Eine Schraube wird 10.000-mal öfter geprüft als ein Lehrling

Arbeit&Wirtschaft sprach mit der ÖGJ-Vorsitzenden Susanne Hofer. Für die Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend ist die Lehre ein höherer Bildungsweg – muss aber gut bezahlt und qualitativ hochwertig sein. Schmalspurausbildungen wie zum Fahrradmonteur lehnt sie ab.

Inhalt

  1. Seite 1 - Der Ruf der Lehrausbildung
  2. Seite 2 - Die Fachkräftemilliarde
  3. Seite 3 - Die Arbeitsbedingungen in der Lehrausbildung
  4. Seite 4 - Die Qualität der Lehrausbildung
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Im Interview
„Unsere Aufgabe ist die Aufklärung. Das heißt, zu schauen, wo es Missstände gibt, wie man ihnen vorbeugt. Wir geben da auch Tipps und schalten uns auch in KV-Verhandlungen ein. Das heißt, wir fordern 850 Euro Mindestlehrlingsentschädigung“, so Hofer über die Situation im Tourismus.

Im letzten Lehrlingsmonitor von AK, ÖGB und ÖGJ wurden das Gastgewerbe und der Tourismus kritisiert. Da ging es etwa um massig unbezahlte Überstunden am Wochenende. Was tut die ÖGJ, damit sich das bessert?

Auch das liegt nicht in unserer Verantwortung. Die Arbeitgeber müssen das schon selber verbessern. Unsere Aufgabe ist die Aufklärung. Das heißt, zu schauen, wo es Missstände gibt, wie man ihnen vorbeugt. Wir geben da auch Tipps und schalten uns auch in KV-Verhandlungen ein. Das heißt, wir fordern 850 Euro Mindestlehrlingsentschädigung. Das wäre natürlich eine Aufwertung der Tourismus- und Gastronomiebranche.

Was noch dazukommt, sind höhere Überstundenzuschläge für Lehrlinge, die über 18 sind. Wenn Überstunden teurer sind, wirds für UnternehmerInnen nicht mehr so attraktiv. Es geht uns darum, dass es in einer Lehrlingsausbildung ja keinen Sinn ergibt, Überstunden zu machen. Was sollen sie in der 10., 11. Stunde lernen, was man davor nicht schon lernen kann?

Wenn Überstunden teurer sind, wird’s für UnternehmerInnen nicht mehr so attraktiv. Es geht uns darum, dass es in einer Lehrlingsausbildung ja keinen Sinn ergibt, Überstunden zu machen. Was sollen sie in der 10., 11. Stunde lernen, was man davor nicht schon lernen kann?

Und Überstunden, die Minderjährige oft leisten, sind nicht nur für uns ein No-Go. Sie sind illegal.

Warum sind eigentlich gerade diese Branchen betroffen? Das sind Branchen mit vielen Mangelberufen. Die müssten doch an guten Bedingungen für ihre Angestellten interessiert sein, damit sie Leute langfristig binden. Ich denke an die Kampagne „Ausbildung statt Abschiebung“ aus Oberösterreich.

(lacht) Ja, sehe ich auch so. Aber durch diese miesen Arbeitsbedingungen – auch keine gute Lehrlingsentschädigung – verstehe ich jeden, der nicht in diesem Bereich eine Lehre machen will. Es ist einfach ein Fakt, dass in vielen Gastro- und Tourismusbetrieben keine guten Bedingungen vorherrschen.

Es ist einfach ein Fakt, dass in vielen Gastro- und Tourismusbetrieben keine guten Bedingungen vorherrschen. 

Wenn man sich im Vergleich die Baubranche anschaut: Vor Jahren war auch hier das Image relativ schlecht. Da ist inzwischen extrem investiert worden. Dadurch haben sich das Image und vor allem die Qualität, die Situation, verbessert. Die Lehrlingsentschädigung ist enorm angehoben worden, und es ist geschaut worden, dass die Lehrlinge rausgehen aus der Ausbildung und ein Werkzeug in der Hand haben für ihre Zukunft. Jetzt gibt es hinsichtlich der Lehrausbildung sehr wenige Probleme in der Baubranche, und es finden sich Jugendliche, die hier eine Lehre machen.

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  1. Seite 1 - Der Ruf der Lehrausbildung
  2. Seite 2 - Die Fachkräftemilliarde
  3. Seite 3 - Die Arbeitsbedingungen in der Lehrausbildung
  4. Seite 4 - Die Qualität der Lehrausbildung
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Über den/die AutorIn

Zoran Sergievski

Zoran Sergievski

Zoran Sergievski, geboren 1988 in Hessen, freier Journalist und Lektor. Studierte Publizistik in Wien. Schreibt seit 2007 für diverse Websites, Zeitschriften und fürs Radio, am liebsten über Medien, Rechtsextreme und Soziales. Lebt mit Kleinfamilie in Wien.