Die Problemdiagnose fällt reichlich düster aus. Seit der Jahrtausendwende ging die Anzahl der fixangestellten Journalist:innen in Österreich um ein Drittel auf etwa 5.000 zurück. Die Honorare freier Journalist:innen, auch „in traditionsreichen Medien“ bewegen sich laut Stichproben auf dem Niveau der 1990er-Jahre, weshalb auch Freie zahlreich aus der Branche ausscheiden.
Die Autor:innen sprechen von einem „Marktversagen“: Angesichts politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeiten sei eine unabhängige, kritische Berichterstattung immer weniger möglich – obwohl die staatliche Medienförderung hierzulande im internationalen Vergleich zu den üppigsten zählt. Grund dafür seien unter anderem ein „intransparenter“ und „korruptionsanfälliger“ Flickenteppich an Förderungen, die sich nicht an journalistischer Qualität, sondern an Partikularinteressen und Gefälligkeiten orientieren.
Infrastruktur für Demokratie
Dieser Missstand wurzelt im grundsätzlich widersprüchlichen Verhältnis von Journalismus und Politik. Journalismus gilt als Infrastruktur der Demokratie, zu seinen Kernkompetenzen zählt es, die Politik zu kontrollieren. Gleichzeitig ist der Journalismus – v.a. in so einem kleinen Markt wie Österreich – ohne finanzielle Unterstützung seitens der Politik kaum überlebensfähig. Medienunternehmen sind finanziell also von jenen abhängig, denen sie eigentlich unbequem werden sollen.
Die Studienautor:innen schlagen daher „ein objektiviertes System der Journalismusförderung ohne politische Abhängigkeiten und Gefälligkeiten“ vor. Gefördert werden sollen journalistische Qualität und Unabhängigkeit, wobei eine „strikt regierungs- und politikferne Förderkommission unter höchstrichterlichem Vorsitz“ darüber entscheiden soll, wer als förderwürdig gilt.
Fundierte Basis
Die Studie liefert eine fundierte Basis für eine längst überfällige Reform der Medienförderung, gespickt mit Empfehlungen, bei denen man sich fragt, warum diese nicht schon Standards sind (wie es international gesehen oftmals schon der Fall ist) – etwa, dass eine möglichst staatsferne Kommission und nicht Regierungsparteien über die Vergabe von Förderungen entscheidet. Jetzt ist die Regierung gefragt, diese Empfehlungen in Gesetze zu gießen. Gelingt ihr das, wäre es ein Segen für Journalismus und Demokratie. Gelingt es ihnen nicht, droht ein Kipppunkt für unabhängige Berichterstattung – mit unabsehbaren Folgen.
Die Pressefreiheit ist unverzichtbar für eine freie Demokratie. Herausforderungen des digitalen Wandels – Social Media Algorithmen, Desinformation, Fake News – bedeuten umso mehr den Auftrag an die Politik, die Pressefreiheit zu erhalten und zu stärken. 1/ #WorldPressFreedomDay (vk)
— Andi Babler (@andibabler.at) 3. Mai 2026 um 15:14