Interview: Pestizide und Biodiversität

Die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze, SPD in ihrem Amtssitz in Berlin.
Fotos (C) Dominik Butzmann / laif / picturedesk.com
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und im Hausgarten negative Auswirkungen auf die Biodiversität hat. Wie sollten wir zukünftig mit dem Thema Pestizide umgehen? Die deutsche Bundesministern Svenja Schulze hat hier einiges vor.
Svenja Schulze, die deutsche Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, setzt sich für ein Ende des Einsatzes von Glyphosat ein und erörtert im Interview, welche Maßnahmen es dazu auf EU-Ebene und in Deutschland gibt.

Welchen Anteil haben aus ihrer Sicht Pestizide beim Rückgang der Biodiversität? 
Viele Insektizide und Herbizide – Glyphosat ist hier nur ein Beispiel – beeinträchtigen unsere Insekten und wilde Ackerpflanzen erheblich. In der Folge gehen auch die Bestände der Vögel zurück. Ich setze mich deswegen in Deutschland für ein Ende des Einsatzes von Glyphosat ein. Der Einsatz von Pestiziden muss aber darüber hinaus generell umwelt- und naturverträglicher werden. Ich will, dass schon im Zulassungsverfahren  der Naturschutz gestärkt wird.  Wohl gibt es noch Forschungsbedarf zu den genauen Auswirkungen,  aber wir wissen längst genug, um zu handeln. Pestizidreduktion spielt eine wesentliche Rolle beim Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt.

Pestizidreduktion spielt eine wesentliche Rolle beim Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt.

Was tut die EU in Sachen Pestizide?

Die EU hat eine Richtlinie für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden verabschiedet.
Die EU hat hierzu die Richtlinie für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden verabschiedet. Sie will Alternativen zu Pestiziden fördern, die ohne den Einsatz von Chemie auskommen, wie z.B.  mechanische Unkrautbekämpfung oder Nützlingen. Ausdrücklich ist in der Richtlinie auch das langfristige Ziel formuliert, die Abhängigkeit der Landwirtschaft von der Verwendung von Pestiziden zu verringern. Die Richtlinie bildet  nur den Rahmen, der von jedem EU-Mitgliedstaat mit entsprechenden Maßnahmen gefüllt werden muss. Ich setze mich dafür ein, den Einsatz von Pestiziden in Deutschland zu verringern. Die von der Bundesregierung vereinbarte Ackerbaustrategie ist hier ein wichtiger Schritt. Federführend ist hier jedoch das Landwirtschaftsministerium.

Fotos (C) Dominik Butzmann / laif / picturedesk.com
„ Was wir brauchen ist ein insgesamt umwelt- und naturverträglicher Pflanzenschutz. Ich leite jetzt die Schritte ein, die aus meiner Sicht umsetzbar und effektiv sind. “

Was konkret planen Sie in Deutschland zum Insektenschutz? 
Ich  habe einen Vorschlag für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ auf den Tisch gelegt, der  jetzt innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird. Im Zentrum steht ein Umsteuern in der Landwirtschaft. Unsere Äcker sollen wieder einladender werden für Insekten. Das heißt: Wir wollen eine Landwirtschaft fördern, die den Insekten nicht schadet, sondern ihr Überleben ermöglicht. Auch in den Städten sollen Insekten besser geschützt werden. Die notwendigen Gesetzesänderungen will ich  in einem „Insektenschutzgesetz“ bündeln.

Wir wollen eine Landwirtschaft fördern, die den Insekten nicht schadet, sondern ihr Überleben ermöglicht.

Ist eine pestizidfreie Umwelt für Sie eine Vision? 
Was wir brauchen ist ein insgesamt umwelt- und naturverträglicher Pflanzenschutz. Ich leite jetzt die Schritte ein, die aus meiner Sicht umsetzbar und effektiv sind. Dazu gehört die Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens für den Einsatz von Pestiziden,  z.B. durch Anwendungseinschränkungen im deutschen Pflanzenschutzgesetz  sowie eine konsequente Umsetzung des geltenden EU-Zulassungsrechts: Bei der Pestizidzulassung müssen wir  den Schutz der Biodiversität sicherstellen. Das heißt:  Ein Mittel darf nur  zugelassen werden, wenn seine Auswirkungen auf die Biodiversität vertretbar sind.

Mit
Svenja Schulze

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 01/19 der Zeitschrift Wirtschaft&Umwelt.

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Wirtschaft & Umwelt

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