Fließband-App

Foto (C) Hans Christian Plambeck/laif/picturedesk.com
Fließband-App Was früher das Fließband war, sind heute Apps und Algorithmen.
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Die Automatisierung ökonomischer Prozesse ist nicht neu. Das Digitalisieren von Dienstleistungen gestaltet den Arbeitsmarkt grundlegend um.

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Der Prozess der Digitalisierung von Arbeit transformiert Arbeit in allen Facetten, verändert Tätigkeitsprofile und Organisationspolitik, Produktionsketten und Beschäftigungsverhältnisse, schreiben die deutschen Soziologen Oliver Nachtwey und Philipp Staab in ihrem Aufsatz „Die Avantgarde des digitalen Kapitalismus“, erschienen in der Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Wohin die Entwicklung bei der Beschäftigung im digitalen Produktionszeitalter geht, ist ungewiss. Die Frage, wie ein ‚digitaler Kapitalismus‘ aussehen könnte, führt aber nicht ins Reich reiner Spekulation, denn in einigen wichtigen Unternehmen des Weltmarkts ist er bereits Realität.

Die vier einflussreichsten Schlüsselunternehmen der Internetökonomie, Amazon, Apple, Google und Microsoft, geben die Richtung vor, wie die Arbeit im kommerziellen Internet gestaltet werden könnte. Sie bilden, so die These von Nachtwey und Staab, die Avantgarde des Kapitalismus in digitaler Ausprägung. Ihr primäres Kapital, das digitale Feedback der KonsumentInnen, trägt zu weiterer Rationalisierung bei und ist ein Rohstoff, der kaum versiegt.

Digitale Lagerlogistik

Trotz eines futuristisch anmutenden Logistiksystems erinnern die Arbeitsbedingungen bei Amazon an Fabriken zu Beginn der Industrialisierung. Das datengesteuerte Effizienzgebot gilt gleichermaßen für Waren wie für MitarbeiterInnen. Strichcode-Lesegeräte weisen den Arbeitskräften den effizientesten Weg, erfassen die ankommende Ware, messen aber auch die Arbeitszeit. Was früher das Fließband war, sind heute Apps und Algorithmen.

„Wir machen jeden Tag dieselbe Arbeit“, berichtet etwa ein Lagermitarbeiter vom Amazon-Standort Leipzig. „Am Morgen bekommen wir die Vorgaben, dann nimmt man seinen Wagen mit den Artikeln, die scannt man ab und räumt sie dann ins Fach, den ganzen Tag.“ Vor fünf Jahren hatte die deutsche Gewerkschaft verdi erstmals zu Streiks aufgerufen. Das Ziel – Verhandlungen über einen Tarifvertrag – wurde bisher nicht erreicht.

„Bei Arbeit 4.0 stellt sich in Hinblick auf Technikgestaltung und Arbeitsorganisation die Frage, welche Rolle den Arbeitenden und ihrem Erfahrungswissen beigemessen wird“, meint der Soziologe Jörg Flecker in seinem Beitrag zum österreichischen Sozialbericht zum Thema „Arbeit 4.0“. Mit einer technikzentrierten Entwicklung würden Chancen auf Beschäftigung und günstige Arbeitsbedingungen verschenkt, während eine humanzentrierte Technik arbeits- und sozialpolitische Ziele verfolgen könne.

Crowdwork und Crowdsourcing

Bei Crowdwork, also der Auslagerung einzelner Arbeitsschritte in eine betriebsexterne Masse (Crowd) selbstständiger Arbeitskraftanbieter, wird digitale Einfacharbeit (Clickwork), aber auch hochspezialisierte Arbeit im IT- oder Kreativ-Bereich vergeben.

Auch analoge Arbeitskräfte werden über Plattformen wie Uber oder MyHammer digital vermittelt. Die von der AK Wien geförderte Forschungsarbeit „Österreichs Crowdworkszene“ der britischen Soziologin Ursula Huws befasste sich erstmals näher mit den Arbeitsbedingungen in der „Gig-Economy“ in Österreich. Jede/r Fünfte der Befragten hatte bereits digital vermittelte Jobs ausgeführt.

Nur für eine Minderheit ist Crowdwork die einzige bzw. wichtigste Einkommensquelle, elf Prozent beziehen über die Hälfte des Einkommens daraus. Dieses ist generell bescheiden: Fast 50 Prozent verdienen (nicht nur aus Crowd-Arbeit) weniger als 18.000 Euro im Jahr. Unter den „digitalen MassenarbeiterInnen“ gibt es viele, die qualifizierte und nicht qualifizierte Arbeit gleichermaßen anbieten. Am häufigsten (74 Prozent) sind Büroarbeit, Hilfstätigkeiten und „Click-Arbeit“. 62 Prozent sind im Kreativ- oder im hochspezialisierten IT-Sektor tätig.

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