Die Nächste bitte!

Das Gesundheitssystem muss gestärkt werden – für Patient:innen und Beschäftigte.

Standpunkt

Sarah Kleiner
Chefin vom Dienst

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Auf die Knie klopfen, in den Rachen schauen und das Herz abhören: Ich kann mich noch gut an die Arztbesuche erinnern, als ich ein Kind war. Meistens sind wir ohne Termin zu unserem Hausarzt gefahren, länger als eine halbe Stunde mussten wir selten warten. Für die Behandlung war genug Zeit, der Arzt und meine Mutter konnten sich ausführlich unterhalten. Zum Schluss gab’s ein Zuckerl fürs Kind – der Zahnarzt musste schließlich auch von etwas leben.

Heute sieht das meistens anders aus. Im Schnitt hat ein Kassenarzt oft nur wenige Minuten Zeit, um Patient:innen zu begutachten und eine Therapie anzuordnen. Es mangelt an Personal – vor allem auch an Kinderärzt:innen, Gynäkolog:innen, Landärzt:innen. Die Spitäler sind überlastet. Ein Verlagskollege berichtet: Er muss monatelang auf einen Routineeingriff am Knie warten. Die Privatversicherten werden indes vorgezogen.

Immer mehr entwickelt sich das österreichische Gesundheitswesen zu einem Zwei-Klassen-System: Mehr als ein Drittel der Österreicher:innen hat bereits eine private Zusatzversicherung. Der Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich und des IFES zeigte bereits 2024,dass die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung eindeutig mit dem Einkommen zusammenhängt: Wer mehr Geld hat, ist zufriedener.

Für den A&W-Fokus in dieser Ausgabe sind wir der Frage nachgegangen, wie man den Privatisierungstrend im Gesundheitssystem eindämmen kann. Gesundheitsministerin Korinna Schumann will investieren und vor allem für Frauen die Versorgung verbessern. Sie sind es auch, die das Gesundheitssystem tragen, das zeigt die hohe Frauenquote in der Branche.

Beim Ende der Fahnenstange, dem privaten Gesundheitssystem, muss ich oft an die USA denken – daran, dass dort manche Frauen jahrelang die Kosten für eine Geburt abstottern, weil sie nicht versichert sind oder ihre Versicherung das nicht deckt. Da wird er mir wieder bewusst, der Wert, den ein gemeinschaftlich finanziertes öffentliches Gesundheitswesen hat. Der Kerngedanke ist ein solidarischer: Ich zahle nicht nur in die Kasse ein, damit ich etwas davon habe – sondern damit die, die akut Hilfe brauchen, sie auch sofort bekommen.

In dieser Ausgabe:

  • Mineralien um jeden Preis
    Die Jagd nach Rohstoffen wird auf Kosten der Beschäftigten ausgetragen
  • Gerechtigkeit in Zahlen
    Die Leistungsbilanz der AK spiegelt die schwierige ökonomische Lage wider
  • Wie sollten wir über die Klimakrise sprechen?
    Politikwissenschafter Reinhard Steurer beantwortet die große Frage
  • Aus dem Betriebsrat
    Ute Groß, Betriebsrätin der „Kleinen Zeitung“, über ungewollte Untätigkeit

FOKUS: Gesundheit

  • Privat versus Staat
    Wie die Privatisierung des Gesundheitssystems voranschreitet
  • „Wir haben ein Versprechen gegeben“
    Gesundheitsministerin Korinna Schumann im Interview
  • Wer rastet, der rostet
    Fortbilden ja – aber wer finanziert das?
  • Heimliche Held:innen
    Wer schupft das Gesundheitssystem? Zu Besuch im PVZ Tullnerfeld
  • Gesundheit für alle!
    Reinhard Waldhör, Gesundheitsexperte der GÖD, über Reformbedarf
  • Griff in die Kasse
    Wie die Arbeitnehmer:innen durch die Kassenfusion entmachtet wurden
  • Umkämpfte Arbeitszeit
    Arbeitszeitverkürzung ist und bleibt ein Anliegen der Gewerkschaften
  • Musik ohne Muse
    Wie künstliche Intelligenz die Musikbranche verändert
  • Mein Utopia
    Nuklearmediziner Siroos Mirzaei über ein Land ohne Grenzen und Furcht
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