Drecksarbeit

(C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl
Zehntausende Menschen müssen in Österreich unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Die Profite wandern in die Taschen der Unternehmen.

Inhalt

  1. Seite 1 - Überausbeutung
  2. Seite 2 - Gezielter Konkurs und Dumping-Löhne
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Eigentlich würde sich Yulia (Name von der Redaktion geändert) gern voll auf ihr IT-Studium konzentrieren. „Aber ohne Job geht es sich finanziell einfach nicht aus“, wie sie erzählt. Also geht Yulia vormittags auf die Uni und arbeitet abends und am Wochenende in einem Wiener Café. Angemeldet arbeiten darf die 23-jährige Ukrainerin mit ihrem Studierenden-Visum nur 20 Stunden – viel zu wenig, um die Ausgaben für Miete und die Lebenshaltungskosten zu decken.

Ich bekomme nur das halbe Urlaubs- und Weihnachtsgeld, nur das halbe Krankengeld, und wenn ich den Job verliere, viel weniger Arbeitslosengeld.

Also macht Yulia, was sehr viele Menschen tun: Sie arbeitet schwarz und kommt so auf einen 40-Stunden-Job. Die Folgen sind der Informatik-Studentin voll bewusst: „Ich bekomme nur das halbe Urlaubs- und Weihnachtsgeld, nur das halbe Krankengeld, und wenn ich den Job verliere, viel weniger Arbeitslosengeld.“ Auch bei Pension und Abfertigung wird für Yulia weniger rausspringen. „Doch was soll ich tun? Angemeldet darf ich einfach nicht mehr als 20 Stunden arbeiten.“

Unternehmen profitieren

Yulia glaubt, dass sie laut Kollektivvertrag auch besser bezahlt werden müsste. Doch dagegen rechtlich vorzugehen fällt ihr in ihrer Situation schwer. Wer davon profitiert, ist klar: der Besitzer des großen Cafés in der Wiener Innenstadt, in dem Yulia arbeitet. Denn er spart sich hohe Summen beim Lohn und bei den Lohnnebenkosten.

Menschen, die nach langer Arbeit viel zu wenig oder sogar gar keinen Lohn bekommen – das erleben wir immer wieder.

Heidrun Aigner, Geschäftsführerin der Beratungsstelle UNDOK

Solche Probleme kennt Heidrun Aigner, Geschäftsführerin der Beratungsstelle UNDOK, aus der täglichen Praxis sehr gut. „Menschen, die nach langer Arbeit viel zu wenig oder sogar gar keinen Lohn bekommen – das erleben wir immer wieder. Oft sind es Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus oder ohne gültige Aufenthaltstitel. Und es ist offensichtlich, dass diese Menschen von den Unternehmen gezielt betrogen werden.“

Unterstützung für Undokumentierte

UNDOK ist die Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender.
UNDOK, das ist die „Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender“. Hier werden Menschen ohne oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus oder mit eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt beraten und unterstützt. Auch für EU-BürgerInnen gibt es eine Erstberatung. Diese Betroffenen werden dann an die Arbeiterkammer und den Österreichischen Gewerkschaftsbund weiterverwiesen. Dort gibt es auch muttersprachliche Beratung in verschiedenen Sprachen.

Die AK und die Gewerkschaften Bau-Holz, GPA-djp, vida und PRO-GE haben laut Geschäftsführerin Aigner eine tragende Rolle für die Arbeit von UNDOK. Ebenfalls beteiligt sind die ÖH-Bundesvertretung, NGOs, MigrantInnenorganisationen sowie antirassistische und basisgewerkschaftliche AktivistInnen.

Überausbeutung

Doch warum arbeiten Menschen schwarz? „Wenn Menschen der volle Zugang zum Arbeitsmarkt verweigert wird und es in vielen Fällen auch keine sonstige Existenzsicherung gibt, dann arbeiten Menschen ohne Papiere“, erklärt Aigner.

Wenn Menschen der volle Zugang zum Arbeitsmarkt verweigert wird und es in vielen Fällen auch keine sonstige Existenzsicherung gibt, dann arbeiten Menschen ohne Papiere.

Heidrun Aigner, Geschäftsführerin der Beratungsstelle UNDOK

Für die Betroffenen ist das enorm problematisch. Aigner nennt eine lange Liste von Schwierigkeiten: „Die Menschen sind überausbeutbar, sie werden betrogen, die Arbeit ist oft anstrengend und gefährlich, es gibt keine Schutzstandards, die Kollektivverträge werden nicht angewendet, die Arbeitszeiten ufern aus, es gibt keine Sonderzahlungen und Versicherungsleistungen und immer wieder sogar sexualisierte oder andere Übergriffe.“

Undokumentierte Arbeit bedeutet für die Betroffenen auch extremen Stress. „Die Menschen sind enorm ausgeliefert, haben Angst vor Kontrollen und davor, dass sie angezeigt werden“, erzählt die UNDOK-Koordinatorin. „Eigentlich gilt das Arbeitsrecht unabhängig vom Aufenthaltsstatus für alle Arbeitenden“, so Aigner. „Doch manchmal ist es aufgrund des Aufenthaltsstatus schwierig, vor Gericht zu gehen.“ Das wüssten auch die Unternehmen, die die Betroffenen ausbeuten: „Migrationsgesetze erschweren es den Betroffenen, zu ihrem Recht zu kommen. Und wir müssen natürlich in der Beratung den Aufenthaltsstatus mitbeachten, damit die Betroffenen keine zusätzlichen Probleme bekommen.“

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Über den/die AutorIn

Michael Bonvalot

Michael Bonvalot

Michael Bonvalot ist freier Journalist, Autor und Vortragender aus Wien. Seine Schwerpunkte sind Sozialpolitik, soziale Bewegungen sowie die exteme Rechte. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Medien in Österreich und Deutschland sowie auf bonvalot.net.