Gastronomie: 12 Stunden Arbeit, nur 8 bezahlt

Illustration 12-Stunden-Tag mit Uhr
Besonders in der Gastronomie kam der 12-Stunden-Tag gut an, war er doch mancherorts gelebte Praxis. Walid arbeitet seit Langem für Imbisslokale und hat so seine Erfahrungen mit ausufernden Arbeitstagen gemacht. Die Entlohnung war nicht dementsprechend.
Walid (Name von der Redaktion geändert) lebt seit mehreren Jahren in Österreich. Er hat Asyl bekommen und darf somit hierzulande arbeiten. Der gebürtige Afghane arbeitet in einem Imbiss in Niederösterreich, bäckt Pizza und macht Döner. „Ich arbeite von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends – fast jeden Tag zwölf Stunden, nur einen Tag habe ich frei.“ Angestellt ist Walid aber nur für acht Stunden, 40 Stunden pro Woche. Für die zusätzliche Arbeit bekommt er kein zusätzliches Geld, auch nicht schwarz. Dabei sei dieser Arbeitgeber noch ein „guter“, erklärt Walid. „Ich bin Vollzeit angestellt, für acht Stunden. Ich kenne viele, die nur für zwei oder vier Stunden angestellt sind und trotzdem zwölf Stunden täglich arbeiten.“

Forderung nach Urlaubsgeld: Jobverlust

Am Anfang, als er noch keine Pizzas machen konnte, bezahlte ihm jemand nur 20 Euro am Tag mit dem Argument, dass er das „Handwerk erst lernen müsste“ und das für drei Monate. Walid bekommt viele Jobangebote, weil es sich herumgesprochen hat, dass er gute Arbeit abliefert. „Wenn ich gesagt habe, dass ich Vollzeit angestellt werden will, haben viele gesagt, das geht nicht.“ Er kennt viele in der Branche, die ihren MitarbeiterInnen Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld einfach nicht ausbezahlen. „Als ich einem Chef gesagt habe, dass ich das Urlaubsgeld will, sagte er mir: ‚Dann hast du keine Arbeit‘.“

Ausbeutung mit System

Walid spricht gebrochenes Deutsch, viele seiner Arbeitskollegen sprechen Türkisch. Das macht es schwer, seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Er weiß, dass viele ArbeitgeberInnen es ausnutzen, dass er aus Afghanistan kommt und schlecht Deutsch spricht. Sein nächstes Ziel ist es, einen Führerschein zu machen. Dafür braucht er einen Arbeitgeber mit einem echten Achtstundentag.

Über den/die AutorIn

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp und Udo Seelhofer

Sandra Knopp ist freie Journalistin für verschiedene Radio und Printmedien, und hat die Themen Arbeitsmarkt, Soziales und Gesellschaftspolitik als Schwerpunkte. Udo Seelhofer war früher Lehrer und arbeitet seit 2012 als freier Journalist. Seine Schwerpunkte sind Gesellschaft, soziale Themen und Religion. Im Team wurden sie beim Journalismuspreis „Von unten“ 2017 für ihre Arbeit&Wirtschaft Reportage „Im Schatten der Armut“ ausgezeichnet.