Mehr Zivilcourage: Eine App gegen Hass im Netz

Frau verzweifelt an Cybermobbing. Eine app gegen Hass im Netz soll helfen.
Eine App neue App hilft im Kampf gegen Hass im Netz. | © Adobe Stock/David Pereiras
Rassismus, verbale Gewalt oder Morddrohungen. Das Internet wird oftmals für Hassbotschaften missbraucht. Die neue App Zivil.Courage.Online des Mauthausen Komitee Österreich kann jede:r einen Beitrag gegen Hass im Netz leisten.
Seit 1. Jänner 2021 ist das Gesetz gegen Hass im Netz in Kraft. Doch der gewünschte Erfolg blieb aus, wie eine parlamentarische Anfrage der SPÖ aus dem Frühjahr 2022 ergab. So kam es im Jahr 2021 zwar zu 129 Fällen von Upskirting (unerlaubtes Fotografieren unter den Rock), allerdings nur zu 22 Anklagen. Noch weniger kümmerten Menschen Hass-Postings im Internet. Hier kam es nur zu 65 Anzeigen. Eine aktuelle Studie von saferinternet.at zeigt außerdem, dass bereits 48 Prozent aller Jugendlichen im Internet beschimpft oder beleidigt wurden. Die neue App Zivil.Courage.Online soll helfen, Hass im Netz effektiver zu bekämpfen.

Mit einer App gegen Hass im Netz

Justizministerin Alma Zadić (Grüne) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sprachen bei der Vorstellung des „Hass im Netz“ Gesetz von einer „Zurückgewinnung der Gesprächskultur im Netz“ und einem „Meilenstein“. Die Behörden sollten Täter:innen schneller und leichter ausfindig machen und bestrafen können. Doch das Gesetz scheint nicht richtig vom Fleck zu kommen. Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und die Arbeiterkammer (AK) haben jetzt die App Zivil.Courage.Online vorgestellt.

Die Arbeiterkammer hat die Zivil.Courage.App finanziell, ideell und organisatorisch unterstützt“, sagt Willi Mernyi. Er ist der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich. Die Zielgruppe der App sind vornehmlich junge Menschen. Aber auch alle anderen, die sich über Hass im Netz informieren und dagegen vorgehen wollen. „Zivilcourage bedeutet, sich für andere einzusetzen, nicht zu schweigen, wenn man Ungerechtigkeiten oder Missständen begegnet, sondern konkret zu handeln. Das ist eine der ureigensten Aufgaben der Arbeiterkammer und der Gewerkschaften“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der AK.

Meta, Google, Twitter gehen zu langsam gegen Hass im Netz vor

Die App gegen Hass im Netz scheint nötig. Denn Internetriesen wie Meta (Facebook, Whatsapp und Instagram), Twitter oder Google (u.a. YouTube) sind säumig, wenn es um ausreichenden Userschutz geht. Rassistische, antisemitische, rechtsextremistische und sexistische Postings in den Sozialen Medien nehmen aber tendenziell zu. Deswegen muss dagegen auch etwas gemacht werden. Was, das erklärt Christa Bauer. Sie ist die Geschäftsführerin des Mauthausen Komitee Österreich. „In der App werden verschiedene Meldestellen aufgezeigt, an die man sich wenden kann. Aber auch wie man bei TikTok, Instagram oder Facebook Postings oder Videos melden kann.“

App gegen Hass im Netz. Ein Junge verzweifelt am Cybermobbing.
Vor allem Jugendliche sollen die neue App nutzen. | © Adobe Stock/myboys

Doch die App ist nicht nur ein Melderegisterverzeichnis. Sie bietet einiges mehr. Man kann in einer Sektion beispielsweise etwas über bekannte Persönlichkeiten lesen, die Zivilcourage gezeigt haben. Beispielsweise über die US-amerikanischen Bürgerrechts- und Menschenrechtsaktivistin Tarana Burke. Im Jahr 206 hob sie den Hashtag #MeToo aus der Taufe hob. So macht sie auf Rassismus und Sexismus aufmerksam. Oder die Ö1-Journalistin Tanja Male. Sie weist bei Femiziden immer wieder darauf hin, dass Twitter Accounts von Feministinnen sperrt, wenn sie unter dem Hashtag #Männertöten politisches Handeln fordern.

Das kann die App gegen Hass im Netz

Die App Zivil.Courage.Online gegen Hass im Netz bietet zusätzlich auch Begriffserklärungen. Oder erläutert Paragrafen aus dem Gesetz, die Gewalt und Hass betreffen. Außerdem kann man durch mehrere Übungen feststellen, wie weit man über Verschwörungstheorien oder Fake News Bescheid weiß. Und was man argumentativ dagegenhalten kann, wenn man mit solchen konfrontiert wird. Dazu arbeiteten die Entwickler:innen mit Digital-Expert:innen wie Ingrid Brodnig zusammen. „Für mehr Respekt im digitalen Raum braucht es speziell die jungen Menschen. Es braucht ihre Stimmen, ihren Mut und ihr Wissen, denn Zivilcourage und Solidarität sind ganz wesentlich für eine Gesellschaft, und man kann beides trainieren“, betont AK-Präsidentin Anderl.

Die App lebt von der Partizipation ihrer Anwender:innen. Denn User:innen können sich bei einem Quiz selbst einbringen und Lösungsvorschläge eintippen, wie man bei Situationen von Rassismus, Sexismus oder Cybermobbing vorgehen kann. Diese Vorschläge werden vom Mauthausen Komitee gesichtet und bei einer möglichen Weiterentwicklung der App implementiert. Zivilcourage sollte daher nicht nur im realen Leben, sondern auch in der digitalen Welt gelebt werden. Oder wie Willi Mernyi meint: „Früher haben wir immer gesagt ‚Steht’s auf und zeigt’s Zivilcourage!‘ Heute sagen wir ja natürlich, aber setzt euch auch nieder, nehmt das Handy in die Hand und zeigt‘s Zivilcourage.“

Die App steht im Play Store und im App Store zum Download zur Verfügung.

Über den/die Autor*in

Stefan Mayer

Stefan Mayer arbeitete viele Jahre in der Privatwirtschaft, ehe er mit Anfang 30 Geschichte und Politikwissenschaft zu studieren begann. Er schreibt für unterschiedliche Publikationen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sport.

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