Organisiert die Kindergärten neu!

Inhalt

  1. Seite 1 - Von der Betreuungs- zu Bildungseinrichtung
  2. Seite 2 - Warum Berufseinsteiger:innen fehlen und es einheitliche Standards braucht
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Die Probleme in der Elementarpädagogik sind seit vielen Jahren nicht nur bekannt, sie spitzen sich auch immer mehr zu. Zeit, einen umfassenden Strukturwandel anzudenken. Ein Plädoyer von Alexia Weiss.

Anders als in anderen europäischen Ländern ist die Ausbildung zur oder zum Elementarpädagog:in in Österreich derzeit nicht unversitär. Oft wird argumentiert, dass dies die Personalkosten nur zusätzlich erhöhen würde. Derzeit entscheiden sich Jugendliche im Alter von 14 Jahren, diesen Beruf zu ergreifen und besuchen dann eine berufsbildende höhere Schule, die Bildungsanstalt für Elementarpädagogik, die nach fünf Jahren mit der Matura abschließt.

Die Berufseinsteiger:innen: fehlen

In vielen Klassen geht derzeit aber nur knapp die Hälfte der Absolvent:innen in den Beruf. Vielen wird schon während der Ausbildung klar, dass die derzeitigen Arbeitsbedingungen – zu viele Kinder zu betreuen, damit einerseits eine große Verantwortung zu haben, andererseits zu wenige Zeit für das einzelne Kind zu haben und damit dem Anspruch, tatsächlich pädagogisch tätig zu sein, nicht gerecht werden zu können – aus ihrer Sicht nicht passen. Sie steigen damit erst gar nicht in den Beruf ein.

Der Staat bildet hier also um viel Geld Arbeitskräfte aus, die sich schließlich für eine andere Laufbahn entscheiden. Für eine Ausbildung auf universitärer Ebene spricht einerseits, dass dann wohl auch ein höherer Prozentsatz der Absolvent:innen tatsächlich in den Beruf gehen würde. Aber auch inhaltlich gäbe es hier viele Vorteile: Gerade was zum Beispiel die Förderung der Sprachentwicklung angeht, wäre eine noch profundere Ausbildung wünschenswert.

Was die Organisation von Kindergärten betrifft, wäre wiederum eine Eingliederung ins Schulwesen überlegenswert, wobei im Gegensatz zu derzeit dann eben die überwiegende Mehrzahl der Standorte von der öffentlichen Hand betrieben werden sollte. Wie im Pflichtschulbereich wären dann vorrangig die Gemeinden beziehungsweise Länder für die Erhaltung der Kindergärten sowie die Personalkosten zuständig (für letztere könnten sie, wie dies auch für Schulen der Fall ist, wiederum Mittel vom Bund erhalten). Bei privaten Betreiber:innen könnten nach entsprechender vorheriger Prüfung und Genehmigung die Regelungen angewandt werden, die für Schulen mit Öffentlichkeitsrecht greifen.

Einheitliche Standards: braucht es

Schluss müsste dann auch mit dem derzeitigen Fleckerlteppich sein, wenn es um die Rahmenbedingungen der Arbeit von und in Kindergärten geht. Das betrifft sowohl die Öffnungszeiten als auch den Betreuungsschlüssel, das betrifft aber auch die Bezahlung oder die Frage, ob und wieviel Vorbereitungszeit einer Pädagog:in finanziell abgegolten wird. Hier braucht es endlich bundeseinheitliche Regelungen.

Denn: Wer wirklich Kinderbildungseinrichtungen statt nur Betreuungsstätten möchte, muss auch für Standards garantieren – und das können viele Träger:innen derzeit auf Grund der finanziell massiv angespannten Lage nicht. Ein besserer Betreuungsschlüssel ist dabei das Um und Auf. Aber auch die Möglichkeit, jeden Tag mit den Kindern Zeit im Freien verbringen zu können, gehört dazu. Wenn man heute mit Pädagog:innen spricht, erfährt man, dass sie, wenn sie mit 25 Kindern alleine in der Gruppe sind, weil wieder einmal an allen Ecken und Enden Personal fehlt, es einfach nicht schaffen, in den nächst gelegenen Park zu gehen. Sie könnten ihrer Aufsichtspflicht dabei nicht nachkommen. Und auch in der Gruppe ist dann Notbetrieb, das wichtigste ist, dass alle zu essen haben, sich niemand verletzt, es keine größeren Konflikte zwischen den Kindern gibt. So stellt man sich einen Tag in einer Kinderbildungseinrichtung nicht vor.

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Über den/die Autor*in

Alexia Weiss

Alexia Weiss, geboren 1971 in Wien, Journalistin und Autorin. Germanistikstudium und Journalismusausbildung an der Universität Wien. Seit 1993 journalistisch tätig, u.a. als Redakteurin der Austria Presse Agentur. Ab 2007 freie Journalistin. Aktuell schreibt sie für das jüdische Magazin WINA, für gewerkschaftliche Medien wie die KOMPETENZ der GPA-djp und sie bloggt wöchentlich zum Thema „Jüdisch leben“ auf der Wiener Zeitung. 2021 erschien ihr bisher letztes Buch "Jude ist kein Schimpfwort" (Verlag Kremayr & Scheriau).

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