Expert:innen rechnen damit, dass dieser Hitzesommer keine Ausnahme bleiben wird. „Es geht niemand mehr davon aus, dass das nur ein einzelnes Wetterphänomen ist. Wir haben es mit tiefgreifenden Veränderungen zu tun“, sagt Marianne Penker, Professorin für Landsoziologie und Ländliche Entwicklung an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien, in einem Mediengespräch von „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“. Studien wie der österreichische Sachstandsreport zum Klimawandel zeigen, dass Wetterextreme immer häufiger werden. Das heißt: Es wird heißer, es wird trockener, es kann aber auch zu viel regnen – weil wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann.
Für die Schäden aus diesem Sommer soll ein Hilfspaket kurzfristig Abhilfe schaffen, 240 Millionen Euro will das Landwirtschaftsministerium dafür zur Verfügung stellen. Auch ein Klimaschutzgesetz hat die Regierung angekündigt. Allerdings sind darin keine Sanktionen für die verantwortlichen staatlichen Stellen vorgesehen, also etwa ein Ministerium oder ein Bundesland.
Die Klimakrise ist jedenfalls längst zu einer sozialen Verteilungsfrage geworden. In diesem Jahr betrifft sie vor allem jene Menschen, die im Agrarsektor arbeiten. Und dass die Ernte knapp ausfällt, könnte bald auch Lebensmittelpreise steigen lassen.
Unterstützung für Agrarsektor und Konsument:innen
Betroffene im Agrarsektor dürften mit den Folgen nicht allein gelassen werden, fordert Wissenschaftlerin Penker. „Wer neue Betriebszweige etabliert oder in Bewässerungssysteme investiert, geht für die Zukunft unserer Lebensmittelversorgung ein unternehmerisches Risiko ein. Das dürfen wir nicht allein bei den Betrieben abladen“, sagt die Expertin.
Zwar sehen Konsument:innen die Krise derzeit noch kaum in den Supermarktregalen, Johannes Tintner-Olifiers vom BOKU-Institut für Statistik hält Preissprünge im kommenden Jahr aber für unvermeidbar. Vor allem Weizen und Fleisch seien betroffen. Höhere Preise dürften nicht die Ärmsten der Gesellschaft treffen, sagt Tintner-Olifiers: „Wenn Lebensmittelpreise steigen, müssen armutsgefährdete Menschen spezifisch unterstützt werden.“
Programm für einen gerechten Systemwechsel
In Zukunft, so sehen es die Forschenden, werden Landwirt:innen einiges ändern müssen. Zur Diskussion stehe etwa, auf neue Kulturen wie Oliven und Reis umzustellen oder Tierbestände in trockenen Regionen zu reduzieren. Aber die Änderungen sollten gerecht erfolgen, sind sich Penker und Tintner-Olifiers einig. Sie fordern faire Preise – sowohl für Erzeuger:innen als auch für Konsument:innen. Tintner-Olifiers argumentiert, dass ein neues Preismodell Abhilfe schaffen könnte: Wenn Preise in guten Erntejahren nicht mehr so stark sinken würden, könnten Betriebe aus eigener Kraft finanzielle Reserven aufbauen.
🫐 Woher kommen eigentlich unsere Heidelbeeren?
🌎 Für unsere Recherche haben wir nach Chile geschaut, ein Land, aus dem viele Heidelbeeren in den Wintermonaten stammen. Gewerkschafter:innen berichten dort von langen Arbeitstagen, ausbleibenden Löhnen und prekären Unterkünften für Erntehelfer:innen.
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 13. August 2026 um 09:12
Mit solchen Hebeln könnte die Politik außerdem stärker auf Vorsorge setzen – statt so wie jetzt sofort auf Nothilfe zurückgreifen zu müssen. Und der Zukunftsplan für den Agrarsektor müsse sozial verträglich sein. Die „gute Kultur der Sozialpartnerschaft“ müsse jetzt genutzt werden, um den anstehenden Wandel hin zu neuen Kulturen und neuen Verarbeitungs- und Betriebssystemen aktiv und sozial gerecht zu gestalten. Denn dass dieser Wandel kommt, steht außer Frage.
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