Bei den sogenannten „Midterm-Elections“ – also Zwischenwahlen, die etwa zur Halbzeit der Präsidentschaft stattfinden – im November könnte ihm das zum Verhängnis werden. Sie gelten als wichtiger Gradmesser für die Zustimmung zum Präsidenten und der Arbeit der Bundesregierung. Die US-Bevölkerung wählt dabei die 435 Abgeordneten zum Repräsentantenhaus, ein Drittel der Sitze des Senats sowie Gouverneur:innen und Bürgermeister:innen in einzelnen Bundesstaaten. Derzeit haben die Republikaner eine knappe Mehrheit in beiden Kammern im US-Kongress.
Und die Vorbereitungen für die Wahlen Anfang November laufen schon auf Hochtouren. Umfragen zeigen jetzt schon, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus eine Mehrheit zurückgewinnen könnten. Damit könnten sie Gesetze blockieren oder Untersuchungen gegen die Regierung einleiten.
Trump und die Midterms
Dabei muss Trump dringend, gewerkschaftsnahe Wähler:innen ansprechen. Deren Zahl ist zwar gesunken: Während in den frühen 1980er-Jahren etwa 20 Prozent der Arbeitskräfte in den USA gewerkschaftlich organisiert waren, sind es heute nur noch 10 Prozent. Laut demokratischen Politikberater:innen könnten sie in zehn Bundesstaaten dennoch den entscheidenden Unterschied ausmachen. Laut einer Recherche der „Washington Post“ ist eine große Mehrheit von ihnen unzufrieden mit der Politik Donald Trumps, aber auch enttäuscht von den Demokraten. Sie nennen Lebensmittel- und Benzinpreise, den Iran-Krieg und opportunistische Berufspolitiker:innen als Grund.
„Es herrscht eine tiefe Frustration darüber, wie sich die wirtschaftliche Lage derzeit entwickelt. Alle fühlen sich von der Inflation unter Druck gesetzt“, sagt Steve Smith von der American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO) gegenüber Arbeit&Wirtschaft. Frustration gebe es aber auch über die rigide Einwanderungspolitik, die mit Trumps zweiter Amtszeit eingeführt wurde, oder nicht eingehaltene Versprechen, wie etwa die Rückverlagerung von industrieller Produktion in die USA.
Wie Gewerkschaften mobilisieren
Als mitgliederstärkster Gewerkschafts-Dachverband hat die AFL-CIO 15 Millionen Mitglieder, die man schon jetzt auf die kommende Wahl einstimmen will. „Wir gehen von Haustür zu Haustür, besuchen die Menschen an ihren Arbeitsplätzen und schalten viel digitale Werbung. Wir führen Gespräche darüber, wie wichtig es ist, im November zur Wahl zu gehen und welchen Unterschied das für die Allgemeinheit machen könnte“, so Smith.
Im Swing State Wisconsin, also einem Bundesstaat, in dem weder Republikaner noch Demokraten eine verlässliche Mehrheit haben, arbeitet die Präsidentin der Wisconsin AFL-CIO, Stephanie Bloomingdale, schon intensiv an den Kampagnen. „Die Gewerkschaftsbewegung ist natürlich kein einheitlicher Wähler:innenblock. Aber wir haben eine besondere Möglichkeit, miteinander über politische Maßnahmen und Entscheidungen zu sprechen und darüber, wie diese unser Leben unmittelbar beeinflussen“, so Bloomingdale im Interview mit Arbeit&Wirtschaft. Ihnen ginge es auch darum, den durch den republikanischen Gouverneur Scott Walker „verursachten Schaden rückgängig zu machen“. Im Jahr 2011 hat Walker den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes das Recht auf Kollektivverhandlungen entzogen. Die Entscheidung wurde 2024 aufgehoben. Trotzdem, so Bloomingdale, würde es dauern, bis gute Arbeitsbedingungen wiederhergestellt werden können.
„Geben uns große Mühe, das Wahlergebnis zu schützen“
Gleichzeitig beschäftigt die Gewerkschaften der Ablauf der Wahl. „Wir geben uns große Mühe, die Wahl selbst und das Wahlergebnis zu schützen. Es muss sichergestellt werden, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, bei dieser Wahl ihre Stimme abzugeben und gehört zu werden“, so Smith. Die Trump-Regierung würde versuchen, mit strengeren Maßnahmen Menschen vom Wählen abzuhalten oder die Stimmabgabe zu erschweren. So fordern sie etwa den Nachweis der Identität und Staatsbürgerschaft. Kritiker:innen meinen, viele Amerikaner:innen hätten diese Dokumente gar nicht.
Die Sorgen speisen sich nicht zuletzt aus den Ereignissen rund um die Präsidentschaftswahl 2020. Nach seiner Wahlniederlage 2020 sprach Trump von „Wahlbetrug“ und rief zum Sturm aufs Kapitol in Washington auf. Am 6. Jänner kam es schließlich zum Aufstand, der sogar Todesopfer forderte. Bis heute spricht der US-Präsident von einer „Manipulation“ in Bezug auf seine Wahlschlappe. Trump hat nun auch eine dritte Amtszeit angekündigt, obwohl das verfassungswidrig wäre.
Wirtschaftskrise, Budgetlöcher und erst ein Jahr Trump – sagen wir so: Die Stimmung war schon mal besser.
Dabei sehnen sich Bürger:innen nach Hoffnung, sagt der Politikberater Thomas Hofer im Interview mit @misik.bsky.social. 👇
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 10. Februar 2026 um 17:00
Gewerkschaften als Zünglein an der Waage?
Letztlich wird es bei den Midterm-Wahlen nicht nur auf die Gewerkschafter:innen ankommen. Trotzdem gibt es einen stärkeren Trend, diese Wählergruppe wieder anzusprechen, meint Edward Knudsen von der Universität Oxford. „Gewerkschaften und Industriearbeiter:innen haben auch eine starke kulturelle Symbolkraft. Und angesichts der sehr knappen Ergebnisse bei heutigen Wahlen könnten sie tatsächlich einen wichtigen Unterschied machen.“ Einerseits stehe dieser Wähler:innenblock für die Arbeiter und soziale Rechte – und damit traditionell für die Demokraten. Andererseits spreche das Bild des männlichen Industrie- und Fabrikarbeiters auch traditionell-konservative und damit eher republikanische Wähler an.
Wahlsiege in einzelnen Bundesstaaten wären dabei keinesfalls nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für Arbeitnehmer:innen in den Gemeinden könnten sie einiges verändern. Und vielleicht auch die Richtung für die Präsidentschaftswahl in zwei Jahren angeben.