Lockdown im Tourismus: „Hätten wir das mal vorher gewusst…“

St. Johann im Lockdown
Fotos (C) Markus Zahradnik

Inhalt

  1. Seite 1 - Plötzlich Lockdown
  2. Seite 2 - Bitte kein Komplettausfall
  3. Seite 3 - Drohende Personalflucht
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Im Tourismusort St. Johann in Tirol war für die nahende Wintersaison alles vorbereitet. Dann kam alles anders und der erneute Lockdown holte den Ort ein. Wir waren dabei.
Im Hotel Penzinghof ist das Licht aus. Das Frühstücksbuffet ist mit weißen Leintüchern verhängt. Das Restaurant leer, das Stiegenhaus kühl. Im dritten Stock steht ein 18 Meter langer Swimmingpool, in dem keiner schwimmt. Betreiber:innen und Mitarbeiter:innen des 4-Sterne-Hotels in Oberndorf bei St. Johann in Tirol standen in den Startlöchern. Nach einem pandemiebedingt ohnehin schwierigen Jahr war für die nahende Wintersaison alles vorbereitet. Am 19. November verkündete die Regierung einen erneuten Lockdown. „Da bricht zunächst eine Welt zusammen“, sagt Georg Lindner, Ex-Ski-Profi und Bruder von Inhaberin Christine Lindner.

Da bricht zunächst eine Welt zusammen.

Georg Lindner, Ex-Ski-Profi

Sonntag, der 21. November. Am Tag vor Lockdown Nummer Vier mehren sich im Zentrum von St. Johann die Anzeichen für das Bevorstehende. Am Hauptplatz tummeln sich noch ein paar Männer um einen provisorisch errichteten Weihnachtsmarkt. „Letztes Abendmahl: Schweinsbraten und Augustiner-Bier“ heißt es auf einer Tafel vorm Gasthaus Dampfl. Im Hotel Sonne klingelt das Telefon. Die Gespräche verlaufen jedes Mal nahezu wortgleich. Ja, sie hätten geöffnet, aber nur in Ausnahmefällen. Nein, man könne da kein Auge zudrücken. Stornieren? Okay.

Für einen Sonntag sei auf den Straßen noch ungewöhnlich viel los, sagt ein Einheimischer. Das gilt auch für das Turmstüberl der Brauerei Huber. Das Wirtshaus ist bis auf den letzten Platz gefüllt, Wirt:innen zwängen sich zwischen Gästen hindurch. Im Dunstgemisch aus Bier, Schweinsbraten und ungarischem Saftgulasch liegen die Gedanken an einen Lockdown fern.

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  1. Seite 1 - Plötzlich Lockdown
  2. Seite 2 - Bitte kein Komplettausfall
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Über den/die Autor*in

Johannes Greß

Johannes Greß, geb. 1994, studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien und arbeitet als freier Journalist in Wien. Er schreibt für diverse deutschsprachige Medien über die Themen Umwelt, Arbeit und Demokratie.

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