Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Mindestsicherung – wer bezieht was?

Inhalt

  1. Seite 1 - Arbeitslosengeld: strenge Regeln
  2. Seite 2 - Notstandshilfe: am Limit
  3. Seite 3 - Mindestsicherung: Von Land zu Land
  4. Auf einer Seite lesen >
Die öffentliche Debatte kreist um die Reform der Mindestsicherung und die Möglichkeit der Abschaffung der Notstandshilfe. Wie genau unterscheiden sich diese Sozialleistungen, insbesondere zum Arbeitslosengeld? Welche Bedingungen müssen derzeit vor den Änderungen durch die Bundesregierung erfüllt sein, um welche Leistung zu erhalten? Zahlen, Daten, Fakten zum Status Quo.

Notstandshilfe: am Limit

Die Versicherungsleistung der Notstandshilfe kann unbegrenzt bezogen werden, wird aber höchstens für je 12 Monate bewilligt. BezieherInnen müssen also nach spätestens einem Jahr einen neuen Antrag stellen. Dieser kann schon erfolgen, bevor der Bezug des Arbeitslosengeldes endet.

Die Höhe des Notstandsgeldes wird anhand des aktuell gültigen Existenzminimums bzw. dem daraus abgeleiteten Ausgleichszulagenrichtsatz (AR) errechnet. Wie beim Arbeitslosengeld richtet sich die Höhe der Notstandshilfe nach den geleisteten Arbeitslosenversicherungs-Beiträgen. 2016 wurden bei einem Existenzminimum von 1.060 Euro 909,42 Euro Notstandshilfe ausbezahlt.

Durchschnittsbezug Notstandshilfe pro Monat

Frauen
2016
€ 664

Männer
2016
€ 784

Die Notstandshilfe beträgt je 95 Prozent des Arbeitslosengeldes samt Ergänzungsbeitrag, wenn der Grundbetrag unter dem AR liegt. Drei Prozent weniger, wenn der Grundbetrag über dem AR liegt. Im Schnitt betrug 2016 die Notstandhilfe 737 Euro pro Person, wobei Frauen 664 Euro und Männer 784 Euro erhielten.

Seit dem 1. Juli 2018 wird das Partnereinkommen in die Berechnung des Anspruches nicht mehr miteinbezogen. Davon profitieren vor allem Frauen mit niedrigem Einkommen.

Nach sechs Monaten wird die Notstandshilfe gedeckelt. Je nach vorherigem Arbeitslosengeldbezug wird eine Obergrenze eingezogen. Für 2018 gelten folgende Leitlinien: Höchstens 30,31 Euro/Tag erhält man bei einem Arbeitslosengeldbezug von 20 Wochen, 35,33 Euro/Tag bei 30 Wochen, bei 39 bzw. 52 Wochen Arbeitslosenunterstützung erfolgt keine Deckelung. Das betrifft vor allem ältere Menschen.

Im Jahr 2016 waren 77 Prozent der 167.075 BezieherInnen aus Österreich. Mehr als ein Drittel davon war 50 Jahre und älter, darunter doppelt so viele Männer als Frauen. Die größte Gruppe der Nicht-ÖsterreicherInnen stammt aus der Türkei, nämlich 7.400 Personen, gefolgt von SerbInnen mit 7.000 und 2.700 deutschstämmigen Bezugsberechtigten.

Was Arbeitslosengeld und Notstandshilfe gemeinsam haben

Der Antrag auf Arbeitslosengeld sowie auf Notstandshilfe erfolgt immer beim zuständigen Arbeitsmarktservice im Wohnbezirk. Beide Leistungen werden monatlich im Nachhinein ausbezahlt. Bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 438,05 Euro darf ohne Abschläge dazuverdient werden. Man ist in beiden Fällen krankenversichert, ohne Sozialbeiträge zahlen zu müssen. Angehörige ohne eigene Krankenversicherung sind mitversichert.

Je älter jemand ist, je länger berufstätig und je besser gebildet, desto höher sind die Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung. Männer sind statistisch gesehen durchwegs besser versorgt als Frauen. Man kann Arbeitslosengeld, respektive Notstandshilfe und gleichzeitig auch Mindestsicherung beziehen.

Inhalt

  1. Seite 1 - Arbeitslosengeld: strenge Regeln
  2. Seite 2 - Notstandshilfe: am Limit
  3. Seite 3 - Mindestsicherung: Von Land zu Land
  4. Auf einer Seite lesen >

Über den/die Autor*in

Zoran Sergievski

Zoran Sergievski, geboren 1988 in Hessen, freier Journalist und Lektor. Studierte Publizistik in Wien. Schreibt seit 2007 für diverse Websites, Zeitschriften und fürs Radio, am liebsten über Medien, Rechtsextreme und Soziales. Lebt mit Kleinfamilie in Wien.