Autor*in – Sonja Fercher

Sonja FercherSonja Fercher ist freie Journalistin und Moderatorin. Seit 2014 ist sie Chefredakteurin der A&W (Print), für ihre Coverstory zum Thema Start-ups erhielt sie im Juni 2018 den Journalistenpreis von Techno-Z. Sie hat in zahlreichen Medien publiziert, unter anderem in Die Zeit, Die Presse und Der Standard. Von 2002 bis 2008 war sie Politik-Redakteurin bei derStandard.at. Für ihren Blog über die französische Präsidentschaftswahl wurde sie im Jahr 2008 mit dem CNN Journalist Award - Europe ausgezeichnet.

Foto (C) Michael Mazohl

Reportage: Sprachrohre & PionierInnen

Ob Lösungen für Konflikte oder der Kampf gegen Personalabbau, ob das Gespräch mit den Dienstgebern oder die Verhandlungen zum Kollektivvertrag:
Die Arbeit von BetriebsrätInnen ist vielfältig und herausfordernd – aber auch lohnend. Ein Besuch bei den BetriebsrätInnen des Landeskrankenhauses Salzburg
und der Energie Steiermark in Graz.

Standpunkt: Geschätztes Sprachrohr

Standpunkt: Geschätztes Sprachrohr

Sonja Fercher
Chefredakteurin
Arbeit&Wirtschaft
ir werden keinen Richter brauchen: Mit diesem sehr österreichischen Spruch lässt sich wohl am besten zusammenfassen, weshalb es in Österreich gerade in kleinen Betrieben oftmals keinen Betriebsrat gibt. „Das machen wir uns schon miteinander aus“ … „Ich kann eh immer mit dem Chef reden“: Das hörte auch ich sehr oft, wenn Bekannte von Konflikten im Betrieb erzählten und ich die Frage stellte, warum sie denn keinen Betriebsrat gründen. So überzeugt die Ablehnung des Betriebsrats da oftmals war, so schnell änderte sich die Perspektive, wenn der oder die Betreffende in ein Unternehmen wechselte, in dem es einen Betriebsrat gab. Dann nämlich waren sie begeistert davon, welche Vorteile der Betriebsrat etwa in Betriebsvereinbarungen zusätzlich erkämpft hatte.
Die Skepsis bei Beschäftigten in kleinen und mittleren Betrieben kommt freilich nicht von ungefähr. Denn in der Tat haben so manche Arbeitgeber keine große Freude mit der Idee eines Betriebsrats. Hier muss allerdings von jenen abgesehen werden, die grundsätzlich etwas gegen die Mitbestimmung ihrer Beschäftigten haben – diese sind oftmals auch nicht in den kleineren Betrieben zu finden. Nein, auch viele ChefInnen von Klein- und Mittelbetrieben haben Vorbehalte, weil auch sie der Meinung sind, dass man mit ihnen doch reden könne. Das mag ja auch wirklich so sein. Was diese Haltung allerdings übersieht: Arbeitgeber und ihre MitarbeiterInnen haben unterschiedliche Interessen. Sich dessen nicht bewusst zu sein führt dazu, dass es noch schwieriger wird, wenn ein Konflikt ausbricht. Dieser nimmt schnell persönliche Züge an, statt zu einer Suche nach einer Lösung auf der sachlichen Ebene zu werden.
Wichtige Vermittlerrolle
Genau in dieser Situation können BetriebsrätInnen eine wichtige Vermittlerrolle einnehmen. Vor allem aber können sie dazu beitragen, dass so manche Konflikte gar nicht erst entstehen. Denn sie haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Beschäftigten und können somit auf so manches Problem aufmerksam machen, bevor es zu einem großen Problem wird – und mit den Beschäftigten wie mit den Arbeitgebern darüber nachdenken, wie Lösungen aussehen könnten.
Das Interessante ist, dass nicht nur Beschäftigte es zu schätzen wissen, wenn sie einmal in den Genuss einer Firma mit Betriebsrat gekommen sind. Auch Arbeitgeber selbst sehen Betriebsräte positiv, wenn sie mit ihnen zu tun haben, wie eine Forba-Untersuchung zeigt. Die Argumente sind bemerkenswert: Die Einbindung des Betriebsrats führe zu mehr Engagement der MitarbeiterInnen; oder: der Betriebsrat helfe dabei, die Arbeitsleistung zu verbessern.

Die Einbindung des Betriebsrats führt zu mehr Engagement der MitarbeiterInnen; der Betriebsrat hilft dabei, die Arbeitsleistung zu verbessern.

Der Betriebsrat verkommt zum Ins­trument der Arbeitgeber, könnte man nun unken. Natürlich, bisweilen gibt es entsprechende Versuche. Es ist für Betriebsräte jedenfalls eine Herausforderung und sie sind gut beraten, sich nicht zum Sprachrohr der Firmen für Sparpläne zu machen. Wie ein Betriebsratsmitglied mir erzählte, ist das Problem Folgendes: Informieren sie nicht, regiert die Gerüchteküche. Hier die richtige Balance zu finden ist sicher eine Herausforderung. Allerdings bemühen sich die BetriebsrätInnen redlich, ihrer Aufgabe als Sprachrohr der Beschäftigten gerecht zu werden.
Als Sprachrohr richten sie sich allerdings nicht nur an ihre direkten Arbeitgeber. Eine große österreichische Errungenschaft besteht darin, dass nach wie vor 95 Prozent der Beschäftigten von Kollektivverträgen erfasst sind. Auf sozialpartnerschaftlicher Basis können BetriebsrätInnen so manche Innovationen vorantreiben, wie das Beispiel der Energiewirtschaft zeigt, über das wir in der Reportage „Sprachrohr und PionierInnen“ berichten.
Kurzum: Richter braucht es bei Konflikten am Arbeitsplatz hoffentlich wirklich nicht allzu oft. Sehr wohl aber profitieren alle Seiten davon, wenn es einen Betriebsrat gibt. Deshalb an dieser Stelle auch einmal ein großes Dankeschön an alle, die sich für die Interessen ihrer KollegInnen einsetzen!

Illustration Natur

Von der Natur der Pflege

Sehr viele Menschen wünschen sich, dass sie zu Hause altern und auch sterben können. Doch das ist nicht immer so einfach. Viel zu häufig fehlt dafür die nötige Unterstützung und auch die finanzielle Absicherung der pflegenden Angehörigen.

Standpunkt: Falsch an der Uhr gedreht

Standpunkt: Falsch an der Uhr gedreht

Sonja Fercher
Chefin vom Dienst
Arbeit&Wirtschaft
Wer lacht nicht gern über die schlimmen Sachen, die Paulchen Panther immer wieder von Neuem einfallen. Weniger Grund zum Lachen geben allerdings jene schlimmen Dinge, die die türkisblaue Regierung im Herbst in Sachen Arbeitszeit in Gesetzesform gegossen hat. Denn anders als beim rosaroten Panther sind sie nicht nur Farb und Pinselstrich, sondern haben für die ArbeitnehmerInnen ganz handfeste negative Konsequenzen. Zugleich sind sie so retro, wie es die pinke Katze ist, die Anfang der 1960er-Jahre in den USA das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Wenn man so will, hat die türkis-blaue Regierung die Uhr sogar noch viel weiter zurückgedreht, denn der 8-Stunden-Tag ist immerhin eine Errungenschaft, die in Österreich dieses Jahr ihren hundertsten Geburtstag gefeiert hätte.
Wer sich mit dem Thema Arbeitszeit einmal ausführlich beschäftigt und die Meinung von ExpertInnen aufmerksam gelesen hat, kann über den 12-StundenTag nur den Kopf schütteln. Denn wenn es einen Punkt gibt, in dem sich wirklich alle einig sind, dann ist es dieser: Es ist allerhöchste Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung. Dafür gibt es viele gute Gründe. Stattdessen aber hat die Regierung die Uhren zurückgedreht.

Es ist allerhöchste Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung.

So ist die Arbeitszeitverkürzung eine gute Maßnahme, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Und auch wenn Österreich im EU-Vergleich in der Hinsicht gar nicht so schlecht dasteht, so verdienen es jene Arbeitslose, die dieses Schicksal oftmals schon sehr lange erleiden, dass man alles daransetzt, dass sie wieder Arbeit finden. Es ist im Grunde wenig überraschend, dass eine Regierung mit Beteiligung der FPÖ hier einen anderen Weg geht, nämlich jenen der Stigmatisierung von Arbeitslosen. Allerdings passt es auch zur neuen Linie der türkisen ÖVP, die den Interessen der Arbeitgeber klar und deutlich Vorrang einräumt. Dass es aber nicht genug Jobs gibt, es also bei vielen Arbeitslosen gar keine Frage des Wollens ist, sondern vielmehr des mangelnden Angebots: Das wird allzu gerne unter den Tisch gekehrt.
Zurück an den Herd?
Retro ist die Arbeitszeitverlängerung aber nicht nur in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht, sondern auch was die Gleichstellung der Geschlechter betrifft. Denn es ist ebenfalls wissenschaftlich erwiesen, dass längere Arbeitszeiten dazu führen, dass sich die traditionelle Arbeitsaufteilung zwischen Mann und Frau verstärkt. Das hängt mit einer weiteren Baustelle
zusammen, die Türkis-Blau nicht angeht: mehr Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen. Solange es kein entsprechendes Angebot gibt, bleibt es an den Frauen hängen, sich dieser Familienarbeiten anzunehmen. Das hat nicht immer damit zu tun, dass die jeweiligen Paare traditionelle Rollenvorstellungen haben. Vielmehr stecken meist finanzielle Abwägungen dahinter: Da Frauen nach wie vor weniger verdienen, lässt sich der Ausfall ihres Einkommens – ob zur Gänze oder zum Teil – meist leichter verkraften.

Eine Arbeitszeitverlängerung widerspricht den Wünschen der Menschen.

Es steht also zu befürchten, dass die Uhren in Sachen Familienarbeit wieder zurückgedreht werden. Der springende Punkt dabei ist die von der Regierung so hochgehaltene, aber keineswegs gewährte Freiwilligkeit: Wenn Mann und Frau sich frei entscheiden können, wie sie die familieninterne Arbeitsaufteilung gestalten wollen, ist auch gegen eine traditionelle Aufteilung nichts einzuwenden. Wenn die Menschen und insbesondere die Frauen aber keine andere Wahl haben, so ist das völlig inakzeptabel. Auch das ist ein weiterer problematischer Punkt bei der von der Regierung durchgeboxten Arbeitszeitverlängerung: Sie widerspricht den Wünschen der Menschen, denn diese weisen eindeutig in Richtung Arbeitszeitverkürzung. Wer lange Arbeitszeiten hat, wünscht sich kürzere, wer Teilzeit arbeitet, will mehr Stunden. Ganz zu schweigen von den handfesten negativen Folgen für die Gesundheit, die lange Arbeitszeiten haben. Höchste Zeit also, die Uhren wieder vorzustellen, und zwar in Richtung einer menschenwürdigen Regelung der Arbeitszeit.

Standpunkt: Unfaire Flüsse

Ein Land, in dem Milch und Honig fließen? Ist dieses Motiv nicht geradezu zynisch, schon gar, wenn in diesem Schwerpunkt geradezu schon gebetsmühlenartig darauf hingewiesen wird, wie ungerecht es in Österreich zugeht? Nun, so absurd ist das keineswegs. Denn wir sind hierzulande zwar leider weit von paradiesischen Zuständen entfernt, wie die in der Arbeit&Wirtschaft immer wieder aufgezeigten Ungerechtigkeiten belegen. Zugleich aber steht Österreich im internationalen Vergleich wirtschaftlich sehr gut da.

Coverstory: Angriffe auf den Schutzschirm

Die Regierung versucht, die AK als starke Stimme der Beschäftigten zu schwächen. Umso wichtiger sind die bevorstehenden AK-Wahlen, bei denen die ArbeitnehmerInnen der Kammer den Rücken stärken können. In den Wahlbüros laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit die Mitglieder von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch machen können.

Standpunkt: Auf, auf zur Wahl!

Standpunkt: Auf, auf zur Wahl!

Noch kaum eine österreichische Regierung hat so klar erkennen lassen, dass sie den Wünschen der Wirtschaft uneingeschränkt nachkommen möchte, wie es bei Türkis-Blau der Fall ist. Auch hat noch keine so klar durchscheinen lassen, dass sie dafür auch bereit ist, eine Politik auf Kosten von Beschäftigten, sozial Schwachen und Armen zu machen.

Foto (C) Christian Fischer

Coverstory: Vorwärts und nicht vergessen

In Favoriten nahm die österreichische ArbeiterInnenbewegung ihren Ausgang. Ihre Spuren findet man bis heute. Sie legen davon Zeugnis ab, wie viel Menschen erreichen können, wenn sie sich zusammenschließen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Ein Spaziergang durch Geschichte und Gegenwart.

Standpunkt: Das unmenschliche Gespenst

Standpunkt: Das unmenschliche Gespenst

Diesmal ist es anders, meinte der Schriftsteller Doron Rabinovici kürzlich in einer Rede bei der Donnerstagsdemonstration in Wien. Er bezog sich damit auf die Demos, die um die Jahrtausendwende zum ersten Mal stattfanden und von denen ein starkes Zeichen gegen die Koalition zwischen ÖVP und FPÖ ausging.