Krisentagebuch 048: Ausgequetscht wie Zitronen

„Wenn es dir nicht passt, dann geh doch, wir finden wen …“ Stopp! Die Corona-Krise darf kein Freifahrtschein werden, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter*innen ausbeuten oder unter fadenscheinigen Ausreden kündigen, warnt Betriebsrätin Eva im heutigen Krisentagebuch. Worauf es ankommt: sich zu organisieren – denn Gemeinschaft macht stark.
Die Krise verlangt uns allen nicht nur viel ab ­– sie wird auch oft ausgenützt. Und zwar von Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter*innen ausquetschen wollen wie Zitronen. Die Argumentation lautet dann gerne: „Der Markt gibt es ja gerade her. Wenn es dir nicht passt, dann geh doch, es warten genug andere auf diesen Job.“

Die Krise darf kein Grund sein, Menschen auszubeuten. Oder seine Mitarbeiter*innen gegeneinander auszuspielen. Leider verwenden unfähige Führungskräfte sehr, sehr oft das Argument: „Wenn du das nicht tust, dann bist du nicht teamfähig.“ Gerade dieses viel strapazierte „teamfähig“ heißt wohl eher „dienfähig“. Sprich: Wie lange opfere ich meine Ressourcen, meine Nerven und meine Gesundheit für ein solches System?

Gerade dieses viel strapazierte „teamfähig“ heißt wohl eher „dienfähig“. Sprich: Wie lange opfere ich meine Ressourcen, meine Nerven und meine Gesundheit für ein solches System?

Eva, Betriebsrätin

Genau deshalb ist es so wichtig, sich zu organisieren, und dass man die Stimme erhebt gegen ein System der Ausbeutung – gerade in der Krise. In der Gemeinschaft sind wir stark. Vor allem Frauen. Sehr oft höre ich: „Ich habe mich das nicht sagen getraut, ich muss eh froh sein, dass ich den Job hab.“ Ein solches Ungleichgewicht darf nicht sein. Dafür gibt es die Arbeiterkammer, Gewerkschaften, Betriebsratsgremien. In den Betrieben soll spürbar sein, dass sich Mitarbeiter*innen eben nicht alles gefallen lassen. Denn in keinem Vertrag steht: „Du musst dich ausbeuten lassen.“