Interview: Von Buzzwords zum Unternehmensalltag

Inhalt

  1. Seite 1 - Was es für Digitalisierung braucht
  2. Seite 2 - Gläserne MitarbeiterInnen
  3. Seite 3 - Home-Office und Automatisierung
  4. Seite 4 - Entlastung als Potenzial
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Künstliche Intelligenz, Robotics, Chatbots – Buzzwords wie diese sind in aller Führungsetagen Munde. Aber welche Aspekte der Digitalisierung beschäftigen Österreichs Unternehmen und ihre MitarbeiterInnen wirklich?

„Generell wäre es wichtig, sich mit dieser klassischen Entgrenzung zu befassen, wo keine Arbeit aufgezeichnet wird, wo man nicht irgendwelche Texte schreibt oder Dokumente produziert – da geht es um das Mails-Checken, um das Erreichbarsein.“

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Entpersonalisierung, wenn diese Tools den persönlichen Austausch ersetzen.

Die ständige Erreichbarkeit, der wir durch diese Tools ausgesetzt sind, führt zu einer weitgehenden Entgrenzung der Arbeit. Wie können wir hier Grenzen ziehen, und welche?

Generell wäre es wichtig, sich mit dieser klassischen Entgrenzung zu befassen, wo keine Arbeit aufgezeichnet wird, wo man nicht irgendwelche Texte schreibt oder Dokumente produziert – da geht es um das Mails-Checken, um das Erreichbarsein. Bei diesem Graubereich der Arbeit gibt es einfach keine Regulierung bisher. Da gibt es großen Bedarf, auch in den Unternehmen, klare Regeln zu etablieren. Und alles wird sicherlich nicht auf gesetzlicher Ebene gehen, da braucht es noch viel Auseinandersetzung, auch was die Unternehmenskultur betrifft.

Ist das klassische Home-Office ausreichend geregelt?

Home-Office ist meistens klar geregelt über Betriebsvereinbarungen, da gibt es nicht so viel Spielraum. Das wurde auch nicht als so problematisch wahrgenommen.

Sehr wohl problematisch wahrgenommen wird die ständige Verfügbarkeit über Smartphones, E-Mail und so weiter. Beschäftigte wollen auf der einen Seite die Freiheit haben zu sagen, wann und wo sie arbeiten, aber oft wird gefordert, auch dann erreichbar zu sein, wann und wo man es nicht mehr möchte.

Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung, den sie untersucht haben, ist die Auswirkung auf bestehende Arbeitsabläufe. Wie können sie digital organisiert werden?

Die digitalen Prozesse hinken, glaube ich, noch enorm hinterher gegenüber dem, was wir in den Medien vermittelt bekommen. In einer anderen Studie haben wir unter anderem einen Konzern für Holzverarbeitung untersucht, wo man sich denkt: Die sind in der Verarbeitung, im industriellen Bereich hoch technologisiert. Im selben Unternehmen werden im administrativen Bereich die Rechnungen aber noch ausgedruckt, gelocht und in einem Ordner abgeheftet. Dort beginnen sie jetzt ganz langsam damit, Rechnungen digital abzuspeichern, digital zu signieren und in die Verarbeitungsprozesse zu integrieren.

Wie viele Arbeitsprozesse digital organisiert sind, ist aber schließlich stark von der Branche abhängig.

Ein Arbeitsschritt, bei dem Automatisierung unterstützen könnte.

Das ist eine ganz interessante Evolution: In einem Unternehmen wurde das Erkennen und Erfassen von analogen Rechnungen zuerst In-House (Anmerkung: im Unternehmen) geleistet, dann ausgelagert, erst in ein osteuropäisches Land und, als das zu teuer wurde, in ein asiatisches Land. Aktuell holt man diesen Arbeitsschritt wieder zurück in den Mutterkonzern, aber nun ist ein Großteil der Tätigkeiten automatisiert.

Wo spielen Automatisierungen noch eine große Rolle?

Deutliche Automatisierungstendenzen sieht man zum Beispiel in der Kundenberatung, wenn Chatbots oder Spracherkennungsysteme eingesetzt werden.

Deutliche Automatisierungstendenzen sieht man zum Beispiel in der Kundenberatung, wenn Chatbots oder Spracherkennungsysteme eingesetzt werden.

Die sind teilweise schon ganz brauchbar – Chatbots auf Textbasis noch ein bisschen brauchbarer als die mit Spracherkennung. Über die Spracherkennung wird zumindest eine Vorauswahl im Beratungsprozess getroffen. Das ist immer ein Bereich in Call-Centern, der recht viel emotionale Intelligenz erfordert und recht anspruchsvoll ist in der Tätigkeit, der aber zum Teil auch recht repetitiv ist.

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Über den/die Autor*in

Michael Mazohl

Michael Mazohl

Michael Mazohl studierte Digitale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Als Fotograf und Journalist arbeitete er für österreichische und internationale Zeitungen und Magazine, so auch seit Jahren für die Arbeit&Wirtschaft. Seit November 2018 ist er Chefredakteur (Online) der Arbeit&Wirtschaft.