Montage: Schon nach zehn Stunden am Limit

Illustration 12-Stunden-Tag mit Uhr
Ein längerer Arbeitstag hat Auswirkungen auf Sozialleben und Gesundheit. Horst Bracher erzählt im Gespräch, wieso es für ihn unmöglich wäre, langfristig 12-Stunden-Schichten zu arbeiten.
Horst Bracher arbeitet seit 20 Jahren für die Firma Opel in der Motormontage. „Seit zehn Jahren bin ich Teamsprecher. Meine Aufgaben: An der Linie mithelfen, Anwesenheit kontrollieren und schauen, dass das Material da ist.“ Einen 12-Stunden-Tag gibt es bei Opel nicht. Laut Bracher wäre er in der Motormontage nicht machbar: „Bei der Montage schraubt man viele Teile an, kontrolliert Prozesse. Wenn man zwölf Stunden durchgehend arbeitet, leiden Konzentration und Sicherheit.“

Langer Arbeitsweg

Hinzu kommt, dass er für den Weg zur Arbeit und wieder nach Hause insgesamt drei Stunden benötigt. „Ich war jetzt 2,5 Wochen erst im Spät- und dann im Frühdienst immer zwei Stunden länger. Im Frühdienst beginnt mein Tag um 2 Uhr 45. Nach zehn Stunden Arbeit komme ich dann gegen 15 Uhr 30 heim. Danach bin ich erledigt, da ist mein Tag vorbei.“

Im Frühdienst beginnt mein Tag um 2 Uhr 45. Nach zehn Stunden Arbeit komme ich dann gegen 15 Uhr 30 heim. Danach bin ich erledigt, da ist mein Tag vorbei. 

Horst Bracher, Monteur

Mehr Zeit für die Kinder

Bracher ist froh, dass der 12-Stunden-Tag von der Firma nicht vorgesehen ist. „Ich will für meine Kinder da sein. Die brauchen ihren Papa ja, auch wenn sie schon groß sind.“ Im Fußballverein könnte er sich auch nicht mehr so engagieren, wenn er 12-Stunden in der Montage stehen würde: „Gerade dort kann ich den Stress rauslaufen und mit Freunden reden.“ Mit seinen knapp 50 Jahren spüre er die Auswirkungen längerer Arbeitstage. „Das Immunsystem lässt nach, oft ist man verschnupft oder müde.“ Ein genereller 12-Stunden-Tag und eine 60-Stunden-Woche wären für ihn problematisch: „Ich würde es probieren, aber irgendwann würde mich das kaputtmachen. Ich werde nicht jünger.“

Über den/die AutorIn

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp ist freie Journalistin für verschiedene Radio und Printmedien, und hat die Themen Arbeitsmarkt, Soziales und Gesellschaftspolitik als Schwerpunkte. Udo Seelhofer war früher Lehrer und arbeitet seit 2012 als freier Journalist. Seine Schwerpunkte sind Gesellschaft, soziale Themen und Religion. Im Team wurden sie beim Journalismuspreis „Von unten“ 2017 für ihre Arbeit&Wirtschaft Reportage „Im Schatten der Armut“ ausgezeichnet.