Mit Gewerkschaftspower: Demokrat:innen gewinnen bei US-Midterm-Wahlen

Eine Unterstützerin der Demokrat:innen bei einer Wahlfeier in Kansas: In dem US-Bundesstaat wurde bei den Midterms seit 1932 erstmals ein demokratischer Kandidat in den Senat gewählt.
Eine Unterstützerin der Demokrat:innen bei einer Wahlfeier in Kansas: In dem US-Bundesstaat wurde bei den Midterms seit 1932 erstmals ein demokratischer Kandidat in den Senat gewählt. | © AP Photo/Charlie Riedel
Die Demokrat:innen holen sich bei den Midterms die Mehrheit in beiden Kongresskammern. Zentrales Wahlmotiv waren die hohen Lebenshaltungskosten.
TV-Moderator:innen im ganzen Land und verschiedener politischer Couleurs staunten über die ersten Hochrechnungen: Historische Ergebnisse und einen überraschend klaren Sieg der Demokrat:innen brachten die Midterm-Wahlen in den USA.

Selbst traditionell republikanische Bundesstaaten waren hart umkämpft. Die prognostizierte „blaue Welle“ – also ein Siegeszug der Demokrat:innen – ist nun tatsächlich eingetreten. Die Wahlbeteiligung war hoch. Diese Wahl war den US-Amerikaner:innen wichtig. Laut der Forschungsgruppe OpenSecrets waren die Kampagnenausgaben für diese Midterms mit fast 12 Milliarden US-Dollar die höchsten überhaupt.

Gewählt wurden die 435 Abgeordneten zum Repräsentant:innenhaus, ein Drittel der Sitze des Senats sowie Gouverneur:innen und Bürgermeister:innen in einzelnen Bundesstaaten. Die Republikanische Partei hatte zuvor eine Mehrheit in beiden Kammern. Damit konnte sie in den vergangenen zwei Jahren leichter Gesetze durchbringen und somit die Regierung von Präsident Donald Trump stützen.

Die Demokrat:innen holten sich jetzt die Mehrheit in Senat und Repräsentant:innenhaus. Im tiefroten Staat Kansas wurde mit Adam Hamilton erstmals seit 1932 ein Demokrat in den Senat gewählt. Nach 32 Jahren gewinnt die Demokratische Partei auch überraschend in Texas.

Bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren waren solche Ergebnisse noch undenkbar. Wie konnte diese Niederlage für die Republikaner:innen dann so klar ausfallen?

US-Bürger:innen wollen sich Leben leisten können

Die Lebenshaltungskosten waren eines der entscheidenden Themen bei diesen US-Zwischenwahlen. Hohe Mieten, teure Lebensmittel und steigende Energiepreise, vor allem getrieben durch den Krieg im Iran, belasten viele US-Amerikaner:innen. Im Großraum New York stiegen etwa die Verbraucherpreise innerhalb eines Jahres um 4,5 Prozent, die Mieten um vier Prozent. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage unmittelbar vor der Wahl nannten 50 Prozent der registrierten Wähler:innen die Lebenshaltungskosten als wichtigstes Thema für ihre Wahlentscheidung.

Viele Amerikaner:innen tun sich immer schwerer damit, sich ihr Leben leisten zu können, und haben auch nicht das Gefühl, dass die Regierung etwas dagegen unternimmt.

Die Menschen wünschen sich einen grundlegenden Wandel.

Steve Smith, US-Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO

Auch Korruption und die Macht von Superreichen sind Faktoren: „Die Menschen wünschen sich einen grundlegenden Wandel und wollen nicht mehr, dass Milliardär:innen alleine über die Wirtschaft walten“, sagt Steve Smith, stellvertretender Direktor für Öffentlichkeitsarbeit im US-amerikanischen Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO, im Interview mit Arbeit&Wirtschaft. Zuvor hatte es auch immer wieder Berichte von Deals zur Selbstbereicherung der Familie des US-Präsidenten Donald Trump gegeben.

Viele Kandidat:innen mit Gewerkschaftshintergrund

Der Erfolg der Demokrat:innen könnte aber noch einen anderen Grund haben, meint Smith. Auch zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder stellten sich bei den Midterms zur Wahl. „Sie bringen Glaubwürdigkeit und Erfahrung mit, die andere Kandidat:innen nicht haben. Und das Vertrauen ihnen gegenüber zeigt sich auch im Wahlergebnis“, so Smith. Viele Politiker:innen hätten die Probleme der Arbeitnehmer:innen nicht richtig verstanden.

Die Demokratische Partei hätte sich dafür „konsequent auf ihre Botschaft konzentriert“ und wäre stets auf die Themen Leistbarkeit und Gesundheitsversorgung zurückgekommen, meint Smith. „Das haben wir in den vergangenen Monaten auch an den Haustüren gehört. Wir glauben, diese Botschaft hat bei den Menschen wirklich Anklang gefunden“, sagt er.

Damit meint er auch Kandidat:innen wie Abdul El-Sayed aus Michigan, der sich in den sozialen Medien, bei seinen Reden und im Fernsehen immer wieder auf die Kernbotschaft konzentriert hätte. Ähnlich wie El-Sayed positionierte sich Brian Poindexter, Gewerkschaftsmitglied im Stahlbau und demokratischer Kandidat bzw. nun auch Vertreter im Repräsentant:innenhaus aus Ohio.

Smith überrascht das Wahlergebnis in Ohio und anderen traditionell eher republikanischen Staaten wie Iowa oder Florida zu Gunsten der Demokrat:innen nicht. „Viele Wähler:innen aus der Arbeiterklasse haben Trump und die Republikaner:innen abgeschrieben, weil sie nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen können“, so Smith.

Niederlage für Trump und sein Lager

Währenddessen gab es bei den Republikaner:innen keine wirkliche Antwort darauf. Obwohl US-Präsident Trump nicht zur Wahl stand, rief er im Vorfeld dazu auf, „so zu tun“, als wäre sein Name auf dem Stimmzettel. Viele der republikanischen Kandidat:innen hatte Trump selbst ausgewählt. In einem Interview mit der „New York Times“ sagte der US-Präsident bereits, dass er das Wahlergebnis akzeptieren würde. Keine Selbstverständlichkeit, hatte er doch in den Monaten vor den Wahlen versucht, deren Integrität anzuzweifeln.

Und doch: Trump bereue nichts aus seiner zweiten Amtszeit. „Ich halte sie für die erfolgreichste zweijährige Amtszeit in der Geschichte eines Präsidenten“, sagte er, so die NYT. 2028 finden die Präsidentschaftswahlen statt, zu denen Trump nicht mehr antreten darf. In beiden Lagern werden sich in der kommenden Zeit Anwärter:innen auf eine Parteikandidatur in Stellung bringen. Die Demokrat:innen haben dabei jetzt Rückenwind.

Breaking News: Democrats have clinched the House, giving them full control of Congress and a powerful platform to counter President Trump. nyti.ms/4zqGuBr

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— The New York Times (@nytimes.com) 4. November 2026 um 07:41

Im Repräsentant:innenhaus können Republikaner:innen nun Gesetze nicht mehr alleine durchbringen. Außerdem können Demokrat:innen jetzt auch Untersuchungsausschüsse einleiten. Die Selbstbereicherung der Trump-Familie, die Epstein-Files und Ausgaben für den Krieg im Iran dürften ganz oben auf der Liste stehen. Ein Verfahren zur Amtsenthebung von Trump wird auch nicht ausgeschlossen.

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Über den/die Autor:in

Dennis Miskić

Dennis Miskić ist freier Journalist aus Wien. Er schreibt vor allem über Politik, Rechtsextremismus und Zivilgesellschaft in (Süd-)Osteuropa.

Foto: © Zoe Opratko

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