Sind die Österreicher:innen zu oft krank? Wird beim Krankenstand geschummelt? Rund um Krankenstände bedient sich die Wirtschaft gerne solcher Behauptungen. Arbeit&Wirtschaft hat drei weitverbreitete Mythen von ÖGB-Gesundheitsexpertin Julia Stroj überprüfen lassen.
Mythos 1: „Die hohe Zahl an Krankenständen gefährdet die Wirtschaft.“
Stroj: Es stimmt, dass Krankenstände viel Geld kosten. Deshalb sollten Unternehmen in Prävention investieren. Das ist meist günstiger als lange Ausfälle zu ersetzen oder wenn Arbeit liegen bleibt. Gesunde Arbeitsplätze bedeuten zudem zufriedene Beschäftigte, die dem Betrieb länger erhalten bleiben. Gerade in Zeiten des Fachkräftebedarfs sollten Firmen ein eigenes Interesse daran haben, dass es ihren Mitarbeitenden gut geht.

Mythos 2: „Viele Krankenstände werden nur vorgetäuscht.“
Stroj: Anders als wirtschaftsnahe Interessenvertretungen behaupten, sind laut dem Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich 65 Prozent der befragten Beschäftigten schon einmal krank zur Arbeit gegangen. Diese Zahl passt schlecht zur Behauptung, Arbeitnehmer:innen würden häufig „blau” machen. Arbeitgeber:innen können bereits ab dem ersten Tag des Krankenstands ein ärztliches Attest verlangen. Ob jemand arbeitsfähig ist, entscheiden Ärzt:innen – und nicht die Beschäftigten und schon gar nicht der Arbeitgeber.
Mythos 3: „Wer sich dauernd krankschreiben lässt, schadet den Kolleg:innen.“
Stroj: Laut Arbeitsklima Index gehen die meisten eher krank arbeiten, weil sie unter anderem ihre Kolleg:innen nicht im Stich lassen wollen. Da wird schlechtes Personalmanagement auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen, weil Dinge nicht liegen bleiben können, oder Kolleg:innen dann doppelt arbeiten müssen. Für die Genesung ist es jedoch wichtig, mit gutem Gewissen zu Hause bleiben zu können.