie Journalistin für verschiedene Radio und Printmedien, und hat die Themen Arbeitsmarkt, Soziales und Gesellschaftspolitik als Schwerpunkte. Udo Seelhofer war früher Lehrer und arbeitet seit 2012 als freier Journalist. Seine Schwerpunkte sind Gesellschaft, soziale Themen und Religion. Im Team wurden sie beim Journalismuspreis „Von unten“ 2017 für ihre Arbeit&Wirtschaft Reportage „Im Schatten der Armut“ ausgezeichnet.