Aufs alt werden freuen

Das Cover des neuen Arbeit&Wirtschaft-Magazin.
Das österreichische Pensionssystem baut auf Solidarität, einen starken Arbeitsmarkt und gute Jobs. Wie es stabil bleibt – und für Frauen verbessert werden kann.

Standpunkt

Sarah Kleiner
Chefin vom Dienst

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Ich gestehe: Als Jugendliche habe ich auch Stehsätze wie „Wer weiß, ob ich überhaupt noch eine Pension bekommen werde“ von mir gegeben. Das war aber weniger einem Misstrauen in den österreichischen Sozialstaat geschuldet – als junger Mensch weiß man einfach oft noch nicht so recht, wie die Republik funktioniert.

Das Pensionssystem ist Teil der DNA dieses Landes. Es ist durch das Umlageverfahren gelebte Solidarität zwischen den Generationen. Viele sind stolz auf diesen Mechanismus und betonen zu Recht den hohen Lebensstandard, den sich viele Österreicher:innen nach dem Erwerbsleben erhalten können. Die österreichische Durchschnittspension rangiert im internationalen Vergleich im Spitzenfeld.

Zu wenig reden wir über die Diskriminierung, die aus den Pensionen auch ersichtlich wird: Frauen werden nach unbezahlter Sorgearbeit und Lohndiskriminierung im Alter nochmal abgestraft. Ihre Pensionen liegen im Schnitt um fast 40 Prozent unter denen der Männer. Zudem sind in Österreich zwei Drittel der Bezieher:innen einer Ausgleichszulage weiblich.

Während dieses System also einerseits Sicherheit und ein würdiges Altwerden verspricht, gibt es auch Verbesserungsbedarf – und demografische Herausforderungen, die in der Zukunft zu meistern sind. Bei allen Überlegungen gilt es dabei jene mitzunehmen, die das besonders betrifft: die Arbeitnehmer und vor allem die Arbeitnehmerinnen.

Für unseren A&W-Pensionsschwerpunkt haben wir relevante Perspektiven eingeholt: etwa die von Betriebsräten aus Schwerarbeitsberufen wie der Pflege (ab S. 30) oder die Sichtweise einer arbeitslosen 55-Jährigen, die sich – wie viele andere – um ihre Jobchancen Sorgen machen muss (ab S. 16). Die ehemalige Sozialministerin Lore Hostasch betont im Interview (ab S. 26), dass der Schlüssel zur Zukunftssicherung der Arbeitsmarkt ist und das politische Ziel deshalb sein sollte, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen. Sie warnt vor demokratiepolitischen Folgen, wenn man jungen Menschen signalisiert, ihre Vorsorge sei gefährdet.

Vielleicht würde es der Gesellschaft guttun, die Pensionsdebatte zu reformieren – hin zu einem Diskurs, der auf Aufklärung und Transparenz setzt statt auf Angstmacherei. Wie vermittelt man Menschen Zuversicht und nimmt ihnen die Sorgen vorm Älterwerden? Wie erklärt man den Jungen das System? Schließlich handelt es sich beim Generationenvertrag um alles andere als um eine leere Phrase.

In dieser Ausgabe:

  • Mehr als heiße Luft
    Arbeiten bei über 40 Grad: Wie werden Arbeiter:innen am Bau geschützt?
  • Nach der Krise ist nicht vor der Krise!
    KV-Krisenabschlüsse auf Zeit müssen die Ausnahme bleiben
  • Nutzen wir die Informationsfreiheit genug?
    Markus Hametner vom Forum Informationsfreiheit beantwortet die große Frage
  • Aus dem Betriebsrat
    APA-Betriebsrat Christoph Großkopf über eine Begegnung mit Jean Ziegler

FOKUS: Pensionen

  • Der Arbeitsmarkt als Anker
    Wie funktioniert das Pensionssystem, und wie bleibt es stabil?
  • Zank um Pensionen: Keine Panik!
    Ein Faktencheck gegen die Verunsicherung
  • Das Geschäft mit den Sorgen
    Was Konsument:innen bei privater Altersvorsorge bedenken sollten
  • Die Rechnung kommt später
    Die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen klafft auseinander
  • Mit Mut und Zuversicht
    Die ehemalige Sozialministerin Lore Hostasch im Interview
  • Auf der Zielgeraden
    Kann Schwerarbeit alternsgerecht gestaltet werden?
  • Eine Klasse für sich
    Die Geschichte der Sozialakademie – eine Institution wird 75
  • „Information allein ist noch keine Bildung“
    VÖGB-Leiterin Sabine Letz im Gespräch über gewerkschaftliche Bildung
  • Wache am Limit
    Wache am Limit Österreichs Justizanstalten sind voll – und das Personal ist überlastet 40
  • What the Puck?!
    Das Eishockey-Nationalteam der Frauen ringt um Anerkennung und Fairness
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