Kommentar: Vermögensteuer jenseits der Parolen

Ein Mann trägt eine Rolex. Symbolbild für Vermögensteuer.
Ran an die Rolex? Das Thema Vermögensteuer polarisiert. | © Adobestock/MDBPIXS
Vermögensteuern spalten die Gemüter: Die einen sprechen von „Gerechtigkeit“, die anderen vom „Standortdesaster“. Ökonomin Franziska Disslbacher hat Antworten aus der Forschung – und sieht langfristig eine grundlegendere Frage in Sachen Ungleichheit.
Schlagworte und Phrasen wie „Gerechtigkeit“, „Desaster für den Standort“ oder „Kapitalflucht“ prägen die mediale Debatte über die Besteuerung von Vermögen in Österreich. Das Thema polarisiert, eine Seite ist dafür, die andere dagegen. Aus der Perspektive der Forschung machen es sich beide Seiten zu einfach.

Darauf verweist die wachsende Zahl empirischer Studien zur Wirkung von Vermögensteuern. Im Kern geht es um eine einfache Frage: Was passiert mit dem Vermögensbestand – also mit Kapital und damit potenziell auch mit Investitionen und Arbeitsplätzen – wenn er höher besteuert wird? Untersucht wird dies etwa anhand der Erfahrungen in Norwegen, Spanien, der Schweiz oder Kolumbien, wo es eine Vermögensteuer gibt. Die Ergebnisse sind im Detail alles andere als eindeutig.

Eines lässt sich allerdings festhalten. Empirische Evidenz für das häufig beschworene „Desaster für den Standort“ infolge einer Vermögensbesteuerung liegt bislang nicht vor. Oder wie ein führender Forscher, Marius Ring, auf diesem Gebiet kürzlich auf einer Fachtagung an der Yale University den Forschungsstand pointiert zusammenfasste: „Die negativen Effekte auf die Wirtschaft haben wir bislang noch nicht gefunden. Aber ich suche weiter.“

Grenzen des Reichtums

Deutlich zeigt die Forschung hingegen, wie stark die Wirkungen von der konkreten Ausgestaltung der Steuer abhängen. Ein System mit Ausnahmen für einzelne Vermögensarten, Sonderregeln oder großen Unterschieden zwischen Regionen untergräbt sich selbst. Genau das zeigen Beispiele aus der Schweiz oder Spanien. Wenn Steuersätze innerhalb eines Landes stark variieren, wird Vermögen schlicht dorthin verlagert, wo die Belastung geringer ist. Solche Anpassungen spiegeln aber keine realen wirtschaftlichen Veränderungen wider, etwa bei Arbeitsplätzen oder Investitionen, sondern vor allem – durchaus legale – steuerliche Ausweichreaktionen. Werden einzelne Vermögensarten, etwa Betriebsvermögen oder Immobilien, ausgenommen, kommt es zu steuerlich motivierten Umschichtungen in genau diese Vermögensarten statt zu einer effizienten Verwendung von Vermögen.

Und nun zur Gerechtigkeit. Würde eine Vermögensteuer in der derzeit oft diskutierten Form – mit hohen Freibeträgen von über einer Million Euro und niedrigen Steuersätzen von ein oder zwei Prozent – die Vermögensungleichheit tatsächlich verändern? Gar nicht bis kaum. Sehr große Vermögen wachsen schneller als große.

#Reichtum geht in unserer Gesellschaft mit Einfluss einher. Die #AK begleitet das Thema seit ihrer Gründung. In Ö liegen 40% d. Vermögens in der Hand weniger. Unsere Aufgabe ist es, die soziale Gerechtigkeit einzumahnen, leitet #AK Direktorin Silvia Hruška-Frank die Veranstaltung mit Julia Cagé ein.

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— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 10. März 2026 um 17:18

Doch wie viel Vermögen ist zu viel? In der Forschung, die sich zunehmend mit den Folgen hoher Vermögenskonzentration für Demokratie, Wettbewerb und soziale und wirtschaftliche Beziehungen beschäftigt, rückt daher diese grundlegendere Frage in den Mittelpunkt.

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Über den/die Autor:in

Franziska Disslbacher

ist Ökonomin und forscht an der Wirtschaftsuniversität Wien.

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