Krisentagebuch 054: Das Homeoffice und die Psyche

Seit Ausbruch der Krise ist ein Jahr vergangen. Betriebsrätin Eva Baldrian-Wagner richtet in ihrer neuen Folge des Krisentagebuchs den Fokus auf die psychosozialen Auswirkungen der Krise im Betrieb – vor allem im Bereich Homeoffice.
Es sind vier Grundzutaten, die eine geeignete Führungskraft aufbringen muss, um das Gelingen beider Seiten im Bereich Homeoffice zu gewährleisten, und um Menschen gesund und menschengerecht durch diese Krise bringen zu können. Diese Grundzutaten lauten Wertschätzung, Vertrauen, Information und Kommunikation. Es ist eigentlich ganz einfach, doch tatsächlich ist es so, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oftmals einer Führungskraft ausgesetzt sind, die im Bereich Kontrolle, Vertrauensverlust, aber auch im Bereich der realistischen Einschätzung, was denn tatsächlich an Zeit nötig ist für die Bewältigung der Aufgaben, nicht das nötige Gespür oder den Willen aufbringt.

Wir dürfen die psychosoziale Dimension der Krise nicht außer Augen lassen, nicht in unserem Privatbereich aber auch nicht in unserem Bereich der Beschäftigung in den Betrieben. Denn die Auswirkungen der psychosozialen Krise, die treffen uns alle.

Eva Baldrian-Wagner, Betriebsrätin

Tatsächlich ist es auch so, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 300 Prozent ihrer Arbeitsleistung bringen, nur um zu rechtfertigen, dass sie geeignet sind fürs Homeoffice. Der Mensch ist nicht geeignet dafür, ständig im Sprint zu sein. Wir können vielleicht akut in temporären Phasen viel viel mehr bringen als wir normalerweise bringen an Leistung, aber wir können nicht ein Jahr, zwei Jahre, ewig in diesem Zustand verbringen, dass wir immer und immer wieder neu uns selbst ausbeuten, teilweise von außen gesteuert, teilweise von einem inneren ängstlichen Antrieb heraus.

Über den/die Autor*in

A&W Online

A&W Online

Die Arbeit&Wirtschaft Online-Redaktion administriert die Website.