Für europäische Verhältnisse klingt das nach einem Gehalt, über das man sich nicht beklagen würde. Der Abschluss spiegelt aber ein Problem wider, das auch in Österreich bestens bekannt ist: Frauen verdienen im Sport sehr viel weniger als Männer. Begründet wird das oft damit, dass Männerwettbewerbe mehr Publikum anziehen und für Werbekunden attraktiver sind. An der Ungleichheit ändert das nichts.
Hinter dem Abschluss der Basketballerinnen steckt eine ungewöhnliche Allianz: Die Gewerkschaft der Spielerinnen, die „Women’s National Basketball Player’s Association“, holte sich Claudia Goldin als Beraterin. Die Harvard-Ökonomin hat 2023 als erste Frau allein den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen – für ihre jahrzehntelange Forschung zu den Ursachen des Gender Pay Gaps. Goldin stellte für die Vertragsverhandlungen eine Bedingung: Sie wollte für ihre Arbeit keine Bezahlung.
Nüchterne Zahlen
An das Problem ging sie analytisch heran. Sie untersuchte zunächst, wie lange WNBA-Spielerinnen im Schnitt in der Liga aktiv sind. Das Ergebnis: zwei bis drei Jahre. Das war verhandlungsrelevant, denn Unterstützungsleistungen, die erst nach drei Jahren greifen, hätten die Mehrheit der Spielerinnen nie erreicht. Darüber hinaus analysierte Goldin den Anteil der Ligaeinnahmen, der tatsächlich an die Spielerinnen floss, und hielt diesen Wert als zentralen Maßstab für alle weiteren Verhandlungsschritte fest. Dieser Anteil war viel kleiner als bei den Männern. Immer wenn die Gespräche zu eskalieren drohten, verwies Goldin nüchtern auf die Zahlen, es sei „nur Mathematik“.

Was die Mathematik in Sachen Ungleichheit ergibt, ist erschütternd: Der durchschnittliche männliche NBA-Spieler verdient rund 12 Millionen US-Dollar pro Jahr. Selbst nach dem neuen Deal liegt das Verhältnis der Gehälter von Frauen und Männern also bei etwa 1:20. Das ist weder eine Besonderheit im Basketball noch der USA. Forschung der Wirtschaftsuniversität Wien von 2022 zeigte, dass männliche Fußballspieler international gesehen, je nach Liga, 50- bis 200-mal mehr verdienen als Fußballspielerinnen in demselben Land. Die Tendenz dabei ist: je höher die Liga, desto größer die Schere.
Situation in Österreich
Hierzulande ist die Situation ähnlich. Eine repräsentative Studie der Sportgewerkschaft younion aus 2024, die 114 Fragebögen aus fast allen Clubs der österreichischen Frauen-Fußballbundesliga auswertete, kommt zu ernüchternden Ergebnissen: Nur 26 Prozent der Fußballerinnen verfügen laut eigener Definition über einen Profivertrag. younion-Sportgewerkschafter Thomas Pichlmann bringt es in einer Aussendung auf den Punkt: „Die Schere ist sehr, sehr groß.“
Männer haben bereits in unteren Ligen häufig Profiverträge. Nur jede elfte Spielerin gibt an, keine Nebentätigkeit auszuüben. Die meisten studieren (66 Prozent), jede Fünfte arbeitet zusätzlich in der Privatwirtschaft. Und die Mehrheit der Spielerinnen (59 Prozent) steckt sogar eigenes Geld in den Sport. Sie geben dabei 250 bis 750 Euro pro Jahr etwa für Trainingscamps, Ausrüstung oder Unterkünfte aus.
Ein weiteres Problem, hierzulande wie anderenorts, ist die extrem kurze Vertragsdauer. 44 Prozent der Verträge laufen nur über ein Jahr, nur drei Prozent der Spielerinnen haben einen Vertrag für drei Jahre oder länger. Auch das ist bei Männern anders. Die younion-Sportgewerkschaft verstärkte zuletzt ihr Team im Bereich Frauenfußball mit der ehemaligen Nationalspielerin Nadine Prohaska, die selbst miterlebt hat, wie der Betrieb läuft: Fußball neben dem Job, nicht Fußball als Job.
Veränderung möglich
Der Schritt der US-Basketballerinnen zeigt, dass sich diese Situationen verändern lassen. Die durchschnittlichen WNBA-Gehälter sollen nun bis 2032 auf über eine Million US-Dollar steigen, die Spitzengehälter auf über 2,4 Millionen. So steht es im neuen Vertrag.
Harvard economist Claudia Goldin helped WNBA players win a nearly 400% pay raise. [image or embed]
— The Wall Street Journal (@wsj.com) 29. März 2026 um 23:57
Besonders bemerkenswert ist dabei ein Detail am Rande: Das neue Mindestgehalt im WNBA-Deal liegt jetzt höher als das bisherige Maximalgehalt. Das ist ein besonders wichtiges Signal an die Spielerinnen, die nach zwei oder drei Jahren nicht mehr in der WNBA aktiv sein können. Genau diese Gruppe hat Ökonomin Goldin mit ihrer Analyse in den Fokus gerückt. Dass es Gewerkschaften und eine Nobelpreisträgerin brauchte, um das durchzusetzen, sagt alles über die bestehenden Hürden im Frauensport weltweit.