Berganstieg statt Helikopterflug

Beschäftigte im Tourismus ringen um bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, während Österreich Rekordnächtigungen verzeichnet. Was ist da los?

Standpunkt

Richard Solder
Chefredakteur

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Nur ein kurzer Zwischenstopp, dann geht’s schon wieder weiter: In der Medienbranche kritisiert man gern den sogenannten „Helikopter-“ oder „Fallschirmjournalismus“. Das beschreibt das Phänomen, wenn Redaktionen punktuell und oberflächlich berichten, etwa aus einem Katastrophen- oder Krisengebiet. Vor allem Newsoutlets schicken gern in Windeseile Reporter:innen aus, die dann sensationsheischende Bilder liefern, mitunter mit dramatisierenden Kommentaren. So schnell sie kommen, ziehen sie auch weiter, die nächste Krise ruft. Was in den betroffenen Regionen später passiert und welche Folgen das Geschehene für die lokale Bevölkerung hat, wird nicht berichtet. Helikopter und Fallschirme kommen dabei natürlich nur ganz selten wirklich zum Einsatz und dienen vor allem als Metapher.

Im heimischen Tourismus stehen die vollbesetzten Reisebusse mit Gäst:innen aus aller Welt, die sich durch historische Innenstädte arbeiten oder sich den Bergpass raufkämpfen, für ein Problem: Wie der A&W-Fokus in dieser Ausgabe zeigt, braucht Österreich Tourismus, Österreich will Tourismus. Aber: Es kommen immer mehr Reisende für immer kürzere Zeit. Für manche Destinationen, gerade kleine Gemeinden, wird das zu viel. Der Alltag der
Ortsansässigen leidet zunehmend, ebenso die Umwelt. Schon lange einen schweren Stand haben die Beschäftigten im Tourismus: Prekäre Arbeitsbedingungen, niedrige Lohnniveaus und Missstände stehen auf der Tagesordnung. Massentourismus und „Overtourism“ erhöhen weiter den Druck. Wir schauen uns die Situation aus Arbeitnehmer:innen-Perspektive an – von Hallstatt über das Zillertal bis hin zu Nordamerika, wo die Fußball-WM der Herren stattfindet.

Dabei wählen wir den klassischen Arbeit&Wirtschaft-Zugang: mit Tiefgang, Hintergrundrecherche und Reflexion. Journalistisch sind wir eher mit Wanderschuhen, Fahrrad oder Bummelzug unterwegs als mit Helikopter und Fallschirm. Das entschleunigt, und man bekommt ein Gefühl für die Umgebung, durch die man sich bewegt – und für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Probieren Sie das doch auf Ihrer nächsten Reise auch aus. Mehr „Slow Tourism“, weniger Herumhetzen: Klingt doch gut. Die Redaktion wünscht einen angenehmen Sommer!

In dieser Ausgabe:

  • Schattenwirtschaft am Bau
    Sozialbetrug auf Österreichs Baustellen höhlt den Sozialstaat aus
  • Fossiler Leichtsinn
    Energieexperte Johannes Wahlmüller im Interview
  • Inwiefern ist Armut politisch gemacht?
    Mitbegründer der Armutskonferenz Martin Schenk beantwortet die große Frage
  • Aus dem Betriebsrat
    ORF-Betriebsrat Konrad Mitschka über gelungene Kommunikation

FOKUS: Im Reisefieber

  • Die Rechnung, bitte!
    Hotellerie und Gastronomie sind diverse Branchen – was zeichnet sie aus?
  • Wie viel ist zu viel?
    Eva Eberhart und Robert Steiger über Tourismus und seine Grenzen
  • Reisen bis zum Kipppunkt
    Wie Tourismus das Klima und Klima den Tourismus verändert
  • Schmerzlich willkommen
    Hallstatt will dem Massentourismus Herr werden und stößt an Grenzen
  • Im Abseits
    Die Fußball-WM rückt prekäre Arbeitsverhältnisse unters Brennglas
  • Vier Fäuste gegen Airbnb
    Wie die Wiener Baupolizei gegen illegale Kurzzeitvermietung vorgeht
  • In ihrem Element
    Die Band 5/8erl in Ehr’n steht für Jazz, Soul und Gelassenheit
  • Wir fordern
    Delna Antia-Tatić über mangelnde Wertschätzung für Teilzeitarbeit
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