Eine Schraube wird 10.000-mal öfter geprüft als ein Lehrling

Arbeit&Wirtschaft sprach mit der ÖGJ-Vorsitzenden Susanne Hofer. Für die Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend ist die Lehre ein höherer Bildungsweg – muss aber gut bezahlt und qualitativ hochwertig sein. Schmalspurausbildungen wie zum Fahrradmonteur lehnt sie ab.

Inhalt

  1. Seite 1 - Der Ruf der Lehrausbildung
  2. Seite 2 - Die Fachkräftemilliarde
  3. Seite 3 - Die Arbeitsbedingungen in der Lehrausbildung
  4. Seite 4 - Die Qualität der Lehrausbildung
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Im Interview
„Der finanzielle Teil gestaltet sich so: Unternehmen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, zahlen ein Prozent der Bruttolohnsumme in den Fonds. Laut Prognosen wären das für das Jahr 2018 rund 1,8 Milliarden Euro, die für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften verwendet werden könnten.“

Kommen wir zur zuvor genannten Fachkräftemilliarde. Damit will die ÖGJ Firmen in die Pflicht nehmen. Wie genau funktioniert dieses Modell?

Unternehmen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, sollen in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Unternehmen, die qualitativ hochwertig ausbilden wollen und können, gute AusbildnerInnen haben, werden gefördert. Es gibt viele UnternehmerInnen, die sagen, sie können sich das nicht leisten. Mit der Fachkräftemilliarde wäre dem vorgebeugt.

Unternehmen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, sollen in einen Ausbildungsfonds einzahlen.

Der finanzielle Teil gestaltet sich so: Unternehmen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, zahlen ein Prozent der Bruttolohnsumme in den Fonds. Laut Prognosen wären das für das Jahr 2018 rund 1,8 Milliarden Euro, die für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften verwendet werden könnten. Mit der Fachkräftemilliarde sollen auch die Plätze in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen finanziert werden, die derzeit der Bund über das AMS finanziert.

Wie will die  ÖGJ sicherstellen, dass auch zahlt, wer zahlen kann?

Ich glaube nicht, dass es der Job der Österreichischen Gewerkschaftsjugend ist, Firmen zu kontrollieren oder zu sanktionieren. Prinzipiell glaube ich, dass unsere Fachkräftemilliarde eine Win-win-Situation für beide Seiten wäre. Wenn ich mir in meinem eigenen Unternehmen eine gute Fachkraft ausbilde, bleibt die auch meistens und sorgt so für Profit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Modell irgendeinem Unternehmen einen Schmerz zufügen würde.

Wenn es nicht schmerzt, wie vermeidet die ÖGJ, dass sich Unternehmen durch den Fonds dauerhaft freikaufen? Dass sich Unternehmen die Ausbildung von Fachkräften sparen?

Wie gesagt: Wir wollen, dass Unternehmen, die ausbilden können und wollen, ausbilden. Die machen das dann erfahrungsgemäß wirklich gut. Wer nicht ausbildet, zahlt eben in den Topf ein. Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, dass die Kontrolle funktioniert.

Wir wollen, dass Unternehmen, die ausbilden können und wollen, ausbilden. Die machen das dann erfahrungsgemäß wirklich gut.

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  1. Seite 1 - Der Ruf der Lehrausbildung
  2. Seite 2 - Die Fachkräftemilliarde
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  4. Seite 4 - Die Qualität der Lehrausbildung
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Über den/die AutorIn

Zoran Sergievski

Zoran Sergievski

Zoran Sergievski, geboren 1988 in Hessen, freier Journalist und Lektor. Studierte Publizistik in Wien. Schreibt seit 2007 für diverse Websites, Zeitschriften und fürs Radio, am liebsten über Medien, Rechtsextreme und Soziales. Lebt mit Kleinfamilie in Wien.