Krisentagebuch 006: Krise, Klasse, Eierkuchen

Wie hängt Klasse mit Krise zusammen? Robert Misik analysiert und zitiert den „Buddy“ von Karl Marx, Friedrich Engels.
Unsere Gesellschaft ist immer noch in Klassen gespalten – wenngleich nicht auf so simple Art und Weise, wie man es früher gesagt hätte. Es sind verschiedene Klassen, und die Arbeiterklasse ist auch nicht DIE Arbeiterklasse, sondern die arbeitenden Klassen.

Es sind natürlich nicht nur die Reichen, aber sagen wir, es sind heute mit einem gewissen Übergewicht die Besserverdienenden, die gehobenen Angestellten, die in Schreibtisch-Jobs, die digitalisierbar sind, die in aller Regel zu Hause jetzt im Home-Office sitzen. Während die, die das nicht tun, die das nicht können, diejenigen sind, die eher schlecht verdienen und Berufe haben, die in gesellschaftlichen Status-Rankings – sagen wir mal so – die nicht so respektiert worden sind.

Robert Misik, Journalist und Autor

Aber die Augen davor verschließen, dass auch unsere Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist, soll man nicht. Und so gibt es keinen Vorgang in einer Gesellschaft, die eine Klassengesellschaft ist, in der Klasse nicht eine Rolle spielen würde, eine Dimension hätte.

Beengte Arbeitsverhältnisse, wo die Leute Schulter an Schulter sitzen oder stehen oder montieren. Ein schlechtes Gesundheitssystem. Prekarität, weswegen sich die Leute gar nicht trauen, zum Arzt zu gehen, wenn sie schon Symptome spüren. Das sorgt generell für eine schnellere Ausbreitung von Epidemien und Pandemien. 

Die ersten Angesteckten in Österreich sind wahrscheinlich diejenigen gewesen, die sich Urlaube, Skiurlaube in Tirol oder schnelle Städtereisen im Februar nach Venedig leisten können. Das sind nicht die Superärmsten in aller Regel, eher die Besserverdienenden gewesen …

Über den/die AutorIn

Robert Misik

Robert Misik

Robert Misik, 54, ist Journalist, Ausstellungsmacher und Buchautor. Jüngste Buchveröffentlichung: "Die falschen Freunde der einfachen Leute" (Suhrkamp-Verlag, 2020). Er kuratierte die Ausstellung "Arbeit ist unsichtbar" am Museum Arbeitswelt in Steyr. Für seine publizistische Tätigkeit ist er mit dem Staatspreis für Kulturpublizistik ausgezeichnet, 2019 erhielt er den Preis für Wirtschaftspublizistik der John Maynard Keynes Gesellschaft.