Das unsichere Netz

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl

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Haarbürsten, Puppen, Pkws: Immer mehr Alltagsgegenstände werden heute mit dem Internet vernetzt. Über Vorteile und Gefahren des "Internets der Dinge".
Biokompost, Kräuter, Salat und Tomaten: Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein ganz normales Hochbeet. Den Unterschied beim „Smartbeet“ macht die technische Ausstattung aus. Die Pflanzen werden mittels eines Tanks bewässert, den ein Computer steuert. Das Beet sendet Informationen über Wassertank und Luftfeuchtigkeit an die Cloud. Die BesitzerInnen werden per App oder SMS benachrichtigt: „Bitte den Tank auffüllen.“

Das Smartbeet ist eine Erfindung des Wieners Manfred Czujan. „Mein Geschäftspartner und ich wohnen beide im Zentrum von Wien und haben uns mehr Grün gewünscht. Die Bewirtschaftung soll autark und ökologisch sein.“ Ab April geht das Smartbeet in Produktion. 27 Beete werden im Auftrag eines Unternehmens aufgestellt.

Smarte Unterstützung

Das Smartbeet ist Teil des „Internets der Dinge“, kurz IoT (Internet of Things). Das Online-Brockhaus-Lexikon definiert dieses folgendermaßen: „Im Internet der Dinge werden Objekte intelligent und können über das Internet untereinander Informationen austauschen. Ziel ist es, die virtuelle mit der realen Welt zu vereinen.“

Eine Haarbürste, die via WLAN die Haarstruktur analysiert. Ein Regenschirm, der sich per SMS meldet, falls er vergessen wird, oder ein Mistkübel, der sich auf Sprachbefehl öffnet: Innovationen wie diese wurden im Jänner auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentiert. Smarte Geräte erfassen individuelle Bedürfnisse. „Ein entscheidender Nachteil ist, dass alles nur möglich ist, indem sehr viel mehr Informationen zum Alltagsverhalten verarbeitet werden“, betont Martin Schallbruch, stellvertretender Direktor des Digital Society Institute der ESMT Berlin. Viele Funktionen können nur verwendet werden, wenn Datenzugriff erlaubt wird.

Cyberkriminalität 2.0

Gerade was den Schutz persönlicher Daten betrifft, hat das IoT Aufholbedarf. Schallbruch kritisiert, dass viele Produkte ohne ausreichende Sicherheitsstandards herauskommen. „Sie reifen, wie Tomaten am Markt, beim Benutzer nach.“ Die Cyberkriminalität umfasst den Diebstahl von Passwörtern und Kreditkartendaten, die Übernahme von Sicherheitssystemen bis zu Erpressung. Computerdaten werden verschlüsselt und Lösegeldforderungen gestellt. „Die Daten kriegt man aber nicht wieder“, beobachtet Schallbruch. „Schützen kann sich nur, wer regelmäßig Back-ups erstellt.“ Beim Kauf rät er, nach Update-Funktionen und Firewall zu fragen und ob sich das Standardpasswort verändern lässt. Aufgrund des immer höheren Komplexitätsgrades liegt die Verantwortung für die Sicherheit laut Schallbruch bei Herstellern, Internetanbietern und dem Staat, der gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen müsse.

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