Arbeit&Wirtschaft: Was tun, wenn jemand aus der Belegschaft die Klimakrise leugnet?
Jonas Langen: Wichtig ist zuerst, ruhig zu bleiben und die Situation nicht zu überbewerten. Einzelne Stimmen wirken oft lauter, als sie tatsächlich sind, und daneben gibt es meist eine große schweigende Mehrheit. Statt sofort zu widersprechen, hilft es, nachzufragen: Stecken hinter einer Aussage klassische Klimamythen oder eher soziale Sorgen? Wer die Gründe kennt, kann besser darauf eingehen.
Ein praktischer Tipp, den auch die Forschung bestätigt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Betriebsrät:innen sollten die Vorteile einer Klimamaßnahme öfters wiederholen und dadurch verfestigen. Hilfreich ist es auch, diese an konkrete emotionale Betroffenheiten aus dem eigenen Umfeld zu knüpfen. Etwa wenn Kolleg:innen aus der Freiwilligen Feuerwehr erzählen, dass Waldbrände oder Hochwassereinsätze während der Dienstzeit zunehmen und ihnen Sorgen bereiten. Weniger sinnvoll sind lange Diskussionen, bei denen Personen Fakten verdrehen und kein echtes Gespräch mehr möglich ist.
A&W: Welche Rolle können Betriebsräte für ein sozialeres und klimafreundlicheres Wirtschaftssystem spielen?
Jonas Langen: Betriebsrät:innen haben eine Schlüsselfunktion: Sie stehen zwischen einer Geschäftsleitung, die wirtschaftlich agieren und zugleich dekarbonisieren muss, und einer Belegschaft, die von diesen Entscheidungen betroffen ist. Bei vielen Klimathemen haben Betriebsrät:innen ein Mitspracherecht. Das liegt daran, dass diese Themen häufig auch arbeitsrechtliche Fragen des Arbeitnehmer:innschutzes, der Weiterbildung, der Arbeitsbedingungen, von Investitionen oder des Datenschutzes betreffen.

In den vergangenen Jahren sind neue Werkzeuge der Mitbestimmung hinzugekommen. Dazu zählen etwa die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen oder staatliche Förderprogramme. Dort ist die Einbindung des Betriebsrats sogar aktiv vorgeschrieben.
A&W: Wo fängt man als Betriebsratsgremium an, wenn man sich mit dem Thema Klima auseinandersetzen will?
Jonas Langen: Zuerst könnte sich der Betriebsrat in einem VÖGB-Seminar weiterbilden und dann festlegen, wer das Thema intern koordiniert. Wichtig ist dann, mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen, um herauszufinden, wo es Probleme gibt. Wer einen Plan entwickeln möchte, kann mit einer Umfrage starten und Ideen aus der Belegschaft sammeln. Der Betriebsrat kann zudem mit gutem Beispiel vorangehen und Nachhaltigkeit regelmäßig zum Thema machen, etwa indem er auf nachhaltig produzierte Goodies setzt, Infomaterialien beim BR-Büro auslegt oder selbst alternative Pendelwege austestet.
Betriebsrät:innen haben eine Schlüsselfunktion: Sie stehen zwischen einer Geschäftsleitung, die wirtschaftlich agieren muss, und einer Belegschaft, die von diesen Entscheidungen betroffen ist.
Jonas Langen, ÖGB
Besonders bei Fragen rund um Mobilität lassen sich viele wichtige Maßnahmen umsetzen. Dabei geht es zum Beispiel um den Arbeitsweg, Dienstreisen, Firmenfahrzeuge oder Parkraumanagement. Für viele dieser Bereiche gibt es bereits Betriebsvereinbarungen, sodass Betriebsrät:innen mit den Themen vertraut sind. Gleichzeitig wollen Unternehmen Kosten senken und ihre Emissionen reduzieren. Hier können Betriebsrät:innen konkret Einfluss nehmen und auf die soziale Ausgestaltung achten.
A&W: Wie kann man als Betriebsrat Kolleg:innen unterstützen, die selbst etwas für die Umwelt tun wollen?
Jonas Langen: Wichtig ist, Strukturen zu schaffen, damit sich engagierte Beschäftigte einbringen können. Oft beschäftigen sich Kolleg:innen in verschiedenen Abteilungen mit ähnlichen Themen, ohne voneinander zu wissen. Manche Unternehmen gründen deshalb sogenannte Green Teams, die vom Betriebsrat begleitet werden. Dort entwickeln Beschäftigte gemeinsam Ideen für mehr Nachhaltigkeit. Hilfreich kann es sein, engagierten Kolleg:innen bei Betriebsversammlungen eine Bühne zu geben oder gute Vorschläge auszuzeichnen, wie wir es mit dem AK/ÖGB-Transformationspreis machen.
Entscheidend ist ein guter Informationsfluss. Beschäftigte wissen oft sehr genau, wo Energie verschwendet wird, Material verloren geht oder unnötige Kosten entstehen. Häufig fehlen jedoch Möglichkeiten und Anreize, diese Ideen weiterzugeben. Dabei können genau solche Vorschläge die Geschäftsführung überzeugen, aktiv zu werden.
Arbeit&Wirtschaft: Wie unterstützen AK und ÖGB Betriebsrät:innen bei diesen Anliegen?
Jonas Langen: Der VÖGB, der Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung, bietet Seminare an, in denen sich Betriebsrät:innen weiterbilden und sich mit anderen vernetzen können (siehe unten). Gewerkschaften und Arbeiterkammern beraten Betriebsrät:innen zudem bei arbeitsrechtlichen Fragen. Das betrifft etwa Themen wie Hitze am Arbeitsplatz, Dienstverhinderungen infolge von Extremwetterereignissen oder auch die Umsetzung klimafreundlicher Mobilitätslösungen.
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Darüber hinaus setzt sich der ÖGB als politische Interessenvertretung unter anderem dafür ein, Umweltförderungen an die Mitbestimmung zu knüpfen. Ziel ist, dass Betriebsrät:innen frühzeitig über soziale Auswirkungen im Betrieb informiert sind und mitreden können.
Die Broschüre der Arbeiterkammer Wien „Arbeiten im Klimawandel“ gibt Antworten auf die drängendsten Fragen rund um Klima: Arbeiten im Klimawandel | Arbeiterkammer Wien
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