In Österreich sind laut Angaben der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bisher 14 Erkrankungsfälle durch das in Babynahrung entdeckte Toxin Cereulid gemeldet worden. Die betroffenen Kinder im Alter zwischen zwei Wochen und drei Jahren sind inzwischen alle wieder genesen, ließ die AGES Mitte März verlautbaren.
Schärfere Kontrollen
Das Problem ist damit aber noch nicht gelöst: Am 20. März hat Foodwatch eine Strafanzeige gegen zwei Hersteller von Babynahrung, Nestlé und Danone, bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht. Zuvor hatte Foodwatch auch in Frankreich eine Anzeige erstattet, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Skandal wirft erneut Fragen nach effizienten und verlässlichen Kontrollen unserer Nahrungsmittel auf europäischer und nationaler Ebene auf.
Auslöser des Skandals war der Inhaltsstoff Arachidonsäureöl, der als Nahrungsergänzungsmittel für Säuglingsmilch verwendet wurde, und in einer chinesischen Produktionsanlage mit dem Giftstoff Cereulid kontaminiert war. Inzwischen gibt es schärfere Kontrollen. Arachidonsäureöl darf nur noch in die EU importiert werden, wenn es zuvor im Labor auf das Toxin getestet wurde. Die nationalen Zollbehörden sollen die Lieferungen beim Import prüfen. Zu diesem Zweck wurde der Zollkodex umfassend überarbeitet und vom Europäischen Parlament Ende März angenommen wurde.
Umstrittenes Omnibus-Paket
Abseits des Babynahrungsskandals tut sich auf EU-Ebene einiges im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Die EU verfügt zwar über eines der weltweit strengsten Systeme zum Schutz von Konsument:innen. Doch diese Standards geraten zunehmend unter Druck. Die Kommission plant, die Regelungen zur Lebens- und Futtermittelsicherheit zu lockern und unbefristete Genehmigungen für Pestizid-Wirkstoffe zur Regel machen. Das entsprechende Omnibus-Paket stellte das EU-Parlament im Dezember 2025 vor. Bisher dürfen Pestizide bzw. ihre Wirkstoffe nur für maximal 15 Jahre zugelassen werden, anschließend müssen sie dann einer Neubewertung bzw. einer verpflichtenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Foodwatch warnt: Eine Lockerung dieser Regeln hätte massive Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.
Deckmantel für Deregulierung?
„Wir setzen uns klar für Bürokratieabbau ein“, bemerkt Anna Stürgkh, EU-Abgeordnete der liberalen Fraktion „Renew Europe“ und fügt hinzu, dass „Vereinfachung niemals zu weniger Konsument:innenschutz führen dürfe. Lebensmittelsicherheit und Gesundheitsschutz stehen für uns an erster Stelle“.
Günther Sidl, EU-Abgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klima und Lebenssicherheit ist skeptisch. Er hält die Pläne „für einen schweren Fehler“. Gerade bei möglicherweise krebserregenden Substanzen wie Glyphosat, müsse die EU genau hinschauen und dem Vorsorgeprinzip den Vorrang geben, sonst könnten Verbraucher:innen „unter dem Deckmantel der Deregulierung leiden“.
Update Cereulid in Säuglingsnahrung 25.02.2026
Ein Fall ist bestätigt, acht Fälle gelten als wahrscheinlich. Die Kinder sind zwischen 2 Wochen & 2 Jahre alt. Drei Kinder mussten im Krankenhaus behandelt werden. Alle Kinder sind inzwischen wieder genesen.
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— AGES – Österr. Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (@ages.at) 25. Februar 2026 um 17:15
Neben den Pestiziden sind auch die Bereiche Futtermittel, Grenzkontrollen sowie BSE-Schutzmaßnahmen von der aktuellen Omnibus-Reform und den vorgesehenen Lockerungen von Sicherheitskriterien betroffen. Ein Blick zurück zeigt allerdings, dass es gerade die strengen Maßnahmen gegen die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) Ende der 1990er-Jahre waren, die einen Wendepunkt in der europäischen Lebensmittelsicherheit gebracht haben. Damals begann die EU-Kommission ein einheitliches und strenges Kontrollsystem aufzubauen sowie die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln zu garantieren.