Frauen in Zeiten des Faschismus: „Heim und Herd“ statt Erwerbsarbeit

NS-Propaganda: Das Idealbild der deutschen Frau und Mutter – drei Kinder und schwanger, da hat sie die Aussicht auf das Mutterkreuz in Bronze. Der Bub ist natürlich Hitlerjunge.
(C) Deutsches Bundesarchiv Berlin.
Die Ideologie des Faschismus ließ Frauenarbeit außerhalb von „Heim und Herd“ nur für den Notfall gelten. Das Idealbild war der aufopfernde Dienst an Mann und Kindern. Es ist bis heute nicht ganz aus den Vorstellungen in unserer Gesellschaft verschwunden.
Der Zweite Weltkrieg und elf Jahre Diktatur und Faschismus waren vorbei, der Aufbau der zweiten demokratischen Republik hatte begonnen. Trotz der Besetzung durch die alliierten Sieger über Hitler normalisierte sich das Leben langsam wieder – vor allem dank der Frauen, die schon während des Krieges die abwesenden Männer in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst an der „Heimatfront“ ersetzt hatten, zum Beispiel als Lehrerinnen. Frauenarbeit galt aber nur als Notlösung, in dieser Hinsicht bestand zwischen konservativen Politiker:innen und den faschistischen Machthabern kein Meinungsunterschied. Also wurde in einigen Bundesländern nach 1945 (wenn auch nur kurzfristig) versucht, verheiratete Frauen wieder mit Unterrichtsverbot zu belegen. Die Vorarlberger Landesregierung begründete ihren diesbezüglichen Plan mit der Behauptung, es sei unmöglich, gleichzeitig eine gute Mutter und eine gute Lehrerin zu sein. Sei, so wurde im Brustton der Überzeugung angemerkt, die Frau „in erster Linie Lehrerin, dann muss sie ihre Kinder fremden Personen zur Betreuung und Erziehung überlassen, während sie fremde Kinder erzieht. Beides gleichzeitig geht nicht. Beim Naturinstinkt des Weibes als Mutter wird sie aber in den meisten Fällen die Schule vernachlässigen.“

Schon die österreichische Spielart des Faschismus, die ab 1934 vier Jahre lang Politik und Verwaltung bestimmte, hatte die Frauen, wo immer es möglich war, zurück an den Herd geschickt, die extrem hohe Arbeitslosigkeit bot dafür einen guten Vorwand. Als das nationalsozialistische Regime 1938 die Macht übernahm, konnte es mit seiner „völkischen“ Ideologie nahtlos daran anknüpfen. Im 1933 vom NS-Ideologen Curt Rosten veröffentlichten „ABC des Nationalsozialismus“ hieß es: „Die deutschen Frauen wollen … in der Hauptsache Gattin und Mutter … sein. … Sie haben keine Sehnsucht nach der Fabrik, keine Sehnsucht nach dem Büro und auch keine Sehnsucht nach dem Parlament.“

Die deutschen Frauen wollen … in der Hauptsache Gattin und Mutter … sein. … Sie haben keine Sehnsucht nach der Fabrik, keine Sehnsucht nach dem Büro und auch keine Sehnsucht nach dem Parlament.

Curt Rosten in „ABC des Nationalsozialismus“

Persönliche Wünsche hatten darüber hinaus ohnehin keine Rolle zu spielen, wie die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink 1935 in Nürnberg klarstellte. „Niemals werden wir“, sagte sie, „die Gleichheit der deutschen Frau mit dem Mann anstreben. Die Rechte und Interessen der Frau sehen wir nur im Zusammenhang mit der Notwendigkeit des deutschen Volks.“ Ihre Untergebene Pötzl-Schischka, die Hauptabteilungsleiterin der NS-Frauenschaft in Wien, machte mit einem Bild deutlich, was damit gemeint war: Das nationalsozialistische Reich gleiche einem Baum, „dessen Stamm gegen äußere Schäden durch den Wall von Soldaten geschützt wird. Sein ewiger Wurzelboden, aus dem er die Kraft zum Leben nimmt, wird aber von der deutschen Frau in immerwährender Hingebung gehütet.“ Volle Hingabe bewies die deutsche Frau nur durch die Mutterschaft, erst dann galt sie als vollwertiger Mensch, bei mindestens vier Kindern wurde das „Mutterkreuz“ als Ehrenzeichen verliehen. So wurde die Verbannung der Frau in die Familie zur erstrebenswerten Tugend erklärt.

Auch 1953 sahen selbst Gewerkschafter:innen die Frauen allein und ausschließlich für den Haushalt zuständig. Statt Teilung der Hausarbeit mit dem Partner wurde nur deren Erleichterung gefordert.

Die Erfahrungen der meisten arbeitenden Frauen mit der Doppelbelastung durch Beruf und Familie boten der äußerst effizienten NS-Propagandamaschinerie ideale Ansatzpunkte, und so prägte die Überzeugung, dass Frauen allein für Heim und Kind zuständig wären, noch das Weltbild von Generationen, auch als die Demokratie die Gleichheit aller Staatsbürger:innen formal wieder anerkannte. Selbst die Frauenorganisation der Gewerkschaftsbewegung setzte Anfang der 1950er-Jahre die „sorgende Frau“ mit dem Kind auf ihrem Schoß an die erste Stelle der Eigenschaften einer guten Gewerkschafterin, erst an zweiter Stelle kam die „erwerbende Frau“ und nur an dritter Stelle die „kämpfende Frau“, die für ihre Rechte eintritt. Auch viele Jahrzehnte später kamen noch Reste der alten Ideologie zum Vorschein. Schon im neuen Jahrtausend erzählte etwa eine junge in Paris lebende Österreicherin im Radio, dass sie ihre Freund:innen zu Hause für eine Rabenmutter hielten, weil sie den in Frankreich selbstverständlichen ganztägigen Schul- und Kindergartenbesuch ihres Nachwuchses begrüßte.

Das Geschichtsinstitut in der AK Wien betreut das größte AK- und Gewerkschaftsarchiv Österreichs und baut seine Sammlungen laufend aus. Sollten Sie, liebe A&W-Leser:innen, Material besitzen oder kennen, das dafür in Frage kommen könnte, können Sie mit den zuständigen Kolleg:innen unter der E-Mail-Adresse office@ihsf.at Kontakt aufnehmen. Nähere Informationen zum Institut für historische Sozialforschung/IHSF und seinen Projekten unter https://ihsf.at.

Über den/die Autor*in

Brigitte Pellar

Brigitte Pellar ist Historikerin mit dem Schwerpunkt Geschichte der ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretungen und war bis 2007 Leiterin des Instituts für Gewerkschafts- und AK-Geschichte in der AK Wien.