Interview: Zugänglichkeit für alle Menschen

Klemens Himpele, Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien, über die Bedeutung öffentlicher Investitionen für die Lebensqualität von Menschen und Herausforderungen von heute und morgen.

Inhalt

  1. Seite 1 - Öffentliche Investitionen zur Lebensqualität
  2. Seite 2 - Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimawandel
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Klemens Himpele gießt die Stadt in Zahlen. Das macht sie greif- und lenkbar, denn Statistik hilft auch zu errechnen, was eine Stadt in fünf oder zehn Jahren an Infrastruktur braucht. Foto (C) Markus Zahradnik

Die Gegenwarts- und Zukunftsthemen sind Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimawandel. Wie spiegeln sich diese Bereiche in den öffentlichen Investitionen der Stadt wider?

Ganz enorm. Thema Digitalisierung: Wir haben im gesamten Bereich Qualifizierung enorme Herausforderungen vor uns. Es wird zu Änderungen bei den Tätigkeitsfeldern kommen. Nun ist die Frage: Welche Fähigkeiten brauchen die Menschen?

Mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) hat Wien ein Ins­trument, das Menschen, die im Beruf sind, weiterqualifiziert. Das ist eine Investition in die Zukunft. Darüber hinaus braucht es digitale Infrastruktur und auch digitale Angebote der Stadtverwaltung selbst, da ist die Stadt bereits sehr aktiv.

Jede Stadt hat Nachholbedarf.
Es gibt immer Bereiche,
in denen man mehr machen kann.

Der Klimawandel wiederum hat zwei Facetten: einerseits ihn aufzuhalten. Da ist Wien aber nur eine kleine Insel, nichtsdestotrotz haben auch wir unseren Teil dazu beizutragen, und das passiert natürlich – beispielsweise über den öffentlichen Verkehr.

Das Zweite ist das Thema Klimawandelanpassung. Prognosen gehen davon aus, dass Wien stark von dem Phänomen betroffen sein wird. Aktuell gibt es hier Bemühungen, Wohnungen mit Beschattung auszustatten, um Hitze erst gar nicht aufkommen zu lassen. Und wir haben das Thema grüne Meile, also die Frage, wie Stadt auch baulich so gestaltet werden kann, dass die Aufenthaltsqualität nicht unter dem Klimawandel leidet. All das spielt auch budgetär eine große Rolle. Es ist dieses Jahr erstmals abgebildet worden im Budget, welchen Anteil klimarelevante Ausgaben haben. Wir sind bei knapp 900 Millionen Euro.

„Es ist dieses Jahr erstmals abgebildet worden im Budget, welchen Anteil klimarelevante Ausgaben haben. Wir sind bei knapp 900 Millionen Euro.“ Foto (C) Markus Zahradnik

Wo gibt es wiederum Aufholbedarf?

Jede Stadt hat Nachholbedarf. Es gibt immer Bereiche, in denen man mehr machen kann. Das eine, was immer mit Augenzwinkern erzählt wird, ist das Thema Freundlichkeit, wo Wien in den Rankings ganz hinten steht. Meine Befürchtung ist, die Wiener nehmen das eher als Kompliment denn als Kritik wahr. Das Problem dabei ist, dass internationaler Austausch davon lebt, dass man mehrsprachig ist, dass man auf Menschen zugeht.

Zweitens haben wir noch immer eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit. Die ist zwar seit vielen Monaten rückläufig, das ist sehr erfreulich. Wien macht viel im Bereich Qualifizierung, aber da kann man gar nicht genug tun.

Von
Alexia Weiss

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 1/20.

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Über den/die AutorIn

Alexia Weiss

Alexia Weiss

Alexia Weiss, geboren 1971 in Wien, Journalistin und Autorin. Germanistikstudium und Journalismusausbildung an der Universität Wien. Seit 1993 journalistisch tätig, u.a. als Redakteurin der Austria Presse Agentur. Ab 2007 freie Journalistin. Aktuell schreibt sie für das jüdische Magazin WINA, für gewerkschaftliche Medien wie die KOMPETENZ der GPA-djp und sie bloggt wöchentlich zum Thema „Jüdisch leben“ auf der Wiener Zeitung. 2014 erschien ihr bisher letzter Roman ENDLOSSCHLEIFE (Verlag Iatros).