Krisentagebuch 035: Alles Gute, liebe Mütter?

Mehrfachbelastungen, ungeklärte Kinderbetreuung, kein Rechtsanspruch auf bezahlte Sonderbetreuungszeit: Der Muttertag machte Autorin Veronika Bohrn Mena vor allem wütend.
Die Mehrfachbelastungen, die jetzt während der Corona-Krise Frauen und Müttern zugemutet werden, sind skandalös und wären überhaupt nicht notwendig. Was die letzten Wochen passiert ist: Schulen waren de facto geschlossen, Kindergärten waren de facto geschlossen. Die Ersatzbetreuung hat in vielen Fällen nicht besonders bzw. auch gar nicht funktioniert.

Wie soll das weitergehen? Die letzten sieben Wochen waren für die meisten Frauen und insbesondere Mütter schon irre, irre anstrengend. Arbeit von bis zu 18 Stunden am Tag. Keine Minute der Ruhe für sich selbst. Rund um die Uhr funktionieren müssen. Von fünf Uhr morgens bis elf Uhr abends durchgehend Programm, und das jetzt schon seit sieben Wochen. Viele von uns sind erschöpft, viele von uns können nicht mehr, und das soll jetzt noch monatelang so weitergehen. Liebe Regierung, wie stellt ihr euch das vor?

Veronika Bohrn Mena, Autorin „Die neue ArbeiterInnenklasse“

Trotzdem mussten viele Mütter arbeiten gehen. Das liegt zum einen daran, dass es immer noch keinen Rechtsanspruch auf bezahlte Sonderbetreuungszeit gibt. Das liegt aber auch daran, dass viele Frauen und insbesondere Mütter oft in systemrelevanten Berufen arbeiten. Das heißt, für sie gab es gar nicht die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen.

Die Forderung der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern danach, endlich einen verbindlichen Rechtsanspruch für die Sonderbetreuungszeit zu schaffen, blieb von der Regierung bisher unerhört. Das Problem daran ist aber: Die Sommerferien sind noch nicht einmal in Sicht, und nach sieben Wochen Corona-Krise haben viele Eltern und vor allem Mütter schon jetzt kaum mehr Urlaub übrig – und haben keine Ahnung, wie das während der Sommerferien weiterlaufen soll …

Über den/die AutorIn

Veronika Bohrn Mena

Veronika Bohrn Mena

Veronika Bohrn Mena ist Autorin des Buches „Die neue ArbeiterInnenklasse – Menschen in prekären Verhältnissen“ und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit prekären Arbeitsverhältnissen, Segmentierungsprozessen und Veränderungen in der Arbeitswelt mitsamt ihren Auswirkungen. Sie ist ausgebildete Fotografin und hat Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien studiert. Seit 2013 arbeitet sie hauptberuflich in der Gewerkschaft GPA-djp in der Interessenvertretung als Expertin für atypische Beschäftigung. Sie war auch die Vorsitzende der Plattform Generation Praktikum und hat sich als Studentin in der ÖH Bundesvertretung engagiert.