Krisentagebuch 025: Der neue Bildungsfahrplan

Am Freitag vergangener Woche trat Bundesminister Faßmann vor die Medien, um den bereits länger erwarteten Fahrplan zur Öffnung der Schulen zu präsentieren. Was ist geplant und wie ist dies zu bewerten? Bildungsexperte Daniel Landau analysiert.
Schule ist schlicht mehr als ein Lernort. Faßmann formulierte es so: „Schülerinnen und Schüler brauchen Schule auch als gemeinsamen sozialen Raum.“ Es sollen nun zuerst jene, die im Abschlussjahr sind, zurück in die Schulen – also Maturantinnen und Maturanten in den AHS und den BHS sowie Lehrlinge im Abschlussjahr der Berufsschulen. 14 Tage danach folgen die jüngeren Schülerinnen und Schüler in den Volksschulen, den Neuen Mittelschulen sowie der AHS Unterstufe, auch in den Sonderschulen und ganz allgemein die Schülerinnen und Schüler in den Deutschförderklassen. Ende Mai folgen schließlich alle übrigen, also neben den Polytechnischen Schulen auch die Oberstufen der AHS sowie die Berufs- und berufsbildenden Schulen.

Alle Klassen werden in zwei etwa gleich große Gruppen geteilt. Montag bis Mittwoch soll dann die eine Gruppe Schule haben, Donnerstag und Freitag die andere. Die nächste Woche wird gewechselt. Unter den gegebenen Raumsituationen wie auch mit den vorhandenen Lehrerinnen und Lehrern wird jede Form von Social Distancing in den Schulen wohl kaum anders gehen als durch eine Verringerung der gleichzeitig anwesenden Schülerinnen und Schüler.

Was wäre denn geschehen, wenn Schulen dieses ganze restliche Schuljahr, also zwei Monate, gar nicht mehr verpflichtend aufgemacht hätten? Nur all jene, die das brauchen oder wollen, freiwillig hätten kommen können?

Daniel Landau, Bildungsexperte

Wie kommen Schülerinnen und Schüler zu ihren Zeugnisnoten? Laut Bundesministerium auf Basis dessen, was bis zum 12. März bereits erbracht wurde. Dazu kommen die Leistungen aus dem Home-Schooling – ein nach Erachten des Bildungsexperten Landau sehr kritischer Punkt – sowie dann alles wieder in der Präsenz ab Mai. Schularbeiten soll es übrigens dieses Schuljahr keine mehr geben: Benotungen mit Augenmaß, also unter weitgehender Berücksichtigung der besonderen Situation der letzten Wochen.

Alle Schulen erhalten ein relativ genaues Hygiene-Handbuch. Darin werden etwa Regelungen bezüglich Händewaschen oder zum notwendigen Abstand voneinander, zur Anwendung des Nasen- und Mundschutzes oder zur Verwendung von Desinfektionsmitteln angeführt. Dazu ergänzt: Spannend, ob und wie diesen Anforderungen an allen Standorten auch voll entsprochen werden kann.

Jedenfalls benötigte es auch großzügige Möglichkeiten, um etwaige Defizite bei den Schülerinnen und Schülern ausgleichen zu können. Die letzten bald zwei Monate waren bzw. sind alle über Gebühr gefordert. Da haben sich bei vielen gröbere Lücken aufgetan.

Über den/die AutorIn

Daniel Landau

Daniel Landau

Daniel Landau, Betriebswirt und Diplompädagoge für Musik und Mathematik, gründete zahlreiche Bildungsinitiativen, unter anderem das Bildungsvolksbegehren, zukunft.bildung und jedesK!ND. 2010 bis 2011 erschien seine Kolumne als „Bildungsombudsmann“ in der Tageszeitung „DiePresse“.