Krisentagebuch 017: Wer zahlt für die Krise?

Die Arbeitenden in den strukturrelevanten Berufen müssen jetzt am meisten leisten. Und es ist zu befürchten, dass genau sie auch diejenigen sein werden, die nach der Krise ordentlich zur Kasse gebeten werden... Autorin Veronika Bohrn Mena stellt eine wichtige Frage.
Es sind nämlich die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Österreich, die 80 % des Steueraufkommens zahlen– nicht die Reichen. Österreich ist eines der wenigen Länder, in denen es keine Erbschaftssteuer gibt, keine Vermögenssteuer, keine Schenkungssteuer, keine digitale Dividende und auch keine Finanztransaktionssteuer. Aber dafür hat Österreich eines – ein Bankgeheimnis

Klar ist, dass wir eine Pandemie wie diese natürlich nicht regional oder national besiegen können, sondern da braucht es eine planetarische Antwort und noch viel mehr für die nächste Pandemie dieser Art.

Veronika Bohrn Mena, Autorin „Die neue ArbeiterInnenklasse“

Deswegen dürfen keinesfalls diejenigen, die jetzt am meisten unter der Krise leiden und ohnehin schon die größte Steuerlast zahlen, diejenigen sein, die nach der Krise die Rechnung bezahlen müssen. Denn das sind eben genau jene, die in sogenannten „systemrelevanten Berufen“ arbeiten und dem höchsten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

Deswegen brauchen wir nach der Krise unbedingt – am besten jetzt schon – Vermögenssteuern, Erbschaftssteuern, Schenkungssteuern, eine digitale Dividende und am besten auch eine europaweite Finanztransaktionssteuer. Damit die Folgen der Krise gerecht und fair verteilt werden.

Über den/die AutorIn

Veronika Bohrn Mena

Veronika Bohrn Mena

Veronika Bohrn Mena ist Autorin des Buches „Die neue ArbeiterInnenklasse – Menschen in prekären Verhältnissen“ und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit prekären Arbeitsverhältnissen, Segmentierungsprozessen und Veränderungen in der Arbeitswelt mitsamt ihren Auswirkungen. Sie ist ausgebildete Fotografin und hat Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien studiert. Seit 2013 arbeitet sie hauptberuflich in der Gewerkschaft GPA-djp in der Interessenvertretung als Expertin für atypische Beschäftigung. Sie war auch die Vorsitzende der Plattform Generation Praktikum und hat sich als Studentin in der ÖH Bundesvertretung engagiert.