Krisentagebuch 046: All Cops Are Doctors?

Jetzt wurde also beschlossen, dass die Polizei bei der Erhebung von Krankheitssymptomen bei Corona-Verdachtsfällen helfen darf. „Das ist eine ganz schlechte Idee“, sagt Politikwissenschafterin Natascha Strobl.
Es gibt mehrere gute Gründe, warum man kranken Personen oder potenziell kranken Personen nicht die Polizei vorbeischickt – sondern medizinisches Personal. Die Polizei funktioniert nach einer anderen Logik. Wenn jemand zum Beispiel eine psychische Krise hat, ist es viel besser, medizinisch geschultes Personal zu rufen als die Polizei. Es kommt mit der Polizei eher zu einer Eskalation, weil man nicht weiß, wie die betroffene Person darauf reagiert, als bei speziell geschultem medizinischem Personal. Außerdem hat nicht jede Person immer nur positive Erfahrungen mit der Polizei gemacht.

Aus vielen, vielen dieser Gründe ist es immer besser, medizinisches Personal kümmert sich um die medizinischen Dinge – und nicht die Polizei.

Natascha Strobl, Politikwissenschafterin

Wir haben es in den vergangenen Wochen gesehen: Sei es aus rassistischen Gründen, sei es, weil man schon Erfahrungen gemacht hat, wie es ist, zum Beispiel psychische Krankheiten zu haben und mit der Polizei konfrontiert zu werden. Sei es auch generell einfach ein Unwohlsein – man redet mit einem Arzt oder einer Ärztin ganz anders, als man mit der Polizei redet.

Und das beinhaltet auch – und es ist immer wichtig für die Gesundheit –, dass medizinisches Personal ganz genau wissen muss, wie der Gesundheitszustand ist. Etwa: Welche Medikamente hat man genommen? Und das beinhaltet auch zum Beispiel illegale Substanzen. Jetzt kann man sagen: „Woah, das darf man ja nicht nehmen!“ Ja eh, aber wenn die Gesundheit, das Leben davon abhängt, ist es besser, die Person sagt es – und das wird sie der Polizei nicht sagen.

Aus vielen, vielen dieser Gründe ist es immer besser, medizinisches Personal kümmert sich um die medizinischen Dinge – und nicht die Polizei.

Über den/die AutorIn

Natascha Strobl

Natascha Strobl

Natascha Strobl ist Politikwissenschaftlerin aus Wien und beschäftigt sich mit den rhetorischen Strategien der (extremen) Rechten. Auf Twitter liefert sie unter #NatsAnalysen tief gehende Analysen zu tagesaktuellen Themen.