Coverstory: Schuhe, Zwiebeln, Fleisch und die gerechte Verteilung

Inhalt

  1. Seite 1 - Ungleich verteilte Wohlstandsgewinne
  2. Seite 2 - Etwas läuft gewaltig schief
  3. Seite 3 - Schutz nur für EuropäerInnen?
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Das heutige Wirtschaftssystem beruht auf Ausbeutung, die auch den Mittelschichten weltweit zu mehr Wohlstand verhilft. Umso wichtiger sind internationale Solidarität und die internationale Arbeit der Gewerkschaften. Auf Dauer muss sich aber das System ändern.

Ausbeutungskette

Die Schattenseite der Globalisierung: Menschen in anderen Teilen der Welt bezahlen einen hohen Preis dafür, dass die Produktion von Waren in ihre Länder ausgelagert wurde. Matthias Schnetzer spitzt dies folgendermaßen zu: „Momentan sieht die internationale Arbeitsteilung so aus, dass die Industrieländer eigentlich alle Vorteile abschöpfen und den Schwellenländern die komplette Drecksarbeit aufbürden.“ Am Beispiel der Schuhindustrie lässt sich dies gut nachvollziehen. Die Schuhindustrie ist ein komplexes System mit vielen verschiedenen AkteurInnen und Arbeitsschritten. Im Rahmen der Clean-Clothes-Kampagne (die auch von der GPA-djp und dem ÖGB-Verein „weltumspannend arbeiten“ mitgetragen wird) bringt die NGO Südwind Licht in diese sogenannte Wertschöpfungskette. Wenn man sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der asiatischen ArbeiterInnen vergegenwärtigt, so möchte man
allerdings eher von einer Ausbeutungskette sprechen (siehe auch „Auf Schritt und Tritt“, S. 24–25).

Wenn man sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der asiatischen ArbeiterInnen vergegenwärtigt, so möchte man
allerdings eher von einer Ausbeutungskette sprechen.

87 Prozent der Schuhe weltweit werden in Asien erzeugt, fast zwei von drei weltweit verkauften Paaren kommen aus China. Die Arbeitsteilung ist in der Tat sehr ungleich. Denn die meist angenehmeren Tätigkeiten wie Konzeption und Auftragsvergabe sind durchaus in den Industrieländern geblieben. Insbesondere die Profite landen in den Industrieländern. Südwind hat anhand eines Marken-Laufschuhs berechnet, dass gerade einmal zwei Prozent des Endpreises in die Löhne der ArbeiterInnen fließen, die ihn herstellen. Ein Viertel bekommt das Markenunternehmen, ein Drittel landet im Einzelhandel.

Die Wertschöpfungskette bei Schuhen ist lang und führt in Länder, in denen weder
auf den Schutz von ArbeitnehmerInnen
noch der Umwelt besonders Wert gelegt wird. Ein Beispiel dafür ist China.

Lehrreiches Beispiel

Das Beispiel ist insofern sehr lehrreich, als es zeigt, dass auch jenes Versprechen zur Illusion wurde, wonach in den Industrieländern alle von den Verheißungen der Globalisierung profitieren würden. Denn im Einzelhandel sind die Gehälter auch hierzulande bescheiden, zudem gibt es viele Teilzeitkräfte. Gerade einmal bei rund 1.600 Euro liegt das Vollzeitgehalt, mit dem man nach Lehrabschluss rechnen kann.

Verheerende Arbeitsbedingungen asiatischer ArbeiterInnen:

  • Mickrige Löhne
  • Mangelnde Arbeitsrechte
  • Keine gewerkschaftliche Vertretung
  • Mangelnder Gesundheitsschutz
  • Umweltverschmutzung
Deutlich schlechter sind freilich die asiatischen ArbeiterInnen dran. Mickrige Löhne, mangelnde Arbeitsrechte, keine gewerkschaftliche Vertretung, mangelnder Gesundheitsschutz und Umweltverschmutzung: So lässt sich vielleicht annähernd zusammenfassen, unter welchen Bedingungen importierte Schuhe in asiatischen Produktionsstätten hergestellt werden. Und die Spirale geht immer weiter nach unten, denn schon in den Schuhfabriken herrschen schlechte Arbeitsbedingungen, zusätzlich werden bestimmte Tätigkeiten in Heimarbeit erledigt. Dies bedeutet einerseits noch mickrigere Löhne und mangelnde soziale Absicherung, andererseits müssen HeimarbeiterInnen auch noch selbst für Miete, Strom, Maschinen und Instandhaltung und oftmals gar für Transportkosten aufkommen.

Etwas läuft gewaltig schief

Hält man sich vor Augen, dass Marken-Laufschuhe mit 120 Euro nicht gerade in die Kategorie Schnäppchen fallen, so wird ermessbar, dass hier etwas gewaltig schiefläuft. Denn in konkreten Zahlen hat das Markenunternehmen die Schuhe um 20 Euro vom Produzenten gekauft und um 50 Euro an den Zwischenhändler weiterverkauft. Es erhält also mehr als doppelt so viel für das Paar Schuhe, als es selbst bezahlt hat. Der Einzelhändler wiederum hat die Schuhe vom Zwischenhändler um 55 Euro gekauft. Hier sind wir also bei den berühmten Margen. Wenn der Preis noch geringer ist, kann dieses System also nur über die Masse funktionieren, was die Chancen auf faire Löhne nicht gerade erhöht.

Freihandel, Konkurrenz und internationale Arbeitsteilung: All das sollte dazu führen, dass alle Menschen mehr Wohlstand genießen können.

Freihandel, Konkurrenz und internationale Arbeitsteilung: All das sollte dazu führen, dass alle Menschen mehr Wohlstand genießen können. Wie sich am Beispiel der Schuhe zeigt, hat sich die internationale Arbeitsteilung nicht gerade zum Positiven entwickelt. Aber auch Freihandel und Konkurrenz haben zu einem Wettbewerb nach unten geführt. „Schweinefleisch ist deshalb so billig, weil es verschiedene Anbieter gibt, die permanent an der Preisschraube drehen“, erklärt Brand. Oder aber Zwiebeln müssen aus dem Ausland importiert werden, wie kürzlich in Österreich geschehen, weil die inländischen alle exportiert wurden. „Auch bei den Erdäpfeln ist das ja ein Problem, dass die langsam ausgehen“, ergänzt Brand.

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Über den/die Autor*in

Sonja Fercher

Sonja Fercher ist freie Journalistin und Moderatorin. Seit 2014 ist sie Chefredakteurin der A&W (Print), für ihre Coverstory zum Thema Start-ups erhielt sie im Juni 2018 den Journalistenpreis von Techno-Z. Sie hat in zahlreichen Medien publiziert, unter anderem in Die Zeit, Die Presse und Der Standard. Von 2002 bis 2008 war sie Politik-Redakteurin bei derStandard.at. Für ihren Blog über die französische Präsidentschaftswahl wurde sie im Jahr 2008 mit dem CNN Journalist Award - Europe ausgezeichnet.

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