Einmal durchs Geschäft, bitte!

Kaufen soll uns glücklich machen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt die Risiken, die im Übermaß lauern.

Standpunkt

Richard Solder
Chefredakteur

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Hans Blutsch ist eine lebende Legende. Im sechsten Wiener Gemeindebezirk, etwas versteckt im ersten Stock eines Wohnhauses, hat er seit Jahrzehnten ein kleines Geschäft, in dem man Joggingschuhe, -gewand und -zubehör bekommt. Hier im Familienbetrieb ist alles sehr bodenständig und unscheinbar. Eine „coole“ Atmosphäre wie in selbsternannten Flagship-Stores mit lauter Musik, modernem Innendesign und Hightech-Schnickschnack sucht man hier vergebens. Und trotzdem pilgern viele Läufer:innen, ob Anfänger:innen oder Fortgeschrittene, am liebsten zu ihm in die Liniengasse – beziehungsweise vermutlich genau deswegen. „Blutschianer“ nannte die Zeitung „Der Standard“ einst die Fangemeinde. Der Grund für die treue Stammkundschaft sind Herr Blutsch und sein Team, unter anderem Ehefrau Astrid und Tochter Katharina.

Was sie machen? Zuhören – und vor allem gut hinschauen. Sie fragen genau nach den Bedürfnissen der Kund:innen. Dann heißt es anprobieren und Runden im Geschäft laufen. Währenddessen fokussieren die Verkäufer:innen auf den Laufstil, den Körperbau und vor allem die Füße. „Da brauchen wir mehr Polsterung“ – ist eine Rückmeldung, die oft zu hören ist – und schon bekommt man ein neues Paar zum Testen. Das geht so lange, bis es nicht nur der Kundschaft passt, sondern auch das Team sein Okay gibt.

Bei komplexen Fällen wird Blutsch senior – meist hat er im Büro zu tun – zu Rate gezogen. „Chef, bitte einen Blick!“, hallt es dann durchs Geschäft. Und der Satz spricht Bände: Hier geht es um Erfahrung, den geschulten Blick und ein gutes Sortiment. Bei Schuhen ist das besonders wichtig, weil es hier um die Gesundheit und den Körper geht.

Unser A&W-Fokus zu Konsum beschäftigt sich u. a. damit, dass heutzutage in Sachen Kaufen vieles online passiert. Klarerweise macht das Internet das Einkaufen, die Recherche, den Vergleich einfacher. Aber nicht immer kann es das „analoge“ Fachwissen von Spezialist:innen ersetzen. Im Gegenteil: Der Onlinehandel kommt mit Risiken und Nebenwirkungen daher, gerade bei verlockend klingenden Angeboten von Konzernen, bei denen man in Wahrheit nicht weiß, was wirklich in den Produkten steckt – und die mit ihren Geschäftsmodellen Arbeitsbedingungen mit Füßen treten und den Planeten zerstören!

Ich hoffe, dass es Fachgeschäfte wie den Laufsport Blutsch noch lange gibt, freue mich auf meine Laufrunden an den Feiertagen und wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe!

In dieser Ausgabe:

  • Leben im Krisenmodus
    Die Teuerung bringt Menschen in Not und erfordert politisches Handeln
  • Das vergessene Ziel
    Was wurde aus der Vollbeschäftigung? Kommentar von Matthias Schnetzer
  • Kann man nachhaltig und günstig einkaufen?
    Konsumexpertin Nunu Kaller beantwortet die große Frage
  • Aus dem Betriebsrat
    Ute Groß, Betriebsrätin bei der „Kleinen Zeitung“, über Kündigungen

FOKUS: Im Konsumrausch

  • Kein Weg zurück
    40 Jahre „Miners‘ Strike“: Der britische Bergarbeiter:innenstreik in Bildern
  • „Wir sind stolz auf unsere Standards“
    Interview mit Alexander Rachoi, Vizepräsident der Landarbeiterkammer
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