Wider den Privatisierungswahn

Trinkwasser, Bahn oder Post: Privatisierung und Liberalisierung bringen die staatliche Daseinsvorsorge immer stärker unter Druck. Eine schlechte Nachricht für KonsumentInnen und Beschäftigte.Doch es gibt Gegen­bewegungen.

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  1. Seite 1 - Das Öl des 21. Jahrhunderts
  2. Seite 2 - Gefahr für die Sicherheit
  3. Seite 3 - Drei Fragen zum Thema an...
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Drei Fragen zum Thema an

Gregor Lahounik
AK Wien Abteilung Umwelt und Verkehr

 Warum privatisieren und liberalisieren wir nicht einfach den gesamten Bahnverkehr?
 Weil das eine schlechte Idee wäre! Die Folgen der Bahnprivatisierung in Großbritannien etwa sind heute noch sichtbar. Doch so weit müssen wir gar nicht schauen. Der Güterverkehr ist inzwischen in der gesamten EU völlig liberalisiert, auch in Österreich. Unternehmen stürzen sich auf die Strecken, die besonders viel Profit versprechen. Damit geht die Versorgung der Fläche drastisch zurück. Als Folge wird dann Infrastruktur zurückgebaut, beispielsweise gehen Anschlussgleise verloren. Da fährt dann vermutlich nie wieder etwas, was gerade aus Klimagründen natürlich extrem problematisch ist.

 Und wie ist das beim Personen­verkehr?
 Es ist kein Zufall, dass sich private Bahnbetreiber im Personenverkehr auf die wenigen Strecken stürzen, die gewinnbringend zu führen sind. Das Nachsehen haben die Regionalstrecken und auch offensichtlich unerwünschte KundInnen, allen voran SchülerInnen und BerufspendlerInnen – die dürfen mit ihren Zeitkarten nicht überall mitfahren.

 Die Bahn funktioniert immer mehr nach Marktlogik. Wie sehen Sie das?
 Die Liberalisierung führt dazu, dass auch staatliche Bahnen in anderen Ländern oft wie Privatbahnen handeln. Aufgabe der Bahn ist nicht, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Aufgabe der Bahn sollte nicht – wie etwa bei der DB – sein, mit unzähligen Tochterunternehmen weltumspannende Logistikkonzerne aufzustellen und möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften.

Von
Michael Bonvalot
Freier Journalist

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 1/20.

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Über den/die AutorIn

Michael Bonvalot

Michael Bonvalot

Michael Bonvalot ist freier Journalist, Autor und Vortragender aus Wien. Seine Schwerpunkte sind Sozialpolitik, soziale Bewegungen sowie die exteme Rechte. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Medien in Österreich und Deutschland sowie auf bonvalot.net.