Kündigung: Wenn der Betriebsrat erste Hilfe leisten muss

Ein Mann bringt nach einer Kündigung seine Sachen in einer Box nach Hause. Symbolbild: Betriebsrät:innen fangen Menschen nach Kündigungen auf.
Oft sind es Betriebsrät:innen, die Menschen nach einer Kündigung auffangen. | © Adobestock/Pcess609
Hinter jeder Kündigung steht ein erzwungener Neuanfang. Wer in diesen Momenten informiert, strukturiert und Halt gibt, sind meist jene, die selten Schlagzeilen machen: Betriebsrät:innen.
Wir sind Krise – gefühlt: Dauerkrise. Mittendrin: Betriebsrät:innen. Kaum ein Tag, an dem es nicht Berichte über die allgemeine schlechte Wirtschaftslage, Firmenschließungen und Personalabbau gibt – Berichte, hinter denen erzwungene Lebensumbrüche stehen. Betroffen sind Frauen und Männer jeden Alters, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und von heute auf morgen mit weniger Einkommen auskommen und sich eine neue Existenzgrundlage schaffen müssen.

In der Sekunde, in der unter den Füßen der Boden wegbricht, sind es die Belegschaftsvertreter:innen, die an der Seite der Betroffenen stehen und erste Hilfe leisten. Sie fangen Verzweiflung auf, liefern Informationen, halten Angst und Wut mit aus, organisieren Krisenintervention und achten darauf, dass niemand in dieser Ausnahmesituation allein bleibt.

Gerade in Krisen sind geordnete Abläufe
und das Einhalten fixierter Zeitpläne unverzichtbar,
nur eine klare Struktur ermöglicht professionelles Arbeiten.  

Ute Groß, freigestellte Betriebsrätin bei der „Kleinen Zeitung“ und
Vorsitzende der Journalist:innengewerkschaft der GPA

Aufgrund arbeitsverfassungsrechtlicher Bestimmungen über Mitwirkungsrechte und -pflichten und im besten Fall einer ehrlich gelebten innerbetrieblichen Sozialpartnerschaft sind Betriebsrät:innen in die Erarbeitung von Personalsparpaketen einbezogen. Das beinhaltet auch die Pflichtunterschrift auf dem Formular für die Anmeldung beim AMS-Frühwarnsystem.

Die Liste

Der bitterste Moment in diesem Prozess ist der Augenblick, in dem „die Liste“ übermittelt wird. Ein rascher erster Blick bleibt an einzelnen Namen hängen. Jede Zeile verstärkt das dumpfe Gefühl in der Magengrube; dazu das reflexhafte Verlangen, die Kolleg:innen sofort zu informieren.

Dagegen spricht die Vernunft: Gerade in Krisen sind geordnete Abläufe und das Einhalten fixierter Zeitpläne unverzichtbar, nur eine klare Struktur ermöglicht professionelles Arbeiten. Diese Professionalität, die Betriebsrät:innen auch in der größten Krise bewahren (müssen), ist ein Anker im Meer der Emotionen, bietet Kolleg:innen den Halt, der im ersten Schock des Arbeitsplatzverlustes so etwas Ähnliches ist wie nach einem Unfall die stabile Seitenlage.

Kündigung und Betriebsrat: Unterstützung in der Krise

Betriebsrät:innen sind aber nicht nur als Klage- und Stützmauer gefordert, sondern als erste und verlässliche Informationsquelle: Wie schauen die nächsten Schritte aus? Gibt es einen Sozialplan? Wie lange ist die Kündigungsfrist? Mit welchen finanziellen Leistungen ist zu rechnen? Wann muss die Meldung beim AMS erfolgen, wie lange bekommt man Arbeitslosengeld? Kann ich meine Kündigung anfechten? Wie komme ich zu einer Beratung bei Gewerkschaft und AK? Das sind erfahrungsgemäß die ersten Fragen, die Betroffene stellen. Wer darauf sofort umfassende Antworten parat hat, ist vermutlich ein gut ausgebildetes Betriebsratsmitglied.

Viele Betriebe beschäftigten keine älteren Menschen. „Umso wichtiger ist es, dass die Regierung die Aktion 55+ startet. Es ist jedoch entscheidend, dass diese Aktion über viele Jahre hinweg durchgeführt wird, um ihre volle Wirkung zu entfalten“, sagt Ines Stilling, #AK Bereichsleiterin Soziales 🔽

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— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 9. Januar 2026 um 14:17

Ein notwendiger Sidestep: Diese Ausbildungen kosten Geld. Geld, das AK und Gewerkschaft aufbringen und das nur dann verlässlich vorhanden ist, wenn es (Pflicht-) Mitgliedschaften gibt. Wer daran rüttelt, nimmt die Schwächung der innerbetrieblichen Arbeitnehmer:innenvertretung billigend in Kauf. Die gute Nachricht, verbunden mit einem Auftrag: Die sozialen Sicherungssysteme halten, niemand wird in die Perspektivenlosigkeit entlassen. Achten wir gemeinsam darauf, dass das auch so bleibt!

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Über den/die Autor:in

Ute Groß

Journalistin, freigestellte Betriebsrätin bei der „Kleinen Zeitung“ und
Vorsitzende der Journalist:innengewerkschaft der GPA

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