Warum Österreichs Eishockeyspielerinnen streiken

Torfrau Selma Luggin bei einem Spiel 2024.
Torfrau Selma Luggin wurde zum Trainingslager nicht eingeladen, weil sie sich öffentlich gegen den Verband ausgesprochen hat. | © APA/EXPA/JOHANN GRODER
Erstmals zählt Österreich im Frauen-Eishockey zu den zehn besten Nationen der Welt – doch statt auf WM-Vorbereitung stehen die Zeichen auf Boykott. Die Spielerinnen fordern, was für ihre männlichen Kollegen selbstverständlich ist: fair bezahlt zu werden, wenn sie ihr Land vertreten.
Es sollte das Highlight ihrer Karriere sein, der Moment, auf den die Eishockeyspielerinnen des österreichischen Nationalteams ihr Leben lang hintrainiert haben. Erstmals sind sie in die oberste Liga aufgestiegen und zählen damit zu den zehn besten Nationen weltweit. Im November 2026 sollen sie zur Weltmeisterschaft nach Dänemark fahren. Und trotzdem startete das Trainingscamp am 17. August mit reduzierter Mannschaft. Der Grund: Elf Spielerinnen verweigerten die Teilnahme wegen schlechter Arbeitsbedingungen. Bereits im Mai waren die besten Nationalspielerinnen einem Trainingscamp geschlossen ferngeblieben. Sogar ein Boykott der WM steht im Raum.

Unzureichende Verpflegung

Seit mehreren Monaten verhandeln die Spielerinnen mit dem Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) über ihre Forderungen. Auf der Liste stehen unter anderem einheitliche Teamkleidung, mehr Unterstützung bei der Vermarktung der Turniere sowie bessere Verpflegung und Unterkünfte. Oft übernachten die Frauen in Mehrbettzimmern mit Stockbetten, teilweise gehen sie hungrig aufs Eis, sagen die Spielerinnen in einem Interview mit der Kronen Zeitung. Ihre Teamkleidung bestehe häufig aus Restbeständen der Männer.

Im Kern geht es den Spielerinnen aber um die Bezahlung: Männer erhalten für Nationalteam-Camps und Turniere ein Taggeld, Frauen bislang nicht. Viele der Frauen haben einen Hauptberuf, der ihnen den Sport erst ermöglicht, investieren Urlaubstage und Freizeit und tragen die Kosten ihrer sportlichen Karriere selbst, so die Daseinsgewerkschaft younion. Trainer und Mitarbeiter würden hingegen sehr wohl bezahlt. Sascha Tomanek von der Eishockeyspieler:innen-Gewerkschaft UNION innerhalb der younion kritisiert das: Männer wie der Geschäftsführer Helwig, der Generalmanager Kogler und der schwedische Headcoach Bröms erhalten viel Geld dafür, dass Frauen gratis Eishockey spielen.“ (Anm. d. Red.: Alexander Helwig, ÖEHV-Geschäftsführer; Martin Kogler, ÖEHV-Generalmanager Frauen- und Para-Eishockey; Alexander Bröms, Headcoach des Frauen-Nationalteams). Im Statement des Österreichischen Eishockeyverbands hieß es: „Der Österreichische Eishockeyverband nimmt die Anliegen der Spielerinnen sehr ernst und arbeitet seit Monaten mit Nachdruck an nachhaltigen Lösungen.“

Kein Einzelfall im Frauensport

Dass Frauen im Sport schlecht bezahlt werden, ist keine Seltenheit. Wie prekär die Lage im österreichischen Frauenfußball beispielsweise ist, zeigt eine repräsentative Erhebung der Sportgewerkschaft younion aus dem Jahr 2024. Für die Studie wurden 114 Fragebögen ausgewertet, beteiligt waren fast alle Vereine der Frauen-Fußballbundesliga. Das Ergebnis: Gerade einmal 26 Prozent der Spielerinnen haben – nach eigener Einschätzung – einen Profivertrag. Zum Vergleich: Bei den Männern sind Profiverträge oft schon in unteren Ligen üblich. „Die Schere ist sehr, sehr groß“, kommentierte younion-Sportgewerkschafter Thomas Pichlmann die Zahlen in einer Aussendung. Wie im Eishockey kann kaum eine Spielerin vom Sport leben: Nur jede elfte hat keine berufliche Nebentätigkeit. Statt am Sport zu verdienen, zahlen die meisten drauf – 59 Prozent investieren eigenes Geld in ihre Karriere, zwischen 250 und 750 Euro jährlich, etwa für Trainingscamps, Ausrüstung oder Unterkünfte.

Ruf nach dem Sportministerium

Im Fall der Eishockeyspieler:innen ist der Konflikt mittlerweile bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft angekommen und diese stellte sich in einer ausführlichen Stellungnahme klar hinter die Anliegen der Spielerinnen. Auch das veränderte bisher nichts. Sportgewerkschafter Pichlmann fordert angesichts der Entwicklung eine offizielle Prüfung: „Wir ersuchen das Sportministerium, die Vorgänge im ÖEHV und insbesondere den Umgang mit den Spielerinnen des Frauen-Nationalteams genau zu prüfen. Hier geht es längst nicht mehr nur um ein Taggeld. Es geht um Gleichbehandlung, Führungsverantwortung, den Schutz der Athletinnen und um die Frage, wie ein österreichischer Sportverband mit jenen Frauen umgeht, die für das Land historische Erfolge erreicht haben.“

Österreichs Spielerinnen üben scharfe Kritik am Eishockeyverband (ÖEHV). Sogar ein WM-Boykott steht im Raum.

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— KURIER (@kurier.at) 15. August 2026 um 13:12

Rückhalt aus der Topliga NHL

Unterstützung erhalten die Spielerinnen auch aus dem Männer-Eishockey. Der Österreicher Marco Rossi, seit Dezember 2025 bei den Vancouver Canucks in der nordamerikanischen NHL, der besten Liga der Welt. Er stellt klar: „Wer unser Land vertritt und alles für diesen Sport gibt, verdient Respekt, Wertschätzung und die bestmögliche Unterstützung – egal ob Frauen, Männer oder der Nachwuchs.. Gerade für die nächste Generation müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich das österreichische Eishockey in die richtige Richtung entwickelt“, so der NHL-Star.

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Über den/die Autor:in

Sandra Gloning

Sandra Gloning ist freie Online- und Print-Journalistin in Wien mit einem breiten Themenfeld rund um Frauen, Lifestyle und Minderheiten und dem Ziel, Geschichten aus dem echten Leben zu erzählen.

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